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Niedersachsen: Studiengebühren abwählen
16. January 2013 - Christine Kroke

Freier Zugang zur Bildung für alle!

Studiengebühren abschaffen
Am Donnerstag und am Freitag soll es in Niedersachsen und in Bayern Demonstrationen und Kundgebungen für die Abschaffung der Studiengebühr geben. (Foto: DPA)

Nur in Niedersachsen und Bayern müssen junge Menschen für ihr Studium zahlen. Bis zu 500 Euro sind pro Semester fällig. Studenten haben SPD.de erzählt, weshalb Bildung nicht vom Geldbeutel ihrer Eltern abhängen darf. Sie wählen am Sonntag in Niedersachsen die SPD damit die Studiengebühren abgeschafft werden.

„Ich komme jetzt ins zweite Semester und muss somit in der kommenden Woche zum zweiten Mal 500 Euro zahlen. Ich bekomme keine finanzielle Unterstützung durch meine Eltern, muss den Betrag irgendwie alleine aufbringen“, sagt uns Elisabeth Ortloff. Elisabeth ist 22 Jahre alt und studiert Wirtschaftspsychologie an der Universität Lüneburg.

Elisabeth Ortloff
Elisabeth Ortloff muss in der kommenden Woche erneut 500 Euro für Studiengebühren aufbringen. (Foto: Privat)


Momentan finanziert die junge Frau ihr Studium durch BAföG, Kindergeld und ihre Halbwaisenrente. „Das zweite Semester kann ich jetzt noch stemmen, ab dem kommenden Semester muss ich mir überlegen, wie ich mein Studium finanzieren soll“, schildert Elisabeth ihre Situation. 

SPD will Studiengebühren abschaffen

Sieben Bundesländer hatten die Gebühren in den vergangenen Jahren eingeführt, fünf davon schafften sie wieder ab – meistens nach einem Regierungswechsel unter Führung der SPD. Auch die SPD Niedersachsen und ihr Spitzenkandidat Stephan Weil wollen die Studiengebühren abschaffen. Die Gebühren treiben nämlich junge Frauen und Männer aus dem Land und schaden der Zukunft Niedersachsens. 

Rückläufige Studierendenzahlen unter Schwarz-Gelb

Nach offiziellen Angaben des Statistischen Bundesamtes hat Niedersachsen von 2003 bis 2011 insgesamt 273.521 Studierende mehr an andere Bundesländern abgegeben als Studierende zuwanderten. Die Zahlen für 2012 stehen noch aus.
Auch bei der Steigerung der Absolventen hinkt Niedersachsen hinterher. Bundesweit lag die Steigerung zwischen 2005 und 2011 bei 48 Prozent, hierzulande wurde hingegen lediglich ein Plus von 18 Prozent verzeichnet. Die Studienanfängerquote war 2011 mit 35,7 Prozent die zweitschlechteste aller Bundesländer. Der Bundesdurchschnitt lag im selben Jahr bei 50,9 Prozent. Die Attraktivität des Studienstandorts Niedersachsen hat demnach unter Schwarz- Gelb deutlich gelitten. Hinzu kommt, dass eine Studie des Magazins "Stern" herausgefunden hat, dass die Gebühren der Studierenden selten für die Verbesserung der Lehre ausgegeben werden. In den meisten Fällen floss das Geld in fragwürdige, teils skandalöse Projekte oder wurde einfach nur gebunkert.

„Bildung sollte frei zugänglich sein“

Auch Elisabeth ist „strikt gegen Studiengebühren. „Bildung sollte frei zugänglich für alle sein, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. Das hat ja auch eine Wechselwirkung: Wenn sich die Bildungssituation verbessert, stärkt das den Standort und kurbelt die Wirtschaft an. Genau das brauchen wir in Niedersachsen. Deshalb wähle ich am Sonntag auch die SPD und ihren Kandidaten Stephan Weil“, stellt die junge Studierende klar.

In einer ähnlichen Situation wie Elisabeth Ortloff ist auch Silke Hansmann aus Lüneburg. Die 24-Jährige studiert im siebten Semester Geschlechterforschung als Zweifach-Bachelor mit dem Fach Geschichte an der Universität Göttingen

Silke Hansmann
Silke Hansmann studiert in Göttingen und hat bereits über 7000 Euro für Studiengebühren ausgeben müssen. (Foto: privat)



„Mittlerweile habe ich schon insgesamt 3500 Euro gezahlt. In diesem Semester zahle ich insgesamt 741 Euro an Studiengebühr plus Verwaltungsgebühren und den Beitrag ans Studentenwerk“, beklagt Silke. Sie müsse deshalb neben ihrem Studium arbeiten gehen und werde von ihren Eltern unterstützt.

„Soziale Gerechtigkeit in der Bildung umsetzen“

„Die Studiengebühr in Niedersachsen muss dringend weg! Soziale Gerechtigkeit muss auch im Bildungssystem umgesetzt werden. Dadurch könnten auch Studierenden an die Unis, die in der ersten Generation in ihrer Familie studieren, ohne, dass die finanzielle Situation des Elternhauses über ein Studium entscheidet“, fordert Silke.

Deshalb wähle sie die SPD, sagt die Studentin: „Ein freier Zugang zur Bildung ist ein Grundrecht und Grundrechte müssen vom Staat sichergestellt werden. Deshalb ist es auch die Aufgabe der Politik, die Studiengebühren abzuschaffen. Das macht in Niedersachsen nur Rot-Grün! Die SPD wird außerdem für die Abschaffung der Gebühr die nötige Gesetzesgrundlage liefern, damit es den Hochschulen nachher nicht an Geld mangelt!“

So wie Elisabeth und Silke denken viele Studenten in Niedersachsen. Deshalb wird es diesen Freitag in Hannover eine Großdemonstration, Bildungsgebühren abschaffen!' in Hannover geben. Einen Tag zuvor startet in Bayern ein Volksbegehren gegen die Gebühr. 

Demonstration gegen Studiengebühren

„Wenn am Donnerstag die Bürgerinnen und Bürger Bayerns ihr Volksbegehren gegen Studiengebühren starten und einen Tag darauf Tausende Studierende in Niedersachsen gegen die Gebühren auf die Strasse gehen, dann haben sie gute Gründe dafür“, so das Fazit der stellvertretenden Vorsitzenden und hochschulpolitischen Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Gabriele Adrette.

Am Sonntag wird in Niedersachsen gewählt. Dann heißt es: SPD wählen und Studiengebühren abschaffen!

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17. January 2013 • 23:05 Antworten

volkerultes

Ich gönne den heutigen Studierenden die "Warmherzigkeit" unserer Partei. Wo aber ist diese für die Arbeitssuchenden, die man nach 12 Monaten ALG-1-Bezug, nach vielleicht jahrzehntelanger sozialversicherungspflichtigter Tätigkeit und unverschuldeten Arbeitsplatzverlust, unter Verwertung ihres Vermögens - bis auf lächerliches Schonvermögen- auf Sozialhilfeniveau, dank Hartz IV setzt? Ich weiß eine andere Baustelle, aber unter dem Aspekt S o z i a l muß diese Frage erlaubt sein.