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Neue Zahlen vom Statistischen Bundesamt
10. January 2013 15:28 - Maurizio Andreas Cavaliere

Jeder fünfte Deutsche von Armut betroffen

Geld ist bei vielen Menschen knapp (Foto: dpa)

Sie können ihr Miete oder Rechnungen nicht mehr rechtzeitig bezahlen, ihre Wohnung nicht ausreichend beheizen, eine warme Mahlzeit am Tag ist oft nicht drin und von einer Urlaubsreise oder einem eigenen Auto können sie nur träumen: 16 Millionen Menschen in Deutschland waren im Jahr 2011 von Armut betroffen.

Die Quote der Betroffenen ist im letzten Jahr leicht gestiegen, von 19,7 Prozent im Jahr 2010 auf 19,9 Prozent im Jahr 2011. Zu diesem Ergebnis kommt die Erhebung "Leben in Europa 2011“ des Statistischen Bundesamts, für die in Deutschland rund 13 500 Haushalte befragt wurden. Die Möglichkeiten am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen sind für diese Menschen sehr eingeschränkt, berichtete das Amt am Dienstag in Wiesbaden.

Nahles: "Das ist entwürdigend!"

Die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles verurteilte diese Entwicklung scharf. Der aktuelle Bericht sei "wieder ein Armutszeugnis für diese Bundesregierung". Die Zahlen zeigten, dass ein großer Anteil der Bevölkerung nicht in der Lage sei, durch seine Einkünfte eine Familie zu ernähren oder am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. "Das ist entwürdigend und verdient jede Anstrengung, dagegen zu kämpfen", so Nahles.

"Frau von der Leyen jedoch malt gern blumige Bilder von fleißig arbeitenden Menschen und legt ansonsten die Hände in den Schoß. Die Probleme - niedrigste Löhne, prekäre Arbeitsbedingungen, mangelnde Kinderbetreuung und fehlende Vermittlungschancen - packt die Bundesregierung nicht an. Die Mittel der aktiven Integration in den Arbeitsmarkt werden systematisch gekürzt." Wer Armut wirksam bekämpfen wolle, müsse zuerst für ordentliche Beschäftigung sorgen, sagte Nahles - und das bedeute auch "Mindestlöhne und anständige Bezahlung, familienfreundliche Arbeitsplätze und bessere Beschäftigungs- und Aufstiegschancen für Frauen."

Armut ist jung und weiblich

Tatsächlich liegt die Quote der von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffenen Frauen mit 21,3 Prozent deutlich über der von Männern (18,5 Prozent). Ältere Menschen ab 65 sind deutlich seltener (15,3 Prozent) betroffen, als Personen zwischen 18 und 64 Jahren (21,3 Prozent). Der Wert für unter 18-Jährige liegt dazwischen.

Der EU-Sozialindikator: Armutsbekämpfung voranbringen

Armutsbekämpfung zählt zu den Kernzielen der Europäischen Union. Eingeführt wurde der Sozialindikator von der EU, um die Fortschritte der Europäischen Sozialpolitik bei der Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung messbar zu machen.Die Europäische Union definiert Armut oder soziale Ausgrenzung als gegeben, wenn eines oder mehrere der folgenden drei Kriterien erfüllt ist: "Armutsgefährdung“, "erhebliche materielle Entbehrung“, "Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung“. Als von Armut bedroht gelten in Deutschland Menschen, deren Einkommen unter 952 Euro monatlich liegt. Die Armutsgefährungsquote lag im Jahr 2011 bei 15,8 Prozent, 5,3 Prozent waren von erheblicher materieller Entbehrung betroffen. 11,1 Prozent der Personen lebten in einem Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung. Die Gesamtquote von 19,9 Prozent wird erreicht, da einige Haushalte mehrere Kriterien erfüllen.

Weitere Ergebnisse der Studie "Leben in Europa 2011" finden Sie hier auf der Webseite des Statistischen Bundesamtes.

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26. October 2012 • 10:35 Antworten

Garfield

Zitat Art. 4 Abs.1 europ. Sozialcharta: "Artikel 4 – Das Recht auf ein gerechtes Arbeitsentgelt Um die wirksame Ausübung des Rechts auf ein gerechtes Arbeitsentgelt zu gewährleisten, verpflichten sich die Vertragsparteien: 1. das Recht der Arbeitnehmer auf ein Arbeitsentgelt anzuerkennen, welches ausreicht, um ihnen und ihren Familien einen angemessenen Lebensstandard zu sichern;" Dieses internationale Menschenrecht ist in D. seit 1964 verbindlich (Bundesgesetzblatt 1964 II S.1261 und 1965 II S.1122), nur wurde es bisher seit 1964 von deutschen Politikern er Union, SPD, FDP und Grünen mit einem Mindestlohngesetz in nationales Recht umgesetzt, was der europäischen Ausschuss für soziale Rechte des Europarates alle 4 Jahre bemängelt, aber bis dato keine deutschen Politikern interessiert, die gegen dieses Völkerrecht verstoßen! Diese Tatsache ist natürlich auch der SPD seit Jahrzehnten bekannt und dennoch hat sie in ihrer Regierungszeiten mit Verweis auf diese Verpflichtung kein Mindestlohngesetz gesetzlich durchgesetzt, obwohl auch sie bzw. SPD-Politiker dazu VERPFLICHTET sind! Nun kann sich jeder fragen, wie es angehen kann, das ALLE deutschen Politiker der letzten Jahrzehnte kontinuierlich bis dato gegen dieses verbindliche Völker- und Menschenrecht verstoßen konnten bzw. können. Richtig, Politiker sind nur ihrem Gewissen verantwortlich und keinen Wählern! Das nur zu allgemeinen Aufklärung, das fast alle Politiker offensichtlich nur Marionetten der Finanzelite sind!

25. October 2012 • 17:52 Antworten

Caspar Hauser

Frau Nahles hält das für entwürdigend. Das ist nett von ihr. Vor allem vor dem Hintergrund, daß die SPD schon seit langem sich genau diesen Zustand gewünscht und an seiner Verwirklichung mit wechselnden Koalitionspartnern akribisch gearbeitet hat. Vorneweg der lupenreine Demokrat Schröder, gefolgt von Gestalten wie Müntefering, Scholz oder der neue - wie heißt er doch gleich? Ach ja, Peer Steinbrück. Die Reihe der Namen der Steigbügelhalter sozialer Demontage ist lang und beliebig fortsetzbar. Nachdem die vorgenannte Truppe den Karren richtig in den Dreck gefahren hat ("Wir müssen und wir haben unseren Arbeitsmarkt liberalisiert. Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt", so der lupenreine Demokrat Schröder), nun eben das für entwürdigend zu halten, und als SPD (das hat grad noch gefehlt) sich jetzt als Retter in der Not hinzustellen - darüber kann ich nicht mehr lachen

24. October 2012 • 12:38 Antworten

Heinrich I

Unser Peer bietet ja für diese Zustände das passende Kontrastprogramm. Es wirkt irgendwie zum schreien komisch wenn unsre satten Genossen in den oberen Rängen über Armut reden. In einer Welt die von Goldmann-Sachs regiert wird bleibt zugegebenermaßen kein Freiraum für Charakter und glaubwürdige Politik.