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Transparenz-Debatte
08. October 2012 - Jochen Wiemken

Steinbrück geht in die Offensive

 Peer Steinbrück in der ARD-Talkshow von Günther Jauch (Foto: dpa)



Offensiv und selbstbewusst! So begegnet Peer Steinbrück der Debatte um Vortragshonorare. Obwohl seine Einkünfte nach den Vorgaben des Bundestags bereits transparent sind, will er darüber hinaus weitere Details veröffentlichen – und er macht sich für noch schärfere Regeln stark. Das kündigte er in der ARD an. Union und FDP mauern aber.

Schon am Wochenende hatte der künftige SPD-Kanzlerkandidat angekündigt, alle Informationen zu seinen Vorträgen unabhängig prüfen und offenlegen zu lassen. Klare Worte fand er zu den Einlassungen aus Union und FDP. Die Unterstellung einer Nähe zur Bankenlobby sei „absurd und dämlich“, stellte Steinbrück in der ARD-Sendung „Günter Jauch“ fest. Gerade die Finanzwirtschaft hatte der Sozialdemokrat auf Veranstaltungen der Branche nie geschont und mit deutlicher Kritik an ihren Geschäftsmodellen konfrontiert.


Die Angriffe aus den Koalitionsfraktionen könnten sich indes gegen die Abgeordneten von Union und FDP selbst richten. Denn in die Offensive geht Steinbrück auch bei den Transparenz-Regeln für Parlamentarier. Sie will der designierte SPD-Kanzlerkandidat weiter verschärfen. So hatte er vorgeschlagen, alle Abgeordneten zur Veröffentlichung ihrer Zusatzeinkünfte „bis auf den letzten Cent“ zu verpflichten. Damit ging er deutlich über die bisherigen Forderungen nach schärferen Transparenzregeln hinaus.

Union und FDP rudern hier aber schon zurück. Auch Initiativen der SPD gegen Abgeordnetenbestechung hatte Schwarz-Gelb in der Vergangenheit stets blockiert. Dieses Verhalten stößt unter anderem auch auf Kritik bei LobbyControl.



Schwarz-gelbe „Angst vor dem SPD-Kandidaten“

Auf klare Rückendeckung aus der eigenen Partei und Fraktion kann sich Steinbrück verlassen. Die stellvertretende Parteivorsitzende Hannelore Kraft warf den Kritikern aus CDU und FDP „geheuchelte Empörung“ vor. Diese sei „mehr als peinlich“, sagte Kraft der „Süddeutschen Zeitung“ (Montag). Wer ihm unterstelle, er rede anderen nach dem Mund, kenne ihn nicht. „Die Angst vor dem SPD-Kandidaten muss wahrlich groß sein“, sagte die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin.



Der baden-württembergische SPD-Vorsitzende Nils Schmid stellte fest, die Kritik der Union an Steinbrück stehe für deren „Sorge vor dem Machtverlust“ nach der Bundestagwahl in knapp einem Jahr. „Die CDU muss schon mächtig Angst vor Peer Steinbrück haben, wenn sie ihn nun angreift“, sagte Schmid der „Welt“. Der baden-württembergische Finanzminister nahm Steinbrück gegen Kritik an seinen Nebentätigkeiten als Abgeordneter in Schutz. „Egal, ob Steinbrück vor einem SPD-Ortsverein oder vor den Vorständen der Deutschen Bank redet, argumentiert er identisch“, sagte Schmid. „Hier von Käuflichkeit zu reden, ist lächerlich.“



"Die Kritik der Koalition ist scheinheilig und unehrlich.“, kommentierte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann am Sonntag. CDU/CSU und FDP verweigertenn sich seit fast drei Jahren einer Verschärfung der Transparenzvorschriften für den Bundestag. „Niemand aus der Koalition ist zu so viel Transparenz bereit wie Peer Steinbrück. Ich verlange von CDU und FDP konkrete Aussagen dazu, welche zusätzlichen Transparenzregeln sie wann einführen wollen.“ Die Koalition müsse die Maßstäbe, die sie an Peer Steinbrück anlegt, auch für sich selbst gelten lassen, so Oppermann.



SPD kündigt Gesetzinitiative für schärfere Transparenz-Regeln an

Die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles kündigte am Montag an, dass die SPD und Peer Steinbrück ein Verfahren für mehr Transparenz bei den Nebeneinkünften von Abgeordneten vorantreiben wollen. "In der nächsten Woche werden wir mit einem neuen Vorschlag an die anderen Fraktionen herantreten und uns im parlamentarischen Verfahren damit beschäftigen. Dann werden wir sehen, ob alle, die jetzt den Mund spitzen, am Ende auch pfeifen. Herr Dobrindt und Co. sind als Tiger gestartet und müsen sich jetzt überlegen, wo sie landen wollen", so Nahles.

