Drittes TV Duell der US-Präsidentschaftskandidaten
23. October 2012Zwei zu Eins für Obama
Am Montag Abend fand in Boca Raton, Florida, die letzte der drei Fernsehdebatten zwischen dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama und seinem republikanischen Herausforderer Mitt Romney statt. Nachdem sich die beiden ersten Debatten um innenpolitische Themen drehten, lag der Schwerpunkt diesmal auf der Außenpolitik. Thomas Bosch, Referent beim SPD-Vorstand, berichtet aus den USA.
Die Lage im Mittleren Osten, die Situation in Libyen, Syrien, Ägypten, Afghanistan und Pakistan, Irans Atomprogramm, die Freund- und Partnerschaft mit Israel und der Umgang mit Chinas wachsender Wirtschaft waren die Hauptthemen der Debatte. Unterschiede zwischen den Positionen Obamas und Romneys gab es nur im Detail. Trotzdem nutzten beide Kandidaten diese um den Gegner zu attackieren.
So warf Romney Obama vor, dass er und seine Administration in den Krisenherden der Welt zu zaghaft und mit zu wenig Führungswillen herangegangen seien. Romney selber erläuterte aber nicht, was er anders machen wolle - außer die Ausgaben für das Militär nicht zu kürzen. Iran sei heute eine größere Bedrohung als vor vier Jahren, die Situation im Nahen Osten wäre chaotisch und Obama hätte Israel nicht ausreichend Aufmerksamkeit geschenkt. Überall in der Welt sei der Einfluss der USA zurückgegangen, weil Amerika unter Obama so schwach geworden sei, so Romney.
Obama hielt dagegen: Sein Ziel sei es immer gewesen sei, die Sicherheit des Volkes zu schützen und in Kooperation mit Bündnispartnern in der ganzen Welt für Frieden zu sorgen. Er habe den Irakkrieg beendet, den Einfluss Al Kaidas auch und gerade durch den Tod von Osama bin Laden zurückgedrängt und klar und deutlich gemacht, dass die USA immer an der Seite Israels stehe. Außerdem würde er dafür sorgen, dass der Iran nicht in der Lage sei eine Atombombe zu bauen, so lange er Präsident sei. Führung bedeute Diplomatie und Romney hätte mehrfach deutlich gemacht, dass er keine klaren Positionen habe. Außerdem würde der Republikaner permanent seine Meinung ändern und damit den Bündnispartnern keine Orientierung geben. Er verwirre die Welt mit seinen Äußerungen und sei deshalb nicht in der Lage, dieses Amt auszufüllen. Obamas Hauptaussage: Romney führt Amerika zurück in die Bushjahre.
Innenpolitik immer wieder Thema
Beide Bewerber büchsten immer mal wieder zu innenpolitischen Themen aus. Dabei gelang es vor allem Romney, die eigentlich außenpolitisch gemeinte Frage, wie er denn Amerikas Rolle in der Welt sehe, zu einem innenpolitischen Angriff auf Obama umzumünzen. Da Amerika international eine Führungsrolle einnehmen muss, benötige es auch einen führungsstarken Präsidenten, so Romney. Amerika könne auch nur dann einflussreich auftreten, wenn es innenpolitisch gut dastehe, betonte der Herausforderer immer wieder.
Obama entgegnete, wie wichtig Investitionen in Bildung und Forschung seien, dass er in der Wirtschafts- und Finanzkrise vor allem die Autoindustrie unterstützt und damit zahlreiche Arbeitsplätze gesichert hätte. Dadurch habe er sich um den Mittelstand gekümmert. Wenn Romney in den vergangenen vier Jahren Präsident gewesen wäre, hätte er die großen Autobauer bankrott gehen lassen. Außerdem würde er sich ohnehin nicht für den Mittelstand interessieren, so Obama.
Diese Sequenz bestimmte zwar nicht das Duell, denn der Präsident war insgesamt klar souveräner als sein Herausforderer, der in Detailfragen sichtlich unsicher wirkte. Insofern hat Obama dieses Duell für sich entschieden. Es ist ihm allerdings nicht gelungen, daraus noch einmal richtig Kapital zu schlagen.
Zweite Debatte war die spannendste
Besonders die zweite Debatte hatte inhaltlich die meiste Substanz. Bei dieser war Obama unter Druck und zeigte sich aufgeräumt, frisch und angriffslustig. Später witzelte er, dies sei möglich gewesen, weil er sich beim ersten Duell ein kleines Nickerchen geleistet hatte. Kein einziges Mal ließ er sich da in die Defensive zwingen.
Beim zweiten TV-Duell bildeten 80 unentschiedene Wählerinnen und Wähler das Publikum, das den beiden Bewerbern Fragen stellendurfte. Die Kandidaten waren nicht an ihre Stehpulte oder Sessel gebunden. Sie konnten sich in einer definierten Zone frei bewegen. Das taten sie auch und das machte das Format um ein Vielfaches interessanter. Romney und Obama belauerten sich manchmal wie rivalisierende Tiere im Käfig – die Spannung und die Anspannung war greifbar. Der Vermittlung inhaltlicher Botschaften hatte dies indes nicht geschadet – im Gegenteil. Ein Format über das man vielleicht auch in Deutschland im kommenden Jahr nachdenken sollte.
Während die anderen beiden Formate sich meist in Überschriften erschöpften, machte das zweite Duell die Unterschiede deutlich. Romney betonte mehrfach, dass er dafür sorgen werde, dass Amerika wieder ein attraktiverer Standort für Investitionen wird, um so mehr Jobs zu schaffen. Er wolle die Steuern für den Mittelstand senken und kritisierte seine eigene Partei, sich in der Vergangenheit nur auf die Großkonzerne konzentriert zu haben. Er betonte, dass er ein Präsident für alle (100 Prozent) sein wolle. Eine Steilvorlage für Obama, der ihm anschließend vorwarf, dass er sich bei einer heimlich mitgeschnittenen Veranstaltung zu der Äußerung habe hinreißen lassen, dass 47 Prozent der Amerikaner keine Einmkommenssteuer zahlen und sich immerzu als Opfer fühlen, die vom Staat abhängig seien. Er kämpfe dafür, jedem eine faire Chance zu geben, setzte Obama dem entgegen. Dazu seien insbesondere Investitionen im Bildungsbereich erforderlich.
Sozialdemokratische Positionen in Obamas Programm
Klassisch sozialdemokratische Positionen waren auch zu erkennen als Obama betonte, dass er dafür sorgen werde, dass Frauen und Männer für dieselbe Arbeit den gleichen Lohn erhalten. Es gehe ihm vor allem auch darum, dass es in den USA gute Arbeit und faire Löhne gebe. Außerdem machte er deutlich, wie wichtig weitere Investitionen im Bereich der erneuerbaren Energien seien.
Am Ende steht es nun zwei zu eins für den Amtsinhaber. Hätte Obama im ersten Duell so agiert wie bei den letzten zwei Duellen, hätte Romney kaum Chancen gehabt, zurück ins Spiel zu kommen.
Der Sieg Romneys im ersten Duell war mehr wert als Obamas frischer Auftritt bei der zweiten Debatte oder seine Souveränität am Montagabend. Es ist ihm gelungen, sich als ernstzunehmenden Herausforderer zu positionieren.
Der Kampf ums Weiße Haus bleibt also weiter spannend. Der Wahlkampf findet jetzt wieder auf der Straße statt.