Hauptinhalt

Debatte um Bankenreform
31. July 2012 - Daniel von Fromberg

Pittsburgh umsetzen - jetzt!

Sigmar Gabriel: Die G20-Beschlüsse jetzt umsetzen (Foto: dpa)

Risiken und Haftung wieder privatisieren, Managergehälter begrenzen, Systemrelevanz von Banken verringern – dieser Fahrplan zu einer umfassenden Bankenregulierung wurde auf dem G20-Gipfel 2009 in Pittsburgh beschlossen. „Aber passiert ist zu wenig“, sagt SPD-Chef Sigmar Gabriel. Schuld sei die Bundesregierung, die viele Reformvorhaben verschleppte.

Eine Woche nach seinen acht Thesen zur Regulierung der Finanzbranche liefert der SPD-Vorsitzende nach: In der „Financial Times Deutschland“ vom Dienstag verweist Gabriel auf eine Vielzahl von unter Federführung des damaligen Finanzministers Peer Steinbrück (SPD) bereits beschlossenen Maßnahmen, die von der Bundesregierung jedoch häufig nicht oder nicht ausreichend umgesetzt worden seien.  „Das Ziel, dass kein Finanzmarktakteur, kein Finanzprodukt und kein Markt in Zukunft unreguliert sein dürfen, wurde bis heute nicht erreicht.“ Daran sei die Bundesregierung nicht allein Schuld. Und doch: „Die Vorhaben, die Peer Steinbrück als Finanzminister international auf den Weg gebracht hat, wurden weder von Kanzlerin Angela Merkel noch von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nachhaltig weiterverfolgt.“ Stattdessen habe sich die Regierung allein aufs Sparen verlegt. Dieser „Irrglaube“, die Eurokrise sei „allein die Folge überbordender Staatsverschuldung einzelner Euro-Staaten“, habe „fast schon zwangsläufig“ das eigentlich wichtige Projekt einer „robusten Regulierung der Finanzmärkte und des Bankensektors“ aus der Debatte verdrängt.

„Schäuble verwechselt Aktivismus mit Resultaten“

„In vielen Bereichen, wo die Bundesregierung auch national hätte handeln können – bei der Beteiligung des Finanzsektors an den Krisenkosten, der Verbesserung des Verbraucherschutzes, dem Bankeninsolvenzrecht – ist die Bundesregierung nicht, oder nicht ausreichend tätig geworden“, so Gabriel weiter. Auch international gehöre sie „nicht zu den treibenden Kräften.“ Die Behauptung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, die Regelungen seien zu einem Großteil umgesetzt, sei angesichts dieser Bilanz zufolge verwunderlich: „Schäuble scheint Aktivismus mit Resultaten zu verwechseln.“ Richtig sei vielmehr: Von den insgesamt 13 Vorschläge wurden die meisten nicht oder nur unzureichend umgesetzt. Von der Beteiligung der Banken an den Krisenkosten, über die Durchsetzung des Haftungsprinzips bis hin zur Trockenlegung von Steueroasen – Baustellen, wohin man auch blicke. 

So habe die Finanzkrise allein den deutschen Steuerzahler 100 Milliarden Euro gekostet, während die Verursacher der Krise „außer der lächerlich geringen Bankenabgabe in Deutschland“ bislang „keinen Cent“ gezahlt hätten. Erst auf Druck der SPD habe sich die Bundesregierung schließlich für eine Finanzstransaktionssteuer eingesetzt. „Das ist ein erster Schritt“, so Gabriel – aber das reiche nicht aus. Es brauche endlich eine Erhöhung der Eigenkapitalanforderungen durch die rasche Umsetzung der in „Basel-III“ verabredeten Standards. Die Derivatemärkte sind weiterhin unreguliert – obwohl bereits eine EU-Richtlinie vorliegt, die in Deutschland allerdings ihrer Umsetzung harrt. Dies sei ein Problem, denn: „Viele Finanzprodukte sind aus volkswirtschaftlicher Sicht im besten Fall überflüssig, im schlimmsten Fall gemeingefährlich.“ Zudem gebe es in Deutschland nach wie vor keinen Finanzmarkt-TÜV oder wirksame Finanzmarktwächter. 

