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SPD-Positionspapier für Wachstum und Beschäftigung in Europa
15. May 2012

Wer sparen will, braucht Wachstum!

Sigmar Gabriel, SPD Bundesvorsitzender (Mitte), der ehemalige Finanzminister Peer Steinbrück (rechts) und der SPD Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier präsentieren den Journalisten in Berlin ihr Papier zum Wachstumspakt für Deutschland und Europa. (Foto: dpa)

Am Dienstag hat die Troika der SPD, Sigmar Gabriel, Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier, ihre Forderungen für einen europäischen Wachstumspakt vorgestellt. Die wirtschaftlichen Folgen einer "einseitig auf Ausgabekürzungen abzielenden Politik sind fatal. Europa droht, daran zu zerbrechen", heißt es in dem sechseitigen Papier, das die Troika vor der Bundespressekonferenz in Berlin präsentierte.

Europas Weg aus der Krise ist nur durch eine "Weichenstellung in Richtung Realwirtschaft" zu erreichen, stellen Sigmar Gabriel, Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier vor der Hauptstadtpresse noch einmal klar: "Weniger spekulative und kurzfristig angelegte Wertschöpfung in Produktion und produktionsnahen Dienstleistungen, mit mehr Investitionen in Bildung, Forschung und Entwicklung sowie in Infrastrukturen, die den Strukturwandel befördern."

Jugendarbeitslosigkeit in Europa
Jugendarbeitslosigkeit in Europa
In enger Abstimmung mit dem neuen französischen Präsidenten Francois Hollande zeigen SPD-Chef Sigmar Gabriel, Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Ex-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück  einen neuen Weg aus der Krise auf – für Wachstum und Beschäftigung in Europa.

Die Politik von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy ist auf ganzer Strecke gescheitert", so das Resümee von Sigmar Gabriel zum Schulterschluss von der Bundesregierung mit dem abgewählten französischen Präsidenten. "Europa fehlt es an einer gemeinsamen Wirtschafts- und Finanzpolitik", beklagt der SPD-Parteichef, "wer in der Krise auf Wachstumsimpulse verzichtet, treibt Europa in die Rezession."

Auch SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier beklagt die "ordnungspolitische Verbohrtheit" Merkels: "Nackte Sparaufrufe sind kein Weg aus der Krise". Am Ende werde auch der Fiskalpakt scheitern, prognostiziert Steinmeier. Die SPD wolle nicht den Rückweg in staatliche Verschuldung, betonte er, es gehe vielmehr "um die Ergänzung nackter Fiskalpolitik durch Wachstumsimpulse". Noch lebe die Bundesregierung von der Substanz, so Steinmeier: "Sie erntet auf Feldern, auf denen sie nicht gesät hat." Doch so lasse sich die Zukunft Deutschlands nicht sichern, warnt der Fraktionschef.

Sein

Nettokreditaufnahme
Nettokreditaufnahme in Deutschland
Fraktionskollege Peer Steinbrück wiederholte gegenüber der Bundespressekonferenz, dass "Deutschland ein tiefes nationales Initeresse und die Verantwortung hat, Solidarität zu gewähren!" Denn: "Not frisst Demokratie". Aus Jugendarbeitslosigkeit könne in ganz Europa eine linke und rechte radikale Ablehnung der Demokratie erwachsen, so die Befürchtung des ehemaligen Bundesfinanzministers. Die USA und Großbritannien seien längst viel weiter in der Kontrolle der Finanzmärkte. Die SPD wolle eine Trennung von Investment - und Anlagebanken, den freien Handel mit Kreditversicherungen verbieten, Spekulationen mit Lebensmitteln unterbinden und Schluss machen mit dem Prinzip, Banken seien "to big to fail", also zu groß, um abgewickelt zu werden.

Wenn nur gespart und nirgends investiert wird, brechen die Volkswirtschaften zusammen. Deshalb fordert die SPD, den Fiskalpakt um ein starkes Wachstums- und Investitionsprogramm zu ergänzen.  Als Voraussetzung für die Zustimmung der SPD zum Fiskalpakt nannten Gabriel, Steinmeier und Steinbrück:

  • ein europäisches Sofortprogramm gegen die Jugendarbeitslosigkeit sowie ein europäisches „Bündnis für Ausbildung und Arbeitsplätze“. Nicht abgerufene EU-Strukturfondsmittel sollen den Krisenländern kurzfristig zur Verfügung gestellt werden. 
  • die Ausgabenpolitik der EU zu verändern. Anstatt mehr als 40 Prozent des EU-Haushalts für Agrarsubventionen auszugeben, plädiert die SPD dafür, stärker in Forschung, Entwicklung, gute Bildung und wettbewerbsfähige Industrien zu investieren. Zudem soll die Europäische Investitionsbank besser ausgestattet werden.
  • eine entschlossene Regulierung und eine gerechte Besteuerung der Finanzmärkte. Denn: „Wir müssen die Lehren aus der Finanzmarktkrise ziehen, um zu Stabilität in Europa zurückzukehren“, heißt es in dem Papier der SPD-Spitze.
  • eine striktere Haftung von Banken im Fall von Fehlspekulationen sowie eine Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken.
  • eine europäische Bankenaufsicht, die dafür Sorge tragen soll, dass Banken tatsächlich der Realwirtschaft dienen. Die SPD setzt sich außerdem für eine europäische Ratingagentur ein. Sie bei der Bewertung der finanziellen Bonität von Staaten ein Gegengewicht zu den privaten Rating-Agenturen schaffen.

