Hauptinhalt

Verlässliche Alterssicherung
24. September 2012 - Jan Almstedt

SPD legt Rentenkonzept vor

SPD-Parteichef Sigmar Gabriel (Foto: dpa)

Der SPD-Vorstand hat Parteichef Sigmar Gabriel bei seinem Rentenkonzept [PDF, 102 kB] klare Rückendeckung gegeben. Mit großer Mehrheit wurden seine Pläne zur Bekämpfung der Altersarmut am Montag nach knapp vierstündiger Beratung angenommen – mit lediglich zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung. 

Die gesetzliche Rentenversicherung soll nach den Worten von SPD-Parteichef Sigmar Gabriel wieder eine tragende Säule der Alterssicherung werden. Dafür biete das am Montag vom SPD-Vorstand beschlossene Konzept die richtigen Antworten, sagte Gabriel in Berlin. Die Entscheidung über das künftige Rentenniveau wurde auf den Parteikonvent im November verschoben. Er sprach von einer „leidenschaftlich geführten dreieinhalbstündigen Debatte“ im SPD-Führungsgremium. Es sei richtig, dass die SPD den Kampf gegen die Altersarmut aufgenommen habe. 

Anders als Union und FDP denkt die SPD in Zusammenhängen. Und geht von den tatsächlichen Lebenslagen der Menschen aus. Die Eckpunkte für das SPD-Rentenkonzept berücksichtigen alle Bedingungen für eine verlässliche und gute Alterssicherung: Im Arbeitsleben gute Löhne und Schutz für Menschen, die bislang außen vor blieben. Eine Solidarrente für alle, die lange gearbeitet haben. Menschenwürdige Übergänge in den Ruhestand. Und ergänzend eine bessere Förderung von Betriebsrenten. Jetzt werden die Vorschläge in der SPD diskutiert.

Zwei Monate vor dem Parteikonvent legte der SPD-Vorstand damit Eckpunkte vor für eine verlässliche Alterssicherung. Dabei berücksichtigt die SPD alle Bedingungen, die für eine gute Rente erfüllt sein müssen: Denn, „wer über Altersarmut redet, darf über Erwerbsarmut nicht schweigen“, heißt es in dem fünfseitigen Papier, das überschrieben ist: „Die SPD-Rentenpolitik: Arbeit muss sich lohnen!“ Ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro und die Stärkung der Tarifbindung mit höheren Löhnen und Gehältern sind darum als wichtige Grundlage genannt. Auch das Prinzip „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ – zwischen Frauen und Männern und im Bereicht der Leih- und Zeitarbeit. Und die SPD will dafür sorgen, dass alle Menschen die Chance auf gute Arbeit und Einkommen haben: mit einer wachstumsorientierten Industriepolitik, mehr Ausbildungsplätzen, besserer Bildung und Kinderbetreuung.

Wer lange gearbeitet hat, soll außerdem im Alter mehr haben als die Grundsicherung. Mit 30 Beitrags- und 40 Versicherungsjahren sollen alle Menschen Anspruch auf eine Solidarrente haben: 850 Euro, finanziert aus Steuermitteln, damit die Beitragszahler nicht belastet werden. Und die so genannten „Solo-Selbstständigen“ sollen das Recht haben, in der gesetzlichen Rentenversicherung Mitglied zu sein. Für den Übergang ins Rentenalter will die SPD auch Brücken bauen. Das heißt zum Beispiel: keine Abschläge bei der Erwerbsminderungsrente, die Einführung einer Teilrente ab dem 60. Lebensjahr und die vollen Altersbezüge nach 45 Versicherungsjahren.

Darüber hinaus plant die SPD eine bessere Förderung von betrieblicher Altersvorsorge – als Ergänzung zur gesetzlichen Rente. Und in Ost und West soll zudem das einheitliche Rentensystem kommen, so die Ankündigung in dem Papier.

Über Fragen des künftigen Rentenniveaus und der Beitragsentwicklung will die SPD noch weiter diskutieren. Ein Beschluss zum Gesamtkonzept soll am 24. November erfolgen – dann entscheiden die Delegierten beim SPD-Parteikonvent.


Ihr Feedback zu diesem Artikel:



Zum Artikel

Materialien

Rente

Beschluss des Parteivorstandes - Die SPD-Rentenpolitik: Arbeit muss sich lohnen!
PDF · 102,1 kB

Sie müssen ein SPD.de Benutzerkonto haben, um eigene Kommentare zum Beitrag zu verfassen.

