Chat mit Peer Steinbrück
16. October 2012 - Jochen Wiemken„Glauben Sie, Sie können Merkel schlagen?“
Und er tut es doch! Der „Offline-Kandidat“ Peer Steinbrück ist online gegangen – und hat sich den Fragen im Netz gestellt. Eine Stunde lang löcherten die Menschen den Kanzlerkandidaten in spe im Chat. Dabei erfuhren sie nicht nur, was Steinbrück besser machen will als Merkel, sondern auch, was er an ihr bewundert.
Die „Drähte glühten“ im Willy-Brandt-Haus als der SPD-Kanzlerkandidaten im Chat zum SPD Bürger-Dialog war. 900 Fragen wurden binnen einer Stunde gestellt. Eurokrise, Arbeitsmarktpolitik, Steuern, Mieten oder die wachsende Spaltung zwischen Arm und Reich – das waren nur einige der Themen.
„Sonst säße ich nicht hier!"
„Glauben Sie, Sie können Merkel schlagen?“, wurde Steinbrück gefragt. Seine Antwort kurz und klar: „Sonst säße ich nicht hier!“
„Wie kommt es, dass Sie nun doch im Internet sind“, fragte User 'Olli'. Steinbrück stellt klar, er habe schon als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen die neuen digitalen Kommunikationsmöglichkeiten genutzt. Und werde sie natürlich weiter nutzen. Es müsse allerdings zu ihm passen, so Steinbrück: „Mein Sohn sagt mir, es sei nicht glaubwürdig, plötzlich auf die Anschmeiße zu gehen.“
Was will der SPD-Kanzlerkandidat gegen die steigenden Mieten und mangelnden Sozialwohnungen tun? Steinbrück verspricht, dass die SPD sich dieses Problems annehmen werde. Dies sei ein „zweifellos zentrales Thema", das leider in der politische Debatte unterbelichtet sei. Viele Geringverdiener, junge Menschen und Partnerschaften würden in den Großstädten keinen Wohnraum zu auskömmlichen Mieten finden, so Steinbrück.
„Hand aufs Herz: Tippen Sie gerade eigentlich selbst?“
Tut er es oder tut er es nicht? User Oliver Gupta will es vom SPD-Kanzlerkandidaten genauer wissen und fragt: „Hand aufs Herz: Tippen Sie gerade eigentlich selbst?“ Steinbrück antwortet: „Lotto habe ich vor Jahren aufgegeben. Derzeit diktiere ich und ein hilfreicher Geist neben mir tippt – einfach, weil sie das besser und schneller kann als ich. Umso mehr Antworten kann ich geben.“
Eine gute Entscheidung, angesichts des Ansturms auf den SPD.de-Chat. Mehr als 900 Fragen liefen innerhalb einer Stunde ein. Um Dopplungen zu vermeiden und möglichst viele unterschiedliche Themen zu beantworten wurden sie vormoderiert.
Maß und Mitte wiederherstellen
Warum er Steinbrück wählen sollte, fragt der 17-jährige Erstwähler 'Steven'. Steinbrück antwortete, es gehe ihm darum, unsere Gesellschaft zusammenzuhalten, Maß und Mitte wiederherzustellen und der derzeitigen, marktradikalen Politik eine stärkere Gemeinwohlorientierung entgegenzusetzen – von der Arbeitsmarktpolitik über die Bildungspolitik bis hin zur Finanzausstattung der Kommunen.
Steinbrück und Merkels Hosenanzüge
Großes Gelächter kam in der Werkstatt Bürger-Dialog auf, als Steinbrück die Frage beantwortet, wovon er sich gerne eine Scheibe von Merkel abschneiden würde?: „Von ihren Hosenanzügen“.
Ein Bürger bittet Steinbrück, so zu bleiben wie er ist. Das gefällt dem Kanzlerkandidaten in spe: „Ich werde mich schon nicht verbiegen. Aber wenn Sie nicht das folgenlose Geschwurbel von Politikern hören wollen, dann sehen Sie ihm nach, wenn er sich gelegentlich in Bildern und im Klartext auch mal vergreift“.
Viele Fragen blieben mangels Zeit leider unbeantwortet. Steinbrück verspricht: „Ein neuer Termin wird verabredet.“
Hier finden Sie das gesamte Chat-Protokoll [PDF, 60 KB].