Auch der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel forderte die Abgeordneten von Union und FDP auf, umgehend ihre Nebeneinkünfte publik zu machen. „Ich habe die Heuchelei von CDU/CSU und FDP satt“, sagte er bereits am Samstag im „Darmstädter Echo“.

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Zum Artikel

Links

Video der ARD-Talkshow

Steinbrück bei Jauch

Erklärung zu Nebeneinkünften

Peer Steinbrück legt alle Karten auf den Tisch

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11. October 2012 • 16:56 Antworten

Volker Stancke

Wenn es um die vermeintliche Nähe zu Banken geht wäre es wichtiger zu erfahren, was P.S. gesagt hat und weniger, was er dafür bekommen hat. Also: bitte Redemanuskripte veröffentlichen.

11. October 2012 • 16:51 Antworten

Volker Stancke

Was hat Peer Steinbrück eigentlich gesagt in den fraglichen Vorträgen. Wäre das nicht viel aufschlussreicher wenn es um die Frage der Nähe zu Banken geht?

10. October 2012 • 14:51 Antworten
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Gelöschter Nutzer

*Alternative zur Große Koalition* - SPD Alleinregierung *_Deutschland und Deutsche (Menschen) wollen und brauchen Stabilität, Kontinuität und Perspektive*_. Darum die gewissen Sehnsucht nach einer großen Koalition. Es gibt eine klare Alternative zur großer Koalition - eine Alleinregierung mit anständiger Gestaltungsmehrheit im Bundestag und Bundesrat. Die von Bürger gewünschte "Check & Balance" (Kontrolle) erfolgt dann über die Opposition im Bundestag und den rot-grünen, rot-roten und rot-schwarzen Landesregierungen. *SPD als neuer Senior & nie wieder Junior* Die SPD muss für die nächsten 20 - 30 Jahren klar machen: es gibt keine Juniorschaft mehr mit der SPD: weder im Bund, noch in den Ländern. Große Koalition nur in absoluten Notfällen UND NUR mit der SPD als Senior - als die älteste Partei Deutschlands!

10. October 2012 • 12:43 Antworten

Gerd Meier 2012

Werden hier keine Kommentare freigeschaltet oder kommentiert hier keiner? Ich versuche es noch mal: Ich habe keine Probleme damit, wenn Abgeordnete neben ihrer Tätigkeit als gewählte Volksvertreter bezahlte Reden halten und Interviews geben. Mich stört , wenn sie dafür Honorare erhalten, die dem Inhalt ihrer Reden und Interviews in keinster Weise gerecht werden. Wenn Peer Steinbrück für eine Rede oder ein Interview (!) gar 20.000 EUR vor Steuern erhält, läuft etwas gewaltig schief. Das ist mein halbes Bruttojahresgehalt! Womit rechtfertigt ein Unternehmen oder ein Veranstalter ein solches Honorar? Womit rechtfertigt ein Hr. Steinbrück eine solche Honorarhöhe. Hat er so tolle, wegweisende Inhalte zu transportieren, die dieses Honorar rechtfertigen? Hr. Steinbrück weiß doch, dass solche Reden und Interviews letztlich null Wert haben. Die Honorarhöhe ist absolut ungerechtfertigt, Hr. Steinbrück hätte dieses Honorar mit Verweis auf die Aussagen der SPD zur Begrenzung der Managergehälter in Führungspositionen großer Unternehmen bzw. seine Teilnahme an einer solchen Veranstaltung ablehnen müssen . Hat Hr. Steinbrück keine Ahnung, was ein einfacher Handwerker bei Bilfinger verdient (oder arbeitet die Firma nur noch mit Subunternehmen)? Es ist egal, zu was für einem Thema Hr. Steinbrück redet oder sich interviewen lässt. Was er sagt, ist weder 20.000 EUR noch 7.000 EUR wert. Es geht ihm einzig und allein um Kohle. Hinzu kommt der Umstand des Umfangs seiner Nebentätigkeit in Bezug zu seinem Hauptberuf als Bundestagsabgeordneter. Wenn der Stern schreibt, dass Hr. Steinbrück seit 2009 rund 600.000 EUR Einnahmen aus Vorträgen jeglicher Art hat, frage ich mich, wann er denn überhaupt im Bundestag war und seiner Tätigkeit als Abgeordneter nachgegangen ist? Für was für ein Wahlprogramm steht Hr. Peer Steinbrück 2013?

