Studie: Jeder Sechste von Armut bedroht
18. October 2012 - Christine KrokeArmutszeugnis für Schwarz-Gelb
Das Armutsrisiko in Deutschland steigt weiter. Rund 12,8 Millionen Menschen in Deutschland sind armutsgefährdet. Das meldet das Statistische Bundesamt. „Das ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Armutszeugnis für die Bundesregierung“, sagt die stellvertretende SPD-Parteivorsitzende Manuela Schwesig.
Als armutsgefährdet gilt nach Angaben der Statistiker, wer nach Beanspruchung staatlicher Leistungen weniger als 952 Euro im Monat zum Leben hat. Die Zahlen werden seit 2005 erhoben. Damals lag die Quote der Armutsgefährdung noch bei 12,2 Prozent. Seitdem stieg sie kontinuierlich, zuletzt auf 15,8 Prozent. Dabei beziehen sich die Statistiker auf Zahlen aus dem Jahr 2010.
Hausgemachte Probleme
„Die Probleme sind hausgemacht: Die Merkel-Regierung weigert sich, einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn einzuführen, und Dumpinglöhnen bleiben weiter Tür und Tor geöffnet. Auf dem Buckel von Arbeitnehmern verdienen sich Unternehmen so eine goldene Nase und versuchen die Unternehmer auszubremsen, die ihren Mitarbeitern faire Arbeitsbedingungen geben“, kritisiert Schwesig die Politik von Union und FDP.
Auch der Präsident der Arbeiterwohlfahrt, Wolfgang Stadler, kritisiert Schwarz-Gelb: „Die Bundesregierung muss sich fragen lassen, wie es möglich ist, dass in wirtschaftlich erfolgreichen Zeiten immer mehr Bürger arm werden“.
Die Armutsquote zeigt auch, dass Frauen (16,8 Prozent) häufiger von Armut betroffen sind als Männer. Bei den älteren Menschen ab 65 Jahren liegt der Wert bei 14,2 Prozent.
Gegen Erwerbsarmut vorgehen
Die Nationale Armutskonferenz weit in ihrem „Schattenbericht" außerdem darauf hin, dass in Deutschland inzwischen fast jeder Vierte im Niedriglohnsektor arbeitet und rund 7,7 Millionen Menschen staatliche Leistungen zur Sicherung des Existenzminimums beziehen. Der am Mittwoch in Berlin erstmals vorgestellte „Schattenbericht“ ist ein Gegenentwurf zum Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, welcher voraussichtlich Mitte November ins Kabinett kommen soll.
Die Organisation – ein Zusammenschluss von Sozial- und Wohlfahrtsverbänden sowie Gewerkschaften – verlangt als Gegenmaßnahmen gegen Erwerbsarmut unter anderem gesetzliche Mindestlöhne, höhere Regelsätze und Förderprogramme gegen Wohnungsnot.
Auch Manuela Schwesig sieht das größte Problem in den prekären Beschäftigungsverhältnissen vieler Arbeitnehmer: „Solange die Bundesregierung nicht massiv gegen Erwerbsarmut vorgeht, leistet sie allen Beteuerungen von Frau von der Leyen zum Trotz der Altersarmut Vorschub. Mit dieser Politik wird die Armut in Deutschland nicht weniger, sondern mehr!“
(mit dpa)