G20-Beschlüsse jetzt umsetzen

Peer Steinbrück unterhält sich mit Amtskollegen beim G20-Gipfel 2009 in Pittsburgh
Beim G20-Gipfel in Pittsburgh 2009 setzte sich der damalige Finanzminister Peer Steinbrück zusammen mit seinen Amtskollegen dafür ein, den Finanzsektor zu regulieren. (Foto: dpa)
Auch bei der Durchsetzung des Haftungsprinzips sei noch zu wenig passiert: Ein wirksames Bankeninsolvenzrecht fehlt genauso wie eine Trennung von Geschäfts- und Investmentbanking. Auch sei noch zu wenig getan worden, um die Vergütungsstrukturen der Manager zu reformieren. „Immer noch können Investmentbanker innerhalb kürzester Zeit steinreich werden, indem sie mit fremder Leute Geld zocken. Solange sich das nicht ändert, wird es immer wieder zu Katastrophen kommen.“ 

Diese Liste der unerledigten Maßnahmen lässt sich fortführen - und offenbart bei der Lektüre zudem eine Schieflage: Wo es um harte Maßnahmen gegen Staaten gehe, beschliesse die Bundesregierung deutliche Maßnahmen. So gibt es einen Fiskalpakt mit einer Schuldenobergrenze für Staaten – aber keine solche Regelung für Banken. Gleiches gelte für die Eigenkapitalanforderungen: „Tagtäglich unterziehen die Märkte ganze Staaten einem ‚Stresstest’. Aber die Staaten selbst sind nicht in der Lage, Banken so zu testen, dass Pleiten auf Kosten des Steuerzahlers ausgeschlossen sind“, so Gabriel. Das sei nicht hinnehmbar. Es sei nun höchste Zeit für robuste Regulierungsmaßnahmen für den Banken- und Finanzsektor - „Reformen, die der Finanzsektor bitter nötig hat, heute genauso wie vor knapp drei Jahren.“ Der Blick zurück nach Pittsburgh zeigt, dass es hierzu an konkreten Vorschlägen und Maßnahmen nicht mangelt. Nur müssten sie jetzt auch umgesetzt werden.

Ihr Feedback zu diesem Artikel:



Zum Artikel

Links

SPD-Parteichef fordert, Finanzmärkte global zu bändigen

"G20-Versprechen endlich einlösen"

Sie müssen ein SPD.de Benutzerkonto haben, um eigene Kommentare zum Beitrag zu verfassen.

Gleich anmelden oder einloggen

10. August 2012 • 20:20 Antworten

SPATZ

Ein sogenannter G 20 Gipfel bildet sich ein,Wirtschaftskriminelle in eine Haftungsschale zu pressen!Wie viele Weltbürger sollen sich darüber totlachen?Schon alleine die Gesichtsteilnehmer haben sich fast totgelacht,wie die allseitigen Aufnahmen zeigen.Glaubt denn irgend ein Depp dass auf irgend einem Gipfel außer gutem Essen und Trinken und Abdeckung aller Kosten sich irgend etwas ändert?Die sogenannten Politgrößen hangeln sich doch von Gipfel zu Gipfel,jedoch schwebt Null Hirn über allen Wipfeln!Mit allen Kosten der vergangenen X Gipfel hätten hätten 3 milliarden Peopels vor em Hungertod bewahrt werden können!

