Wahlkampf in den USA
11. October 2012Es wird eng
Eine Woche nach dem ersten Fernsehduell im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf gehen die Umfragen für den amtierenden Präsidenten Barack Obama nach unten. Sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney hat aufgeholt. Aus den USA berichten die SPD-Referenten Thomas Bosch und Dennis Eighteen.
Noch vor einer Woche deutete alles auf einen deutlichen Sieg am 6. November für den Amtsinhaber hin. Dann kam das erste Fernsehduell, in dem Obama die an ihn gestellten hohen Erwartungen nicht erfüllen konnte. Romney hingegen hat seine Chance genutzt und den Wahlkampf in den USA wieder spannend gemacht.
Aktuelle Umfragen zeigen derzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden Bewerbern. Besonders besorgniserregend für die Demokraten ist dabei, dass die Republikaner in mehreren Swing States deutlich zulegen konnten. Hier wird die Wahl entschieden. So liegt zum Beispiel Romney letzten Umfragen zur Folge, in Florida etwa zwei bis drei Prozentpunkte vor dem Präsidenten. Hier hatte sich in den Wochen vor dem Duell ein Trend zu Gunsten Obamas abgezeichnet. Dieser scheint jetzt gebrochen.
Auch in anderen weniger bevölkerungsreichen aber ebenfalls wichtigen Staaten wird Obama mit Umfrageeinbußen konfrontiert.
Psychologischer Vorteil für Romney
Können Fernsehdebatten also doch wahlentscheidend sein? Das wird sich zeigen. Zwei Debatten stehen noch aus – am 16. und am 22. Oktober. Und am Donnerstag findet die Debatte zwischen dem amtierenden Vizepräsidenten Joe Biden (D) und dem von Romney ernannten Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten, dem Kongressabgeordneten Paul Ryan (R) statt.
In den letzten Tagen ist deutlich geworden, dass Mitt Romney und die Republikaner nach dem Duell Rückenwind verspüren. Ein nicht unbedeutsamer psychologischer Vorteil im Wahlkampf. Obama und die Demokraten sind in der Defensive und müssen jetzt wieder Boden gut machen.
Deshalb ist es auch kein Wunder, dass die Strategen der Demokraten entschieden haben, dass Präsident Obama zu Beginn der Woche in Columbus, der Hauptstadt Ohios, Station machen würde.
Stimmenfang an der Uni
An diesem Dienstag kommen bei sonnigem Herbstwetter rund 20.000 Besucher auf den Campus der Ohio State University. Im Vorfeld wurde die Veranstaltung vor allem per E-Mails, soziale Netzwerke, im Internet, Radio, TV und Print beworben. Plakate, wie wir sie aus Deutschland kennen, sucht man hier vergebens.
Bereits am Vormittag trafen sich rund 200 freiwillige Unterstützer, um die Veranstaltung vorzubereiten aber auch um die Gunst der Stunde zu nutzen: In Ohio endete am Monatabend die „Golden Week“. So nennen die Wahlkämpfer die Zeitspanne, in der man sich gleichzeitig als Wähler registrieren und die Stimme abgeben kann. Auch deshalb organisierten die Demokraten in Columbus ein großes Event, um so viele nicht registrierte Obama-UnterstützerInnen wie möglich ausfindig zu machen, diese zu registrieren und im Idealfall gleich zu dem seit 2. Oktober geöffneten Wahllokal zu befördern.
Von der Wahlkampfveranstaltung direkt zur Urne
Deshalb stehen etwa 20 Busse bereit, mit denen sich die Besucher der Wahlkampfveranstaltung nach der Rede des Präsidenten direkt zum Wahllokal fahren lassen konnten. Ersten Zahlen zu Folge ist der Zulauf zu den Wahllokalen bei diesen Wahlen mehr als doppelt so hoch als noch vier Jahren. So verwundert es nicht, dass in unmittelbarer Nähe des Wahllokals WahlhelferInnen im Einsatz sind, die den potenziellen Wählerinnen und Wählern wenige Meter vor dem Eingang zum Wahllokal noch mal einen Flyer mit allen demokratischen Bewerberinnen und Bewerbern auf nationaler und lokaler Ebene in die Hand drücken
Die Zielgruppe der Veranstaltung in Columbus sind vor allem Studierende. Deshalb ist neben dem Präsidenten ein weiterer Stargast anwesend, der für Obama um die Gunst der Studenten wirrbt: Es ist der Rapper und Hip-Hop-Produzent Will.I.Am (The Black Eyed Peas), der im Vorfeld des Auftritts von Barack Obama, zusätzlich Stimmung in die Menschenmenge bringt.. Eingeladen wurde auch zu einer „after-vote-party“ in der Nähe des Wahllokals, bei der Will.I.Am den Ton angibt und alle Studenten dazu aufruft, noch heute für Obama zu wählen.
„Ich liebe euch auch – aber ich brauche auch eure Stimme“
Die Schwerpunkte in Obams Rede liegen an diesem Tag darauf, deutlich zu machen, dass er seine Versprechen in den vergangenen vier Jahren eingelöst habe. Er verweist auf die gestiegenen Beschäftigungsverhältnisse, der Einführung einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung für alle, das Ende des Irakkriegs und die verstärkten Anreize auf dem Feld der erneuerbaren Energien. Mehrfach betont er, dass allein die Menschen in Amerika dies möglich gemacht hätten „It’s about you“. Und in Anlehnung an den ehemaligen demokratischen Präsidenten John F. Kennedy :
„We understand: America is not about what can be done for us it’s about what can be done by us together as a nation and as one people.“
Die Hauptbotschaft des Tages in Ohio aber war: Geht wählen – heute“! Und deshalb war die Antwort des Präsidenten auf eine Liebeserklärung („I love you“) aus der Menge unmissverständlich:
„I love you back, but I need your vote!“