Entgeltgleichheit
06. September 2012 - Christine KrokeChefinnen verdienen weniger als Chefs
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Die Realität sieht aber ganz anders aus: Sogar Frauen in Führungspositionen verdienen laut einer neuen Studie mehr als 20 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Freiwillige Vereinbarungen bringen nichts, fürchtet auch die Sozialdemokratin Elke Ferner: "Wir brauchen dringend gesetzliche Regelungen."
Das Institut für Wirtschafts- und Sozialforschung (IWS) ermittelte in seinem aktuellen Führungskräfte-Monitor die neuste Entwicklung bei den Gehältern von Männer und Frauen. Ein Fazit: Die Unternehmen müssen per Gesetz stärker in die Pflicht genommen werden.
Wie das IWS herausfand, gibt es vor allem bei den Führungskräften zwischen den Gehältern von Männern und Frauen weiterhin gravierende Unterschiede. Weibliche Führungskräfte bekommen im Schnitt 21 Prozent weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen. Die Verdienstlücke ist zwar zwischen 2001 und 2011 um neun Prozent gesunken – in Deutschland ist sie aber im EU-Vergleich am größten. Damit werden Frauen in Führungspositionen genauso benachteiligt wie andere weibliche Mitarbeiter in weniger verantwortungsvollen Positionen.
Für Caren Marks, Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion für Frauen, ist das Ergebnis der Studie keine große Überraschung, "es macht erneut das lang bekannte Problem der Lohnungleichheit zwischen Männer und Frauen deutlich." Diese Diskrepanz sei auf allen hierarchischen Ebenen in der Arbeitswelt anzutreffen. Die SPD hat aktuell entsprechende Gesetzesentwürfe in den Bundestag eingebracht, die konkrete Lösungen beinhalten, "darunter einen Entwurf für ein Gesetz zur Durchsetzung eines Entgeltgleichheitsgebots für Frauen und Männer“, so Marks.
Freiwillige Vereinbarungen sind wirkungslos
Elke Ferner, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF), ergänzt die Forderungen. „Wir brauchen dringend gesetzliche Regelungen. Die bisherigen freiwilligen Vereinbarungen waren so gut wie wirkungslos." Deshalb will die SPD ein Entgeltgleichheitsgesetz, das diese Forderung auch umsetzen kann. „Außerdem wollen wir Betriebsräte bei der Offenlegung von ungleichen Löhnen stärken und zusätzlich Diskriminierungschecks einführen“, ergänzt die SPD-Politikerin.
Die Zahlen des Führungskräfte-Monitor machen deutlich: Die Politik muss eingreifen und Unternehmen in die Pflicht nehmen. Eine erste positive Entwicklung auf den unteren und mittleren Führungsebenen sollte genutzt und verstärkt werden. Doch dafür müssen sich die Unternehmen weiter öffnen - und das nicht zuletzt auch gegenüber den Lebensrealitäten von Frauen - zum Beispiel Frauen mit Kindern. Bislang prägen zumeist die Lebensrealitäten der Männer die Norm in den Führungsetagen.
Rahmenbedingungen für Frauen stärken
„Wir müssen die Rahmenbedingungen so verbessern, dass Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch auf der Führungsebene möglich wird", fordert Caren Marks. Die SPD hat aus diesem Grund einen Gesetzesentwurf auf den Weg gebracht, der die Chancengleichheit von Männern und Frauen in Wirtschaftsunternehmen fördert.
Am 21.September wird im Bundesrat darüber abgestimmt, ob eine Gesetzesinitiative vor allem der SPD-geführten Länder für eine Frauenquote eingebracht wird.