Themenwochen "Kinder und Familie"
05. October 2012 - Katrin Münch„Viele Ideen, was besser werden muss“
Der Bürger-Dialog der SPD kommt gut an bei den Menschen, Tausende Vorschläge von Bürgerinnen und Bürgern haben uns schon erreicht. Sandra Scheeres, Bildungssenatorin des Landes Berlin, hat sich die Ideen der Bürger angeschaut. Im Interview mit SPD.de sagt sie, was ihr auffiel.
SPD.de: In den letzten beiden Wochen stand das Thema Familie und Kinder im Fokus unseres Bürger-Dialogs. Welchen Trend machst du aus? Was treibt die Menschen am meisten um?
Sandra Scheeres: Ganz klar, die Frage nach einer verbesserten Kinderbetreuung. Egal ob am Telefon oder bei den Zuschriften, überall wird deutlich, dass es an Kita-Plätzen fehlt. Zugleich beschweren sich die Bürger über das geplante Betreuungsgeld, weil es Kinder von den Kitas fernhält – statt neue Plätze zu schaffen.
SPD.de: Was ist dir bei den Zuschriften aufgefallen?
Scheeres: Viele schreiben aus ihrer eigenen, ganz persönlichen Situation heraus. Eine Frau beschreibt zum Beispiel das Problem, dass sie für ihre zweijährige Tochter weder einen Betreuungsplatz im Wohnort noch einen Ganztagesplatz findet. Um weiterhin im Wechselschichtdienst arbeiten zu können, braucht sie bei der Kinderbetreuung so schnell wie möglich Unterstützung. Eine andere Mutter schildert uns, dass die Betreuungszeiten nicht ausreichen, um Job und Familie miteinander zu vereinbaren. Sie arbeitet Vollzeit und braucht zusätzlich 1,5 Stunden jeden Tag, um zum Job und zurück zu fahren. Die Kita schließt aber bereits um 16 Uhr. Beide Frauen wollen arbeiten, können es aber nicht, weil es an entsprechender Infrastruktur fehlt.
SPD.de: Was waren weitere Themen, die den Bürgern wichtig sind?
Scheeres: Die Situation von Alleinerziehenden treibt viele um. Neben einer steuerlichen Besserstellung sollen auch ihre Erziehungszeiten bei der Rente besonders beachtet werden. Ein anderes Thema ist die mangelnde Wertschätzung gegenüber Erzieherinnen und Erzieher. Hier wünschen sich viele eine bessere Bezahlung und eine stärkere gesellschaftliche Anerkennung. Zudem wird auch oft das Thema Mittagsessen im Ganztagsbereich angesprochen. Viele Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder mit einem qualitativ guten Essen versorgt werden.
Viele kritisieren auch eine fehlgeleitete Familienpolitik. Während der Staat „Unsummen“ für das Kindergeld ausgibt – gerade auch durch Steuererleichterungen bei finanzstarken Familien -, fehlt es in öffentlichen Bildungseinrichtungen in allen Ecken und Enden.
SPD.de: Gibt es einen Vorschlag, den du besonders interessant findest?
Scheeres: Ein Bürger schrieb uns, dass die Arbeitgeber bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärker mit ins Boot geholt werden sollen. Er wünscht sich flexiblere Arbeitszeite für Familien, so zum Beispiel auch die Möglichkeit per Telearbeit von zu Hause zu arbeiten oder die Einrichtung von Eltern-Kind-Zimmern in Betrieben.
Er wünscht sich von den Unternehmen mehr Betriebskindergärten. Die Politik sollte dieses Engagement unterstützen, indem sie für eine entsprechende Absetzbarkeit von Betriebsausgaben für den neu geschaffenen Betriebskindergarten sorgt.
SPD.de: Wie geht es nun weiter?
Scheeres: Wir sammeln weitere Vorschläge in der ganzen Republik ein. Noch bis Ende Dezember kann man sich mit seiner Idee an uns wenden. Im Frühjahr 2013 laden wir dann zu einer Bürgerkonferenz ein, bei der im Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern aus der Vielzahl der Vorschläge ganz konkrete Ideen fürs Regierungsprogramm der SPD werden. Ich bin gespannt und freu mich auf viele weitere Ideen, was für Familien in Deutschland besser werden muss.