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Debatte um Armutsbericht
20. September 2012 - Christine Kroke

„Von der Leyen duckt sich weg“

Einige Wenige haben viel Geld - und die Bundesregierung will, dass es so bleibt (Foto: dpa)

„Statt dazu zu stehen, dass eine Vermögenssteuer für mehr Gerechtigkeit und weniger soziale Ausgrenzung sorgen kann, knickt Frau von der Leyen beim ersten liberalen Gegenwindchen ein“, kritisierte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles den Rückzug der Arbeits- und Sozialministerin von ihrem Vorschlag, auf das Vermögen von Wohlhabenden stärker zurückzugreifen.

„Es findet eine gigantische Umverteilung statt zugunsten der Reichen und Supereichen in unserem Land“, sagte Nahles den „Stuttgarter Nachrichten“. „Aber diese Koalition weigert sich, etwas gegen die zunehmende Spaltung der Gesellschaft zu tun. Von der Leyen duckt sich weg, statt für vernünftige politische Antworten zu kämpfen, mit denen die wachsende Ungleichheit in unserem Land  behoben werden könnte.“

Schmierenkomödie der Bundesregierung 

Zuvor hatte Wirtschaftminister Phillip Rösler die Vorschläge von der Leyens abgeschmettert. Der aktuelle Berichtsentwurf sei „nicht ressortabgestimmt“ und entspräche daher „auch nicht der Meinung der Bundesregierung“. Vor allem „Forderungen nach höheren Steuern für die, die den Sozialstaat finanzieren“ lehnt das Ministerium ab. Auch die Kanzlerin sprach sich umgehend gegen zusätzliche Abgaben aus. „Ich halte nichts von Vermögensabgaben“, sagte Merkel dem Fernsehsender Sat 1. Damit will die Bundeskanzlerin den drohenden nächsten Koalitionskrach gleich im Keim ersticken. Doch die Reihen sind schon lange nicht mehr geschlossen.

Für den stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Hubertus Heil ist der Streit in der Koalition eine „Schmierenkomödie“: „Während Frau von der Leyen soziale Ungerechtigkeit beklagt, ohne als zuständige Ministerin tatsächlich etwas zu ändern, will sich der angeschlagene FDP-Vorsitzende in seiner Partei als Kämpfer gegen vermeintliche Umverteilung in Szene setzen.“

Heil: „Wir bräuchten eine neue Ordnung am Arbeitsmarkt“

Während sich Schwarz-Gelb streitet, weitet Andrea Nahles die Forderungen der SPD zur Bekämpfung der Vermögensungerechtigkeit aus. Neben der Vermögenssteuer müsse auch endlich die Finanztransaktionssteuer und die Anhebung des Spitzensteuersatzes in Deutschland eingeführt werden, sagte die SPD-Generalsekretärin gegenüber den „Stuttgarter Nachrichten“. 

Fraktionsvize Heil weist auf die Lohn- und Beschäftigungsbedingungen der Arbeitnehmer- und Arbeitnehmerinnen als weitere Ursachen für die ungerechte Vermögensverteilung in Deutschland hin: „Für eine gerechte Einkommens- und Vermögensverteilung bräuchten wir eine neue Ordnung am Arbeitsmarkt, um prekäre Arbeits- und Lohnbedingungen zurückzudrängen“, so Heil. Die Regierung Merkel verweigere aber beharrlich diese Maßnahmen.

Aus dem vierten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung geht hervor, dass privates Vermögen in Deutschland immer ungleicher verteilt wird. Die Wohlhabenden besitzen inzwischen 53 Prozent des Nettogesamtvermögens. Gleichzeitig stagnieren die niedrigen Einkommen. Dadurch öffnet sich die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter als zuvor. „Es kann nicht sein, dass privates Vermögen rasant und massiv steigt, während der Staat immer weniger hat um Bedürftigen zu helfen. Das kommt letztlich alle teuer zu stehen“,  so Nahles  in den „Stuttgarter Nachrichten“.

Spaltung der Gesellschaft verhindern

Die SPD-Bundestagsfraktion hat im Rahmen des „Projekts Zukunft – Deutschland 2020“ Vorschläge entwickelt, um die Spaltung der Gesellschaft zu überwinden, unter anderem in den Projektgruppen „Ordnung am Arbeitmarkt“ und „Gerechte Steuern und Finanzen“. Die Vorschläge können hier nachgelesen werden.