Gleich anmelden oder einloggen

30. November 2012 • 19:54 Antworten

Axel_Saenger

Als ein Mensch,der seinen Beruf als freien Beruf ausgeübt hat,war ich nicht in der Lage,dreißig Jahre ohne Unterbrechung Beiträge zur Rentenversicherung zu leisten.Zum einen war es niemals möglich nach den Grundsätzen des ordentlichen Kaufmanns Preise zu kalkulieren und kalkulierte Preise bei der Industrie durchzusetzen.Zum anderen übte die Industrie Konvergenzdruck aus.Man musste PKW förmlich "verbrauchen", um immer vor Ort und abrechnungsberechtigt zu bleiben.Andererseits hatte die Industrie die Honorarsätze so bemessen,dass außer der Unterstützung für die Auto- und Zubehörindustrie kaum Mittel übrig blieben.Und nun fordert die gesetzliche Krankenkasse eine Nachzahlung i.H.v. € 30.000,weil ich mir über zwanzig Jahre hinweg einfach keine Krankenkasse leisten konnte.Das Arbeitsamt war für mich keine Anlaufstelle aus dem Grunde,dass ich eine Sprechflußstörung habe,die bis vor einigen Jahren als "psychische Krankheit" galt.Ich hätte nach dem Sozialgesetz "alles tun müssen,um meine Arbeitskraft wieder herzustellen".Andere Menschen,die dies über das Arbeitsamt versucht hatten,wurden nicht in die Arbeitsvermittlung,sondern zu den Ärzten geschickt.Dort sind sie mit Psychopharmaka "behandelt" worden und kamen durch diese Mittel spätestens im Alter von 47 Jahren ums Leben.Rechtzeitig also,um die Rente einsparen zu können.Dies hat sich jetzt-durch Druck aus dem Ausland-geändert.Zumindest die horrenden Forderungen der Krankenkasse muss man abschaffen.Freiber. Arbeit statt Rente...

11. November 2012 • 16:13 Antworten

echterfuffziger

Hat sich der Vorsitzende oder der Vorstand mal die Mühe gemacht die Betriebliche Altersversorgung im Detail zu untersuchen?? Da besteht erheblicher Nachbesserungsbedarf. Im Moment ist es so das die ehemaligen Mitarbeiter ihre gesetzlich zustehenden Rentenerhöhungen in vielen Fällen vor dem Arbeitsgericht individuell einklagen müssen. Die Auswirkungen sind verheerend, andere Verfahren müssen deshalb auf die lange Bank geschoben werden. Gerechtigkeit ist etwas anderes! Bei Bedarf kann ich mit Details aufwarten.

13. October 2012 • 14:40 Antworten

Hartmut Thiem

Generationengerechtigkeit wird nur durch Verlässlichkeit in der Rentenversicherung erreicht. Der Beitragszahler muss darauf vertrauen können, dass er durch seine Leistung Ansprüche erwirbt, die ihn ermöglichen, im Alter ein Leben in Würde ohne Sinken seines Lebensstandards zu verbringen. Das gilt sowohl für ein umlagefinanziertes als auch für ein kapitalfinanziertes Rentensystem. Das Vertrauen in die gesetzliche Rentenversicherung kann man nur dadurch wieder herstellen, in dem man auf eine weitere Absenkung des Rentenniveaus verzichtet. Eigentlich müsste sogar die gesamte Reform, die wir unter Schröder gemacht haben, zurückgenommen werden. Entscheidend ist aber, dass in der gesetzlichen Rentenversicherung die Ursache für Altersarmut nicht die Erwerbsarmut und die prekären Beschäftigungsverhältnisse sind, sondern das Absenkung des Rentenniveaus und die schlechtere Bewertung beschäftigungsloser Zeiten. Wenn Erwerbsarmut und eine zu große Lohnspreizung als wichtigste Ursachen für Altersarmut angesehen werden, so bezieht sich dieses auf das kapitalfinanzierte Rentensystem. Gerade die gewaltige Veränderung des Arbeitsmarktes seit der letzten Rentenreform hat gezeigt, dass ein kapitalfinanziertes Rentensystem einen gesunden Arbeitsmarkt voraussetzt. Ich halte es daher für falsch, derzeit als zweite Säule weiterhin auf ein kapitalfinanzierte Rentensystem zu setzen. Eine Betriebsrente plus macht nur Sinn, um damit z.B. einen vorzeitigen Eintritt in den Ruhestand oder Altersteilzeit

03. October 2012 • 16:50 Antworten

Elisabeth Lutz

das wichtigste Thema derzeit ist die rente bzw. wie man sie sicher machen kann. ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie es mit der erhaltung der rente voran geht. solidarische grüße Elisabeth

29. September 2012 • 18:55 Antworten

jogy

Eigentlich kann das Rentenkonzept schon wieder in den Müll geworfen werden.Wie viele Menschen in D haben durch das unsägliche Hartz IV gebrochene Arbeitsverläufe.Wie sollen diese die geforderten Arbeitsjahre erreichen? Ich finde es sollte endlich dafür gesorgt werden,das 1. jeder aber auch wirklich jeder in die Rentenkasse einzahlt.Damit würden wahrscheinlich die Beiträge gekappt werden und eine vernünftige Grundrente wäre möglich. 2. Das gleiche gilt für die Krankenversicherungen. Wieso muß es in D so viele gesetzliche KV geben, an denen sich die Vorstände vom Geld der Einzahler bedienen? Mit der von der SPD favorisierten Riesterrente hat man doch auch nur Klientelpolitik betrieben,Was dabei herauskommt,ist ja heute bekannt.Also erg damit und über die staaliche RV solche Zusatzrenten anbieten.Damit würde das Geld der Beitragszahler sinnvoll genutzt, und nicht die Versicherungen reich gemacht.Das allerdings setzt voraus, das die SPD ihren Sozialkurs tatsächlich wahr macht, und nicht nur das Stimmvieh bedient um dann bei passender Gelegenheit wieder in die neoliberale Ecke abzudriften.Erzählt wird und wurde vor Wahlen schon allerhand, aber dann: April April.