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Parlamentswahl in Weißrussland
24. September 2012 - Rainer Vogt

Diktator ohne Opposition

Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko, der "letzte Diktator Europas", lässt Kritik aus dem Westen an sich abperlen. (Foto: dpa)

Die unterdrückte weißrussische Opposition kann Lukaschenko nichts entgegensetzen. Mit einer umstrittenen Parlamentswahl untermauert der "letzte Diktator Europas" seine Macht. Kritik aus dem Westen lässt ihn völlig unbeeindruckt. SPD-Parteichef Sigmar Gabriel forderte erneut die Freilassung des inhaftierten Sozialdemokraten Statkevich.

Machtdemonstration von Alexander Lukaschenko in Weißrussland: Mit einer Wahl wie zu Sowjetzeiten hat der autoritäre Staatschef seine Position gefestigt. Die Beteiligung habe bei 74,2 Prozent gelegen, so die offiziellen Angaben am Montag. Die Opposition kommt im neuen Parlament praktisch nicht vor.

"Die Meinungsfreiheit wird nicht gewährt", kritisierte SPD-Parteichef Sigmar Gabriel die politischen Verhältnisse in dem osteuropäischen Staat (lesen Sie dazu auf SPD.de: Ungebrochen für Freiheit und Demokratie). Die Opposition wird unterdrückt. Es gibt zahlreiche politische Gefangene. Darunter der Sozialdemokrat und ehemalige Präsidentschaftskandidat Nikolai Statkevich. Für Gabriel ein bis heute ungeheuerlicher Fall: "Er sitzt im Gefängnis, da er den Mut besaß, Präsident Lukaschenko demokratisch herauszufordern." Aus aktuellem Anlass wiederholte der SPD-Vorsitzende nun noch mal seine sofortige Freilassung und Rehabilitierung.

Unfair und unfrei

Auch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) kritisierte die Wahl in Weißrussland scharf als unfair und unfrei. Das habe alles Mögliche getan, um demokratische Wahlen zu ermöglichen, behauptete Lukaschenko und beklagte zugleich den "unnötigen Druck" des Westens.

In Minsk nahm die Polizei etwa 20 unabhängige Wahlbeobachter kurzzeitig fest. Offizielle Angaben gab es zunächst nicht. Medien berichteten, die Gruppe habe zahlreiche Wahlfälschungen dokumentiert.

Internetseiten blockiert, Opposition unterdrückt

Im neuen Parlament sind vor allem Beschäftigte von Staatsbetrieben, Lehrer und Ärzte vertreten, aber auch zahlreiche Mitarbeiter des Geheimdienstes KGB, wie Medien berichteten. Die Liste der Abgeordneten zeigte keinen Oppositionspolitiker, wie Beobachter in Minsk mitteilten. Zwar gebe es drei Mitglieder der Kommunistischen Partei und ein Mitglied der Agrarpartei. Doch hätten diese Politiker schon vorab Lukaschenko die Treue geschworen.

Unabhängige Kandidaten und ihre Familien seien vom KGB unter Druck gesetzt worden, sagte Sergej Kaljakin von der Initiative für gerechte Wahlen. Internetseiten der Opposition mit Informationen zur Wahl wurden blockiert, heißt es. Wegen der Unterdrückung der Opposition und schwerster Menschenrechtsverstöße hatten die EU und die USA Sanktionen wie etwa Reiseverbote gegen Lukaschenkos Regime verhängt.

(mit dpa)

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12. December 2012 • 19:04 Antworten

cahonds

Lukaschenko und seinem erweiterten Umfeld mag es gut gehen, aber ihm geht es nur so lange gut, so lange der Güter- und Kapitalverkehr von und nach Weißrussland (einigermaßen) frei von Sanktionen ist. Sollten die von der EU und den USA verhängten Sanktionen Wirkung zeigen, so wird es immer noch stimmen, dass es Lukaschenko finanziell gut geht, jedoch (mit Hinweis auf den Iran) steigt mit zunehmender wirtschaftlicher Misslage die Unzufriedenheit (die wahrscheinlich auch nicht erst seit heute unter dem weißrussichen Volk verbreitet ist). So können die Staatssicherheit und sonstige Organisationen mit Zensur und totalitären Methoden die Bevölkreund daran hindern, ihre Unzufriedenheit zu Tage zu bringen, jedoch haben wir in der jüngeren Vergangenheit gesehen, wie Diktatoren ihr Amt nach Jahrzehnten aufgeben müssen.Sei er noch so unwegdenkbar für die Staatsgeschäfte. Also Sanktionen können viel bewirken, jedoch glaube ich nicht, dass diese dazu behelfen, Lukaschenkos one-man-show zu beenden.Denn der große Nachbar und vorsichtig ausgedrückt (der große Bruder) wird einige scharfe Töne in Richtung EU fallen lassen (genügend Druckmittel wie Erdgas zB haben sie ja). Strategisch ist es auch für Russland von Bedeutung, die Pufferzone "Weißrussland" zwischen sich und der EU zu haben. Ähnlich wie Chinas Solidarität zu Nordkorea (da in diesem Fall Nordkorea als Pufferzone zwischen China und dem amerikanisierten Südkorea dient)

26. September 2012 • 18:50 Antworten

Frank Schuessler

Können Sanktionen in Weißrussland etwas bewirken? Herr Lukaschenko ist ein 'Undemokrat' und bleibt ein 'Undemokrat'. Ihm persönlich geht es gut, seiner Familie geht es gut und deren direkten Unterstützer und Anhänger geht es wirtschaftlich sogar sehr gut. Seine Welt ist damit in Ordnung und noch so scharfe Sanktionen werden Ihn bzw. die Verantwortlichen des Regimes nicht wirklich erreichen. Ich fürchte dass mit einer Sanktionspolitik der Großteil der Bevölkerung in Weißrussland von Europa nur ausgegrenzt wird und sich die Verhältnisse im Land dadurch nicht ändern werden bzw. der jetzige Zustand für lange Zeit manifestiert wird.