01. August 2012 • 12:11 Antworten
Profilbild von Gelöschter Nutzer

Gelöschter Nutzer

*Rolle der Medien in der Finanzmarktkrise* - Dämmlich-Journalismus "Die Banken" und "DIE Politik" werden seit Jahren massiv für ihre Rolle vor und nach der Finanzmarktkrise kritisiert & fast schon körperlich angegangen. Nieder geschrieben werden sie von "den Medien" - meist die selben Redakteure. Aber welche Rolle haben die Medien und die Presse gehabt? Die schönen Wachstumsschaubilder wurden auch von denen wohlwollend abgedruckt. => z. T. völlig unkritische Berichterstattung; auf jeden Gaul aufgesprungen, denen man ihnen hingehalten hat. => nachplappern und nach schreiben, was "die Experten", die Sinnes und Nonsens, ihnen vorgegauckelt haben. Wo war der Investigative Journalismus? keine Spur, stattdessen nachgelieferte Theorien. Jetzt muss auch mal auf die Medien drauf gehauen werden - dort sind auch viele Vollpfosten. *Inflationsgefahr* Und schon wieder schreiben und drucken sie einfach alles, was ihnen als "Gutachten" vorgeplappert wird. "ein ESM mit Bankenlizens führt zur MASSIVEN Inflation" (Religion von Sinn, Söder und Söhne). Völlig unkritische Abschreibung fremden Gedankenguts! WIESO sollte die Inflation MASSIV steigen, wenn der ESM zur deutliche Beruhingung der Refinanzierungszinsen in gesunden Volkswirtschaften (Spanien) durch (psychologische) Signale & Maßnahmen beiträgt? MASSIVE Inflation ist die Folge von ständiger Preissteigerung - nicht automatisch aufgrund (virtueller) Geldmengenvermehrung in Bilanzenbücher von Großinstituten. cc: FAZ & Co

Antworten auf diesen Beitrag verbergen

volkerultes

Lieber Mark, wenn Du den Gastkommentar im heutigen HB von Jamil Baz lesen würdest(S.48), müßtest Du aber Deine gewagten Thesen sofort wieder zurücknehmen.

*Gast-Kommentare - die neue Apostelbriefe & Religion* Wenn die "Experten" (Baz & Bullshit) über Jahre eben solche - im nachhinein nutzlose, weil falsche - "Expertisen" (Prognosen, Einschätzung etc. vor der Finanzkrise, aber auch danach) vom Stapel lassen (viele davon wirklich ad hoc Müll), dann kann ein einfacher Bürger wie ich ebenso sein Standpunkt preisgeben. Ich wette: meine Thesen sind näher an der Wahrheit, weil nicht verzerrt und vermüllt mit "Erfahrung" = lange Jahre leben im Finanzwelt-Sumpf & "finanz-mathematische" Gehirnwäsche.

PS: ich hoffe, lieber Volker, Sie sind nicht jemand, der anderen nachliest und nachplappert - mögen die nun Jamil Baz, Henkel-Trocken oder Sinn the Wahnsinn. Aber ich denke, ehr nicht.

volkerultes

Lieber Mark, sicherlich ist Inflation solange kein Thema, wie die Banken ihre Geldmenge nicht an die Realwirtschaft als Kredite vergeben. Sobald sie dies tun, was im Interesse von EZB und Politik (von ihr doppelt gewünscht: treibt Wirtschaft und Inflation , was für die automatische Staatsschuldentilgung sehr vorteilhaft ist) liegt. Die Ahnungslosigkeit einiger Journalisten ist Fakt, wie die von einigen (oder noch mehr ?) Politikern. J. Baz gehört aber keiner dieser beiden Gruppen an, sondern ist ein hervorragender Theoretiker u n d erfolgreicher Praktiker, was in Personalunion sehr selten vorkommt. Danke für Dein Kompliment, daß Du mir zutraust ,nicht alles nachzuplappern, ich bemühe mich eine eigene Meinung zu haben. Gilt dies aber auch für Dich, da Du oft das Vokabular Deines Favoriten Peer Steinbrück verwendest? Außerdem ist auch er oft "Apostel" im HB, wie übrigens auch Münte, der allerdings mit seinen antiken Ansichten eher den "Voraposteln" zuzuordnen ist. Auch ist mir Deine ganzheitliche Negierung der Ansichten von H-W Sinn zu simpel. Und über 200 Professoren hinter sich zu bringen, wobei Prof. Krämer Dortmund der Federführende war, kriegst auch nicht mal auf Zuruf hin. Mehr Fakten ,statt unbewiesener Thesen- lieber Mark , denn wer klagt muß auch beweisen, sonst wird die Klage abgewiesen. Bis bald mal wieder auf diesem Kanal und bis dahin eine gute Zeit.

