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Vereinbarkeit von Familie und Beruf
10. May 2011 - Jochen Wiemken

Bis 2020: SPD will Rechtsanspruch auf Ganztagesangebote in Kitas und Schulen

Die SPD hat ein Positionspapier zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf verabschiedet. Kern des Beschlusses ist der Vorschlag bis 2020 einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Kitas und Schulen einzuführen. (Foto: dpa)

Vielerorts in Deutschland gibt es noch großen Nachholbedarf bei Ganztagsangeboten in Kitas und Schulen. Deswegen hat die SPD einen Stufenplan vorgelegt, wie bis zum Jahr 2020 Ganztagskindertagesstätten und Ganztagsschulen flächendeckend und bedarfsgerecht ausgebaut werden können.

Die SPD will den Rechtsanspruch auf Ganztagesangebote in Kitas und Schulen bis 2020 verwirklichen. „Für alle Familien, die dies wollen, muss überall in Deutschland ein Ganztagesangebot vorhanden sein“, heißt es in dem Beschluss.

Konkret fordert die SPD einen „Masterplan Ganztagsschule“, mit dem in einem ersten Schritt bis 2015 zusätzlich 7.000 Ganztagsschulen – also ganztägige Lehr- und Betreuungsangebote – geschaffen werden. In einem zweiten Schritt bis zum Jahr 2020 gilt es, ein flächendeckendes und bedarfsgerechtes Angebot an Ganztagsschulen sicherzustellen. 

Flächendeckender Ausbau ist enorme Kraftanstrengung

Für den Zeitraum 2012 bis 2015 sind hierfür Investitions- und Personalmittel in Höhe von jeweils etwa 4 Milliarden Euro notwendig. Für die zweite Stufe bis 2020 müssen nach ersten Schätzungen weitere rund 23 Milliarden Euro veranschlagt werden.

Die geschätzten Investitionskosten zeigen, dass der Ausbau der Ganztagsangebote eine „enorme Kraftanstrengung“ sei, der sich Bund, Länder und Kommunen gemeinsam stellen müssen, sagt SPD-Parteivize Manuela Schwesig. Die Investitionen könnten nur in einer Gemeinschaftsaufgabe gestemmt werden, „der sich Bund, Länder und Kommunen gemeinsam stellen müssen“, heißt es in dem Beschluss.

Zukunftsinvestitionen mit hohem ökonomischen Ertrag

SPD-Parteivize Manuela Schwesig verweist darauf, dass neben der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf und der großen bildungspolitischen Bedeutung für die Kinder diese Zukunftsinvestitionen einen hohen ökonomischen Ertrag haben. Schwesig: „Wir müssen dem Ausbau der Infrastruktur eine große politische Priorität einräumen und zusätzliche Steuereinnahmen direkt in Bildung und Betreuung investieren“.

Der Stufenplan im Einzelnen

1. Stufe: Realisierung des Rechtsanspruchs auf Bildung und Betreuung für Kinder ab Eins bis 2013 durch zusätzliches finanzielles Engagement des Bundes auf der Basis einer aktualisierten Bedarfsprognose.

2. Stufe: Einführung eines Rechtsanspruchs auf ganztägige Bildung und Betreuung in Kitas für Kinder von Alleinerziehenden ab 2013.

3. Stufe: Rechtsanspruch auf Ganztagsangebote für alle Kinder im Vorschulalter bis 2017.

4. Stufe: Ausbau eines flächendeckenden und bedarfsgerechten ganztätigen Angebots an Schulen. In einem ersten Schritt um 7.000 zusätzliche Ganztagsschulen bis 2015. Ab 2020 Einführung eines Rechtsanspruchs auf Ganztagsschule.

