Themenwochen „Kinder und Familie“
26. September 2012 - Daniel von Fromberg„Man muss sich immer einmischen“
Zwei Millionen Dialogkarten sind raus – und viele Bürgerinnen und Bürger haben uns bereits ihre Vorschläge und Ideen geschickt. SPD.de hat zahlreiche Dialogkarten ausgewertet und zum Auftakt der Themenwochen „Kinder und Familie“ einige der Absender zu ihren Anregungen und dem Bürger-Dialog als Ganzes befragt.
Günther Flenker ist über den Anruf aus dem Willy-Brandt-Haus freudig überrascht. Der 56-jährige Maschinenbautechniker aus Kiel hatte am Bürger-Dialog der SPD teilgenommen und per Dialogkarte seine Antworten eingereicht. „Man muss sich immer einmischen“, sagt Flenker auf die Frage, warum er sich am Bürger-Dialog beteiligt hat. „Das ist ja schließlich unser aller Politik und unser aller Zukunft!“
„Bildung ist der Schlüssel zu allem“
Sein besonderes Interesse gilt der Bildungspolitik, besonders für Kinder und Jugendliche. „Bildung ist der Schlüssel zu allem“, sagt Flenker. Ohne Bildung kein Arbeitsplatz und ohne vernünftigen Arbeitsplatz droht Altersarmut. Das jahrzehntelange SPD- und Gewerkschaftsmitglied wünscht sich denn von seiner Partei auch, ihr soziales Profil zu schärfen, „egal wer Kanzlerkandidat wird bei uns“. Dies sei gerade auch mit Blick auf die Gewerkschaften wichtig: „Das sind ja zum großen Teil unsere Wähler.“
Den Bürger-Dialog der SPD findet Flenker „ausgezeichnet“, auch gerade angesichts solcher Debatten. „Das ist genau das, worauf ich gewartet habe“, sagt der Kieler – und fügt hinzu: „Aber das muss dann natürlich auch umgesetzt werden“.
Familien steuerlich entlasten
Auch Nicole Karadag freut sich über unser Interesse an ihren Vorschlägen. Die 40-jährige Textilunternehmerin aus Neuenkirchen hatte sich zur Familienpolitik geäußert und bessere steuerliche Entlastungen für Familien gefordert. „Bei Lohnsteuerklasse V lohnt es sich nicht zu arbeiten! Viele Mütter wollen aber gerne arbeiten!“, beschwert sie sich die Mutter zweier Kinder.
Im Gespräch wünscht sich Karadag darüber hinaus auch eine „einheitliche Bildungspolitik mit länderübergreifend vergleichbaren Abschlüssen“. Den Bürger-Dialog findet Karadag, die für die SPD im Gemeinderat Neuenkirchen- Vörden sitzt, sehr gut: „Ich finde es gut, wenn die Bürger am aktuellen politischen Geschehen aktiv teilnehmen können. Ich hoffe, dass die Parteien künftig öfter diesen Weg gehen. Damit bekämpft man eventuell die Politverdrossenheit.“ Sie fügt hinzu: „Ich hoffe, wir werden öfters nach unserer Meinung gefragt!“
Für eine kinderfreundlichere Familienpolitik
Unser nächster Anruf erreicht Harald Uhl, 77, in Wachtberg. Eigentlich will er gerade in den Urlaub fahren, doch für unsere Fragen nimmt er sich Zeit – auch, weil er den Bürger-Dialog der SPD „vorbildlich“ findet: „Weil damit wirklich die Möglichkeit besteht, dass auch ein einfaches Mitglied sich zu Wort meldet und Überlegungen, Vorschläge und auch Kritik einbringt – und das alles sich nicht erst durch den Filter aller Möglichen in den Parteivorstand oder irgendeine Kommission durcharbeiten muss.“
Der pensionierte Beamte hat früher im Forschungsministerium im benachbarten Bonn gearbeitet. Und auch heute noch ist er als langjähriges SPD-Mitglied politisch aktiv, in der Kommunalpolitik und auch im kirchlichen Bereich. Auf seiner Dialogkarte setzt er sich besonders für eine „bessere Förderung von Frauen zwischen Familie und Beruf“ sowie für eine „kinderfreundliche Familienpolitik“ ein.
Genossinnen vor!
Das Thema Familienpolitik treibt Uhl spürbar um, vor allem weil da in Deutschland zu wenig passiert: „Es ist ganz klar, dass dort aller Bemühungen – verschiedener Regierungen, muss man ja sagen – zum Trotz noch nicht der Durchbruch gelungen ist, dass Deutschland ein wirklich kinderfreundliches Land wird.“ Woanders sei das besser gelungen, findet Uhl, wie zum Beispiel in den Niederlanden oder Frankreich.
Er wünscht sich deshalb eine bessere Familienpolitik: „Ich stelle mir vor, dass die Familien- und Kinderförderung konzentrierter erfolgt. Da müssen direkte, aber zielgerechte Fördermaßnahmen erfolgen. Also in der Betreuung für die Kinder, in der Bildung für die Kinder – und in der Erleichterung von Familie und Beruf für die Frauen.“
Uhl hofft, dass sich besonders Frauen am Bürger-Dialog der SPD beteiligen. „Vielleicht“, überlegt er, „könnte man da noch mal – vielleicht ja im ‚Vorwärts’, der Parteizeitung der SPD, einen gesonderten Aufruf machen: Genossinnen vor!“