(mit dpa)

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Armuts - und Reichtumsbericht der Bundesregierung

Reiche werden immer reicher

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18. May 2013 • 21:30 Antworten

Joachim Haas

*Wir müssen endlich umdenken und den Begriff »Arbeit« neu definieren!* Seit Anfang der 1960er Jahren sind wir in der glücklichen Lage das Menschen vor schwereren Tätigkeiten immer besser körperlich geschützt werden. Güter des alltäglichen Gebrauchs werden von Maschinen hergestellt undd benötigen kaum noch unser menschliches zu tun. Und das ist auch gut so! Doch wir denken und handeln wie vor 100 Jahren und versuchen wie in einem Laufrad die Probleme von Heute zu lösen. Menschen werden von der Arbeit befreit und stehen hilfslos einem überstättigen Arbeitsmarkt gegenüber. Anstatt umzudenken werden sie in sinnlose und unnütze Arbeit zurück gedrängt. Sie werden Arbeitslos!? Wir müssen endlich andere Formen von Arbeit anerkennen. Diese sind schon heute im: * bürgerschaftlichen Engagement in Altenheimen, Vereinen, Naturschutz, Tierschutz * die Pflege der Kinder und die der Angehörigen * Arbeit der Künstler, Musiker, Philosophen und Erfinder zu finden. Doch bezahlt wird diese Arbeit nicht! Erwerbsarbeit wird wie ein Mantra angehimmelt nur diese wird von der Mehrheit unserer Gesellschaft anerkennt und wertgeschätzt. Dabei liegt gerade dort die Antwort auf unsere heutigen Fragen verborgen. _Wie wollen wir Leben und in welcher Form? _Die Fixierung von Erwerbsarbeit wird uns auf jeden Fall nicht weiter bringen. Das Bedingungslose Grundeinkommen ist nicht das all Heilmittel alleine, bietet aber neue Denk- und Handlungsmuster für eine gerechtere Gesellschaft.

22. September 2012 • 09:21 Antworten
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Gelöschter Nutzer

"Heil: „Wir bräuchten eine neue Ordnung am Arbeitsmarkt“ Viele Jahre überfällig ! Guten Morgen !

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Volker Rockel

Wir müssen uns keine Sorgen machen!- Wie einem Spiegel-Online Bericht v. 23.09.2012 „Agenda 2010 SPD-Politikerin Schröder-Köpf will nachbessern“ zu entnehmen ist, plant die niedersächsische SPD-Landtagskandidatin Doris Schöder-Köpf Nachbesserungen für die Agenda 2010. Und es scheint auch in der Politikerfamilie Schröder-Köpf so etwas wie Einsicht zu geben;- hier aus Bild am Sonntag v. 23.09.2012 „SPD-Mitglieder und die K-Frage „Viele wünschen sich eine schnelle Klärung““ (Zitat Doris Schröder-Köpf): _"Natürlich passieren bei so großen Werken wie der Agenda auch Fehler. Da werden Stellschrauben angezogen, von denen man nicht weiß, wie sich das in fünf Jahren auf das Leben der Menschen auswirkt. Deshalb muss man bei solchen großen Vorhaben immer nachjustieren."_ Schön ist auch, dass offensichtlich die Genossin Schröder-Köpf plant zunächst kein Ministeramt zu übernehmen weil (Zitat Doris Schröder-Köpf aus dem oben erwähnten Spiegel-Bericht) _„Ich kann und werde mich als Landtagsneuling erst einmal in die Parlamentsarbeit in den Ausschüssen reinknien. Man muss sich erst ein gewisses Fachwissen aneignen, bevor man ein Ministerium führt.“_.- Da sage ich nur: „Danke Doris!“ PS (ganz generell): *Vielleicht geht es nur mir so!?- Aber manchmal haben ich den Eindruck, Politik mutiert zu einer nie endenden "Reality-Soap" mit immer neuen Laienschauspielern...*