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09. October 2012 • 06:35 Antworten

Volker Rockel

Das Peer Steinbrück fordert, dass „Nebeneinkünfte“ bis auf den letzten Cent offenzulegen sind, ist absolut richtig!- Und das die SPD-Bundestagsfraktion jetzt endlich dieses „Kasperletheater“ um die Darstellung der Nebeneinkünfte konsequent beenden will ist gleichfalls lobenswert! Mir ist ohnehin völlig unklar, warum man im Deutschen Bundestag überhaupt auf eine „Stufenregelung“ zu der Offenlegung der Nebeneinkünfte gekommen ist und warum man ernsthaft weiterhin über „eine Erweiterung der Stufenregelung“ nachgedacht hat! (Kam wohl von den Grünen...) Das ist doch nichts weiter als der Versuch gewesen, die tatsächlichen Nebeneinkünfte von Abgeordneten gegenüber der Öffentlichkeit zu verschleiern!- Wie kommt man darauf dem Souverän so etwas anbieten zu können!? *Und ich hielt es für wünschenswert, wenn die SPD jetzt weiter medialen Druck macht, dass nun endlich der Deutsche Bundestag die UN-Konvention gegen Korruption (Uncac) ratifiziert und „Abgeordnetenbestechung“ durch Änderung des Strafgesetzbuches endlich auch in Deutschland strafbar wird!- Und ein namentliche Abstimmung im Parlament wäre hierzu sicherlich hilfreich....*

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volkerultes

Dem Kommentar von Volker Rockel ist uneingeschränkt zuzustimmen. Bin mal gespannt wieviel Jahre die politischen Parteien für die Umsetzung benötigen bzw. es überhaupt umgesetzt wird.

fiwa76

Ich stimme da auch voll und ganz zu, aber mich interessiert doch auch, *warum* unsere Spitzenpolitiker noch nebenbei verdienen. Sind sie in ihrem Amt und mit ihrer Aufgabe nicht eigentlich schon ausgelastet genug? Sind die Diäten bzw. Aufwandsentschädigungen nicht ausreichend? Kommt das Geld den Parteien zu gute? Versteht mich bitte nicht falsch, aber wenn ich lese das mehrere 10000 Euro für einen Vortrag als Honorar gezahlt wurden erscheint mir das doch extrem viel. Und dazu fängt dann noch unser "kleinbürgerliches Kopfkino" an zu arbeiten und malt sich in den schillernsten Farben aus, was unsere Politiker so alles an Geld scheffeln und von wem sie das so alles bekommen. Ich frage einfach mal so: Wäre es nicht sinnvoller, wenn man dort schon mit der so viel beschworenen Transparenz anfängt, und dem Bürger einfach mal erklärt wofür soviel Geld notwendig ist? Natürlich sind Nebeneinkünfte Privatsache, ganz klar. Aber ich finde mit der Wahl in ein öffentliches Amt rückt auch *diese* Privatsache in das Licht des öffentlichen Interesses.

Volker Rockel

re: fiwa76 Wir als Partei bestimmen wer als Kandidat für Mandate und bestimmte politische Ämter nominiert wird!- Wollen wir verhindern, dass durch andere Aufgaben, sprich Nebentätigkeiten, "überlastete" Mandatsträger wieder ein Mandat erhalten oder für bestimmte politische Ämter nominiert werden, sollten wir Sie in den Gliederungen der Partei bei Aufstellungen nicht mehr berücksichtigen bzw. nicht nominieren! Sind wir der Meinung das "bestimmte Nebentätigkeiten" bedingen, dass Teile bestimmter Nebeneinkünfte an die Partei abgeführt werden müssen, sollten wir das im Vorfeld in der Partei beschließen und die möglichen Kandidaten vor der Nominierung dazu verpflichten! Ich will damit sagen: Gibt es hier Regelungsbedarf innerhalb der Partei, liegt es an uns Regelungen im Sinne der Partei zu schaffen!- Dafür sind wir eine demokratische Partei in der die Mehrheit bestimmt, wie sich diese Partei inhaltlich und personell ausrichtet! Und es gilt aus meiner Sicht: *"Es ist nicht Deine Schuld, dass die Partei so ist, wie sie ist. Aber es ist Deine Schuld, wenn sie so bleibt..."*