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Themenwochen Arbeit, Wirtschaft, Energie
25. October 2012 - Christine Kroke

„Arbeit muss sich wieder lohnen“

Immer mehr Menschen in Deutschland sind im Niedriglohn-Sektor beschäftigt. (Foto: dpa)

Wer arbeitet, der muss auch davon leben können – das gilt in Deutschland längst nicht mehr. Immer mehr Beschäftigte sind trotz ihres Jobs von Armut bedroht. „Wir müssen dafür sorgen, dass es einen Mindestlohn gibt und dass andere Formen von Prekarisierung am Arbeitsmarkt zurückgedrängt werden“, sagt der SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil.  

Immer mehr Menschen gehen keiner „klassischen Beschäftigung“ nach, sondern sind als Minijobber, Zeitarbeiter oder als befristet Beschäftigte tätig. Für einige Selbstständige und jüngere Menschen gilt dasselbe.

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes arbeitet in Deutschland jeder Fünfte für einen Niedriglohn. Besonders groß ist der Anteil der Niedriglöhne im Taxigewerbe, in der Frisör- und Kosmetikbranche, bei Gebäudereinigern und in der Gastronomie.

„Höchste Zeit für einen Mindestlohn!“

Prekäre Beschäftigung ist ein Thema, dass auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am SPD Bürger-Dialog beschäftigt. So appelliert zum Beispiel Günter D. aus Laatzen: „Es ist höchste Zeit für einen Mindestlohn!“ Und Werner-Heinz W. aus Wuppertal kritisiert: „Arbeit muss sich wieder lohnen! Es kann nicht sein, dass vor allem junge Leute von den Jobcentern in unterbezahlte Jobs geschickt werden“.

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Hubertus Heil fordert in diesem Zusammenhang „eine neue Ordnung am Arbeitsmarkt, die dafür sorgt, dass Menschen ordentliche Arbeitsbedingungen haben. Das beinhaltet vor allem soziale Sicherheiten und anständige Löhne“. Der SPD-Politiker sieht Deutschland auf einen „tief gespaltenen Arbeitsmarkt" zusteuern: „Auf der einen Seite suchen die Unternehmen händeringend nach Fachkräften, vor allem in der Erziehung und in der Pflege. Dort sind die Stellen aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen und niedriger Löhne unbesetzt. Auf der anderen Seite haben wir viele Menschen, die in der Langzeitarbeitslosigkeit oder in prekärer Arbeit stecken. Die Unternehmen müssen endlich begreifen: Wer qualifizierte Mitarbeiter haben will, muss sie anständig bezahlen und einfach mehr tun, um sie zu binden.“

Zeit- und Leiharbeit beschränken

Laut Statistischem Bundesamt verdienen Teilzeitbeschäftigte im Schnitt 14,45 Euro und befristet Beschäftigte 12,06 Euro. Deutlich geringer waren die Stundenverdienste von Zeitarbeitern und Zeitarbeiterinnen. Sie bekamen im Mittel einen Bruttoverdienst von gerade 8,91 Euro. 

„Formulierungen wie 'vorübergehend' in §1 AÜG sind nicht zielführend und verunsichern die Arbeitnehmer“, schreibt dazu Ernst R. aus dem Berchtesgadener Land und fordert: „Leiharbeit muss eine konkrete zeitliche Beschränkung haben."

„Absolut inakzeptabel“ nennt auch Hubertus Heil die seit Jahren ausufernde Leiharbeit: „Die Leiharbeit ist mittlerweile fast nur noch ein Instrument für Lohndrückerei geworden. Wir fordern deshalb: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit! Es ist nicht hinnehmbar, dass über dieses Instrument der Löhne gedrückt werden. Deshalb wollen wir auch nach einem Regierungswechsel das Mitbestimmungsrecht von Arbeitnehmervertretern, was den Einsatz von Leih- und Zeitarbeit betrifft, ausweiten. Auch eine Art 'Höchstverleihdauer' wollen wir durchsetzen. Es kann nicht sein, dass Leiharbeit zum Dauerzustand wird“, so Heil.

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10. November 2012 • 17:45 Antworten

Angelika Kompalik

"Arbeit muss sich wieder lohnen". Ja, ein flächendeckender Mindestlohn ist unbedingt erforderlich. Nicht nur, damit ein Mensch von seiner Arbeit leben kann, sondern auch, um Altersarmut vorzubeugen. Ich hoffe, jedem ist klar, dass die 8,50 € nur ein Einstieg sein kann, aber eigentlich dann zügig und regelmäßig erhöht werden muss.

25. October 2012 • 21:47 Antworten

volkerultes

Zwecks Vermeidung von Wiederholungen schließe ich mich den Ausführungen meiner Vorkommentatoren zustimmend an. Eine Frage an Genosse Heil kann ich ihm aber nicht ersparen: Hat er damals gegen die unter rot/grün beschlossenen Deregulierungsmaßnahmen des Arbeitsmarktes, die ursächlich für das entstandene Lohnelend sind, gestimmt?

25. October 2012 • 17:38 Antworten
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Gelöschter Nutzer

Zitat: "„Es ist höchste Zeit für einen Mindestlohn!“ Wirklich ? Wieso kamen wir vor ROT/GRÜN viele Dekaden ohne aus ?? Weil im Arbeitsrecht kontinuierlich notwendige Leitplanken installiert wurden. Nur, Ihr (SPD/Grüne) habt die Leitplanken verbogen/zerstört ! Und Steilvorlagen für die nachfolgenden Koalitionen geliefert ! Wenn man das veränderte/gemurkste Arbeitsrecht sich mal wirklich für die betroffenen Arbeitslosen gedanklich durchspielt, ist es in vielen Situationen ein +klassisches SCHACHMATT+ !!! Auch ein Nachteil für seriöse Unternehmen ! Wir brauchen jetzt eine *zupackende Politik* ! z.B. in NRW ! Hallo @Garfield , das Zitat von G. Schröder in Davos kann man nicht oft genug der SPD und Bürgern,Wählern aufzeigen/erinnern !! Damit es unvergesslich bleibt, die LOBBYHÖRIGE Politik !