22. September 2012 • 08:59 Antworten

Volker Rockel

Man kann eine Vermögenssteuer (in welcher Höhe auch immer!) nicht für sich alleine diskutieren!- Man muss schon das „Gesamtpaket möglicher steuerlicher Belastungen“ betrachten, die geeignet wären zu einer gerechteren Belastung von Einkünften aus Einkommen, Gewinnen und Vermögen bzw. Erbschaften zu gelangen! Diskutiert man (wider einmal) nur dieses Einzelthema „Vermögensbesteuerung“ entzieht man sich faktisch wieder einer Diskussion über eine grundsätzlich gerechtere Verteilung des generierten „volkswirtschaftlichen Outputs“. Mithin ist es auch seitens der SPD nicht damit getan nur diesen Teilaspekt herauszugreifen, sondern es muss endlich durch die SPD eine „Generaldebatte“ in Deutschland über die Steuerthematik an sich angestoßen werden! Und die Rententhematik einerseits und "die überraschenden Erkenntnisse" aus dem aktuellen Armutsbericht andrerseits, sind doch geradzu dazu angetan dieses Thema grundsätzlich aufzugreifen! *Wenn ma als Partei "Regierungsfähigkeit" beweisen will, dann muss man Politik gestalten können!* (Und nun ausgerechnet _von der Leyen _dafür zu kritisieren, dass sie mit dem Thema „Vemögensbesteuerung“ nicht aus den Schuhen kommt,- hilft ja nun wirklich nicht weiter! Wollen wir das Thema besetzen oder überlassen wir dieses wieder einmal der CDU?) Aber dazu fehlt offensichtlich unseren Spitzengenossen der Mut?- Da ergeht man sich lieber weiter im „medialen Kandidaten-Slapstick“....

21. September 2012 • 21:48 Antworten

volkerultes

Verwundert frage ich mich wo die soziale Fürsorge von Nahles, Heil und Co war, als primär in rot/grüner Ära die Weichen für diese immer größere Spaltung gestellt wurden? (z.B. Senkung des Spitzensteuersatzes von 51 auf 42 Prozent, Senkung des Körperschaftsteuertarifs für Kapitalgesellschaften von 45 auf 15 Prozent, Erfindung der Hartz-IV-Gesetzgebung, die unverschuldet arbeitslos gewordene Arbeitnehmer nach i.d.R. 12 Monaten zu Sozialhilfeemfängern werden läßt). Wo war damals deren couragierte öffentliche Kritik? Gegen den politischen Gegner , der diese Gesetze nicht zu verantworten hat, kann man heute kräftig wettern, da dies ja nicht der eigenen Parteikarriere schadet. Glaubwürdigkeit sieht für mich als Genosse anders aus!

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Volker Rockel

Lieber Volker, man kann an dieser Partei- und Fraktionsführung derzeit schier verzweifeln.- Nur noch plakative statements,- mehr nicht... Es gilt als Appell an die GenossenInnen der Parteibasis: "*Es ist nicht Deine Schuld, dass die Partei so ist, wie sie ist. Aber es ist Deine Schuld, wenn sie so bleibt*"...

21. September 2012 • 19:19 Antworten
Profilbild von Guenter

Guenter

Das Problem in der Regierung sind nicht Merkel oder von der Leyen z. Zt., sondern die konservativen Kräfte in der CDU, die Frau Merkel schon stark strapaziert hat (sogen. Sozialdemokratisierung der CDU) und die FDP, wie im Umkehrschluss in der SPD die konservativen, wirtschafts(neo)liberalen Seeheimer und nach wie vor Agendabefürworter und -verteidiger, die Partei der beliebigen sogenannten Mitte. Man kann doch nicht ernsthaft von dieser Regierung eine Steuererhöhung erwarten, wenn die FDP Steuern senken will. Zudem derzeit die Steuereinnahmen des Staates nur so sprudeln. Ich denke hier droht ständig eine Auflösung der Regierung, die ich eigentlich schon längst erwartet habe und immer noch erwarte. Vorzeitige Neuwahlen. Die SPD kann doch froh sein, dass sie da noch klare andere Akzente setzen kann. Was wäre denn, wenn die CDU die Mindeslöhne einführt und etwas beginnt bei der Altersarmut. Wäre ich von der Leyen wäre, würde ich meiner Partei sagen, entweder ihr macht mit bei den Mindestlöhne (und wir nehmen das Thema der SPD und den Linken weg), damit wir damit den Leuten wenigstens sagen können, dass damit die Alterarmut gelindert wird, oder ihr macht mit bei einer Zuschussrente. Entweder oder. Und was macht dann die SPD, sie könnte "nur" noch verbessern.