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Materialien

Arbeit und Soziales

"SPD-Plan für den Ausbau von Kitas und Ganztagsschulen: Familie und Beruf müssen vereinbar sein" [PDF, 23 kB]
PDF · 22,0 kB

Arbeit und Soziales

"Familie und Beruf partnerschaftlich besser vereinbaren" [PDF, 88 kB]
PDF · 86,6 kB

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08. January 2012 • 18:38 Antworten

Thomas Nagel

Ganztagsangebote und -schulen sind m.M. vor allem ein pädagogischer Fortschritt. Deshalb darf man nicht nur einen Träger bedenken, die Schulen müssen von Anfang an dabei sein. Durch das schreckliche G8 sind die Gymnasien sowieso schon Ganztagsschulen, nur eben verkappt und ohne die notwendige Ausstattung. (Gewerkschafter und insbesondere Personalräte der Lehrer sollten mal die Stundenzahl der Schüler prüfen!) Wichtig ist zudem, daß die zunehmenden Anforderungen nach Flexibilität der Eltern im Berufsleben erfüllbar werden, ohne daß diese entweder Verwandte (Großeltern etc) mit Abhol- oder Aufsichtspflichten belasten, oder aber das alles selbst (oft bis zur puren Selbstausbeutung) erbringen müssen. Außerdem wäre wichtig, bei den Anforderungen, die von Schulen und anderen an die Eltern gestellt werden, die Maßstäbe zu überdenken. Nicht alles was machbar ist ist auch notwendig. Nicht jedes Kind, das einen Laut im Kindergarten nicht richtig ausspricht muß gleich für Jahre zur Logopädie. Da wird heute oft ein maßloser Perfektionismus angestrebt, das überfordert ganz viele Eltern. Grüsse aus Unna, Th. Nagel

06. July 2011 • 15:26 Antworten
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Gelöschter Nutzer

Hallo, ich heiße André Hense und ich habe das Glück in Schleswig-Holstein in einer priviligierten Gemeinde zu leben, die es sich leistet, sehr viel Geld in die Kinderbetreuung zu investieren. Der Vorstoß der SPD ist konsequent und richtig! Er kann aber nur dann funktionieren, wenn die landesrechtlichen Gesetze und Vorschriften analog angepaßt werden. In Schleswig-Holstein hat die Landesregierung zum Beipiel vor kurzem den Betreuungsschlüssel in den Kindertagesstätten abgesenkt ... sparen auf Kosten der Familien und ihrer Kinder!! Wozu führt das? Die Gemeinden, die finanziell dazu in der Lage sind, vereinbaren mit ihren Trägern, einen pädagogisch sinnvollen und zielgerichteten Betreuungsschlüssel. Das stellt gegenüber anderen Gemeinden einen erheblichen Wettbewerbsvorteil dar ... Familien entscheiden sich, verständlich, für die Gemeinden, wo sie u.a. das bessere, umfangreichere und qualifiziertere Betreuungsangebot erhalten. Gemeinden, die sowie so schon Geld haben, bekommen durch verstärktem Zuzug (Finanzausgleich) noch mehr Geld, während die anderen Gemeinden "auf der Strecke" bleiben. Hier muss durch die Bundesregierung für die gleichen Startbedingungen gesorgt werden. Das kann m.E., neben dem oben geschriebenen, nur dadurch geschehen, dass ein nicht unerheblicher Prozentsatz der Kosten aus Berlin übernommen werden muss.