Das komplette Positionspapier der SPD-Troika: "Der Wer aus der Krise - Wachstum und Beschäftigung" [PDF 139 kB]

Video

Die Präsentation des Positionspapiers die Forderung von Gabriel, Steinbrück und Steinmeier nach einem Wachstumspakt für Europa (Quelle: Bundespressekonferenz).


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Materialien

Europa, Außen- und Sicherheitspolitik

Der Weg aus der Krise - Wachstum und Beschäftigung in Europa
PDF · 102,9 kB

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14. February 2013 • 21:30 Antworten

KPMikulla

Wachstum ist wichtig. Jedoch Wachstum in einer Dimension ist sozial unausgewogen. Wachstum in die Hoehe, in die Breite und in die Tiefe ist sozial ausgewogen und bringt eine Gesellschaft nachhaltig weiter. Einfach gesagt, an der Breite einer Gesellschaft und an der Tiefe und Hoehe der sozialen Gerechtigkeit können wir ein Mass anlegen oder ein Parameter erstellen. Nachhaltigkeit in der Umwelt gehört ebenso dazu. Aus diesen Parametern einen Start definieren und fortlaufend messend ist eine Möglichkeit aus der Eindimensionalitaet zu gelangen. Für mich spiegelt sich die soziale Gerechtigkeit in der Breite einer Gesellschaft wieder, dazu noch die Nachhaltigkeit. Wir haben viele gute, mutige und visionäre Politiker in unserer SPD. Unsere SPD hat weit mehr als 140 Jahre politische Erfahrung, war immer mutig und für mich auch edel - alles ritterliche Tugenden die man gerne hervorbringen darf. Diese alles ist ein kostbarer Schatz. Die Ziele klar und einfach formulieren, kurz und prignant, ruhig mit einem Ziel woran man sich Messen will und eventuell ein Jahresbarometer mit 3-4 Punkten aus dem Sozialen, Umwelt, Wirtschaft und Europa. Mutig voran und mit einem hamburgischen TOI TOI TOI.

07. August 2012 • 18:55 Antworten
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Gelöschter Nutzer

"Wachstum und Beschäftigung in Europa" *Wachstum* ist in unserer Situation mit > 7 Mrd. Menschen und die Prognose soll bis 2050 auf 9 Mrd. wachsen, *einfach selbstzerstörerisch *! Beschäftigung , nein, eine *sinnvolle Aufgabe* braucht der Mensch *in Zukunft*, keine fragwürdigen, Menschen verachtenden Arbeitswelten ! Unsere Wirtschaftsform und Ziele müssen sich ändern, dazu benötigen wir seriöse, qualifizierte Menschen. Nur eine auf Wachstum ausgelegte Wirtschaft ist Krank, Todkrank !

07. August 2012 • 12:40 Antworten

Karl K.

Vielleicht können ja noch mehr Projekte - wie das äußerst erfolgreiche "Nürburgringprojekt" von Herrn Beck aus RLP machen. Braucht zwar niemand, aber wenn es dem Wachstum dient ist das doch auch egal.

07. August 2012 • 12:16 Antworten

Karl K.

Ja genau! Immer mehr Wachstum! Wachstum! Wachstum! Dann hat jeder Bürger irgendwann 5 Autos und 5 Häuser und und und und und. Dann steigt das BIP mehr und mehr und überall werden die blühenen Landschaften aus dem Boden spriesen. Vielleicht sollten wir wieder eine Abwrackprämie für Immobilien machen. Dann hat die Bundeswehr auch eine Verwendung. Anschließend bauen wir wieder - mithilfe staatlicher Konjunkturpakete - alles wieder auf und wir alle können uns über ein steigendes BIP freuen.

23. June 2012 • 20:13 Antworten

asianfriend

WACHSTUM , Wachstum, Wachstum... ich kann es nicht mehr hören!!! Wann wird auch den Politikern klar, das dieser Wachstumswahn ALLE unsere Probleme der heutigen und zukünftigen Zeit verursacht. Wann nimmt gerade die SPD Abschied von dem immer MEHR, mehr, mehr, immer GRÖßER, größer, größer...!! Was wir brauchen ist ein wieder KLEINER denken, an Nahversorgung statt Energieriesen, an Bauernhof statt Agrarfabrik, an Nahverkehr statt Hochgeschwindigkeitsstrecken..usw. Wann denken die Politiker wirklich in die nachhaltige ZUKUNFT und nicht nur an den nächsten Wahltermin und Ihren Posten?