Peer wird ein guter Kanzler werden! mehr nachher.

01. August 2012 • 11:08 Antworten

Cathy426

Hallo Herr Gabriel, die Deutsche Bank hat gestern von einem "Bilanzloch" gesprochen. Recherchieren Sie mal, inwieweit die Bilanzen der Banken bei uns noch künstlich "aufgebläht worden sind. Das Spiel wure mal ca. 2002-04 gemacht, da gab es Sprünge in den Bilanzsummen speziell bei den Landesbanken und ob es damit ein Problem gibt. Wenn Sie die EK-Quote erhöhen, nicht das das dann weitergeht. Ansonsten mal bei Kreditvolumenzuwachs nachschauen....Wenn da nicht mehr viel zu erwarten ist, müssen Sie das alles irgendwie zurückdrehen... Gruß Catrin Kullmann

01. August 2012 • 10:50 Antworten

MarcMagoni

Banken zur Disziplin zwingen und die Risiken verkleinern - gute Sache! Aber: Wer glaubt, mit der Bändigung der Banken die Euro-Krise zu beheben, verbrennt weiter Milliarden über Milliarden für Rettungspakete. Da die Unterschiede nicht mehr durch Wechselkurse ausgeglichen werden können, haben die Südländer vor allem ein Wettbewerbsproblem mit Mängeln in der Wirtschaftsstruktur und zu hohen Preisen (bedingt durch zu viele Lohnsteigerungen usw.), weshalb sie quasi zum großen Teil auf Pump und durch Importe leben (die hohen offenen Target2-Salden sprechen Bände). Spanien hat bereits mit schmerzhaften Reformen begonnen, Italien wird folgen müssen und Griechenland hat massenhaft ungelöste Aufgaben, um der maroden Verwaltung und vieler maroder Wirtschaftsbetriebe Herr zu werden und eines Tages im harten Euro-Raum bestehen zu können. Hauptfrage ist, ob wir die Kraft haben, die schwächelnden Staaten so lange durch Kredite zu halten, bis die Maßnahmen greifen, was mehrere Jahre dauern kann.

31. July 2012 • 19:00 Antworten
Profilbild von Gelöschter Nutzer

Gelöschter Nutzer

*Spanien-ESM: sich selbst aus dem Sumpf ziehen!* Wenn die spanischen (griechischen, italienische, etc.) Politiker bzw. Politiker allgemein, etwas mehr Cleverness (Weisheit) & Unabhängigkeit hätten, dann hätte sich das Land längst selbst aus dem Sumpf gezogen und einen eigenen "Spanien-ESM" aufgebaut. * nationales ESM als öffentlich-rechtliches Fond (Eigentümer jeder spanische Staatsbürger) * 10 Mrd. Cash als Barmittel * 30 Mrd. Eigenkapital, abgesichert durch z. B. Unternehmensbeteiligung (tritt der Staat als Gegenleistung am seine Bürger ab) * Bankenlizenz . Damit hätte Spanien ein starkes nationales-ESM, der sich mit einer Eigenkapital von 30 Mrd zunächst 300 Mrd. bei der EZB zu 0,75 % Zinsen leihen könnte und davon spanische Anleihen zu einem fairen Zinssatz von 3 - 4 % kaufen könnte. Innerhalb von 5 Jahren hätte dieser Fond alle spanischen Anleihen zurückgekauft (wenn er den wollte und des sein muss) und Spanien würde nur seinem Bürger was schulden. Mit den 30 Mrd. Zinsvorteil (spanischer Staat an spanische Bürger) ließen sich wichtige Projekte organisieren - oder z. B. ein Existenz-Minimum. Stiege der EZB-Zinsatz auf 4 - 5 %, gebe es wiedrum andere Wege. Wie heißt es bei Salomos Sprüche? "Denn der HERR gibt Weisheit, und aus seinem Munde kommt Erkenntnis und Einsicht (.... ). Anfang ist: Erwirb Weisheit und erwirb Einsicht mit allem, was du hast." Doch die jetzigen Politiker sind getrieben von "Märkte" und gefangen durch Merkel, Söder & Rösler. Ein Jammer