09. June 2011 • 01:40 Antworten

vincentschoenemann

Hallo! Ich kann den Herren Sannmann und Zimmermann nur beipflichten. Wenn ich das richtig verstanden habe, sollen Ganztagsschulen dem Zweck dienen vorallem "bildungsferne"(ekelhafter Begriff), "sozialschwache" und oder "Problem-" Kinder zu integrieren, denn Kinder aus guten Haus profitieren ja nicht wirklich von ihr, denn die sind Betreut und kriegen Mittags was warmes auf den Tisch. Das Ganze halte ich für sehr problematisch. Jedenfalls hier in Berlin überwiegen vieler Orts die erstgenannten und meiner Erfahrung nach werden die zweiteren ziemlich fies gemobbt, worauf hin viele sich angleichen. Das zweite Problem ist, dass die Lehrkräfte hier zu Lande schon absolut überarbeitet sind.(Ich weiss wovon ich rede, meine Mutter ist Lehrerin und ihr zweiter Mann auch.) und das dritte und in meinen Augen größte Problem ist, dass Eltern über die Jahre hinweg aus sämtlicher Verantwortung gezogen werden, was für viele "Problem"-Kids sicherlich besser ist, aber lange noch nicht gut. Es wäre wohl wichtiger Eltern, vorallem am sozialen Rand, bei ihrem Lebensweg zu begleiten und zu unterstützen. Dafür gibt es ein Instrument, das Jugendamt. Und da kommen die Herren Sannmann und Zimmermann wieder ins Spiel: Würde ein Kind in der Grundschule auffallen, so könnte der/die Klassenlehrer/in mal nachschaunen, was da zu Hause los ist und die Eltern in Richtung Jugendamt verweisen, wo ihnen(den Eltern) in der Theorie geholfen werden sollte. Und jetzt spielen wir mal die Theorie nicht in einem politischen Vakuum durch, sondern in einer etwas realistischeren Versuchsumgebung(in diesem Fall in einer die aus meinem persönlichen, nur dünnem Wissen über die Verhältnisse in Berlin, denn wo anders wohne ich ja auch nicht ) : Ein Schüler der 10ten Klasse verhällt sich von heute auf Morgen daneben, fällt negativ auf und rutscht Leistungstechnisch ab. Der Klassenlehrer kennt mit Mühe und Not den Namen des Schülers(kein Witz. Meine Mutter hat von Montag-Donnerstag in jeder Stunde eine andere Klasse! Merken Sie sich mal die Namen von 12 Klassen.) Weil die heimischen Verhältnisse sich zuspitzen(zB eine Scheidung), geht das Kind auf eigene Faust zum Jugendamt. Dort wird ihm nicht geholfen, denn die Mitarbeiter des Jugendamtes haben die Anweisung erhalten, so wenig wie nur möglich zu informieren, denn es muss ja gespart werden. Das Kind hat, entschuldigung aber anders kann man es nicht sagen, die Arschkarte. Und wieder hat die Gesellschaft ein Mitglied verloren. Ich spreche hier zum Teil aus eigener Erfahrung. Ich für meinen Teil wohne seit fünf Jahren mit meinem alkoholkranken Vater in einer 30 m² 1-Zimmerwohnung. In dieser Woche habe ich endlich meine Härtefallregelung bekommen, die es mir ermöglicht, dor auszuziehen. Mein erstes Mal mit dem Jugendamt war mit 15. Die haben mich zwischen 5 Außenstellen hin und her geschickt. Ich fragte, ob ich denn in betreutes Wohnen gehen könnte und erhielt die simple antwort "Nein.". Ich bin ein Hartnäckiges Exemplar, stehe in Verantwortung für andere und kann daher nicht aufgeben, jeder normale Mensch in meinem Alter würde resignieren, ich gehe zum Bund was nicht besser, sondern nur besser bezahlt ist . Pläne machen ist was feines, bis diese an der Realität scheitern. In meinen Augen wären die bestehenden Instrumente zur Unterstützung der Erziehung völlig ausreichend, wenn man Sie denn endlich mal ausreichend finanzieren würde um sie überhaut effektiv Nutzen zu können. Und sonst wäre ich dafür mehr Lehrer zu beschäftigen, denn ausgelastete Lehrer sind eine pädagogische Wunderwaffe(wenn ich mir diesen Begriff mal erlauben darf). Ich schätze mal, dass sich die die meisten Lösungen gesellschaftlicher oder bildungspolit. Probleme in der Finanzpolitik verstecken.

24. May 2011 • 22:56 Antworten

Thomas Sannmann

Das vorhandensein von Kita Plätzen alleine bringt rein gar nix wenn wenn die Kreise es dann durch zu hohe Kosten Sozialschwachen unmöglich machen diese für ihre Kinder wichtigen Plätze auch zu nutzen. Eine Bundeseinheitliche Sozialstaffel würde das Problem beheben.

13. May 2011 • 14:37 Antworten

MichaelZimmermann

Das ist alles richtig, nur was nutzt das Ganze, wenn Kommunen als Träger der Kindertagesstätten es nicht finanzieren können und demnächst zukünftige Haushaltsauflagen einen Kostendeckungsgrad von 33%(in Hessen) für Kindertagesstätten durch Elterneinnahmen vorsehen. Dies bedeutet eine Anhebung der Gebühren. Ich lese immer nur Rechtsanspruch, wer soll das Ganze denn bezahlen liebe Genossen. Ich bin auch für eine Freistellung von Gebühren, aber dass muß dann auch von Berlin gezahlt werden, die Kommunen sind jetzt schon finanziell ausgeblutet.