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Peer Steinbrück privat
21. October 2012 - Christine Kroke

Bob Dylan und Gin Tonic

Peer Steinbrück privat: Zwei Stunden kramte er alte Platten raus und erzählte aus seinem Leben (Foto: dpa)

Peer Steinbrück zu Gast in der „Hörbar Rust“: Wer am Sonntag zu RBB-Radiomoderatorin Bettina Rust kommt, bringt Musik mit. Und wer die eigene Sammlung im Gepäck hat, hat auch die dazu passenden Geschichten nicht vergessen. Zwei Stunden voller Musik und Geschichten aus seinem Leben. Der SPD-Kanzlerkandidat in spe privat.

„Dieses Interview ist eine Vorproduktion. Es wird am Sonntag gesendet. Am heutigen Mittwoch zeichnen wir es aber auf. Mit welchen Skandalen müssen wir bis Sonntag rechnen, nach denen ich Sie dann nicht mehr fragen kann“, beginnt Moderatorin Bettina Rust lachend das Gespräch im RBB-Sender "radio eins" [mp3]. Steinbrück muss schmunzeln: „Mit gar keinen. Ich habe nichts zu verbergen“.

„Wir müssen also nicht damit rechnen, dass Sie es sich bis zum Nominierungsparteitag noch mal anders überlegen? Vor drei Jahren haben Sie schließlich noch 'Nein' gesagt“, hakt die Moderatorin nach. „Ja, das stimmt“, entgegnet Steinbrück. „Ich habe in den drei Jahren immer wieder Menschen getroffen, die mich ermutigt haben wieder mehr politische Verantwortung zu übernehmen. Nachdem ich bei Vorträgen Angela Merkel und diese Regierung immer wieder kritisiert habe, wollten viele einfach wissen, wie ich denn den Job machen würde? Hinzukommt, dass ich wusste und weiß, dass ich ihn besser machen kann. Das hat natürlich auch etwas mit Eitelkeit zu tun, die bei solchen Entscheidungen auch immer eine Rolle spielt – dazu stehe ich! Es war also die Ermutigung der Leute, gepaart mit dem Antrieb es besser machen zu wollen und ein kleiner Schuss Eitelkeit“. 

„Deinen Spiegel kannst du nicht belügen“

„Ich habe mich im Vorfeld der Kandidatur sehr genau geprüft und mich gefragt, ob ich das wirklich angehen will. Meiner Frau und meinem Rasierspiegel kann ich nichts vormachen. Wenn du in den Spiegel blickst, siehst du immer ganz genau, was du willst und wo du Fehler gemacht hast – du kannst dich nicht belügen. Und beim Blick in diesen Rasierspiegel habe ich mit mir ausgemacht: Ja, ich mache es. Ohne Wenn und Aber. Meiner Frau kann ich ebenfalls nichts vormachen. Ihr habe ich die Entscheidung dann auch als erstes mitgeteilt“, erklärt Steinbrück.

„Wie haben Sie Ihre Frau Gertrud eigentlich kennengelernt“, will Bettina Rust vom Kanzlerkandidaten wissen. „Im Ski-Urlaub. Ich war anfänglich allerdings ziemlich mürrisch zu ihr. Wir hatten die Nacht davor gefeiert und ich war verkatert. Trotzdem dachte ich mir: Endlich mal eine, die quatschen kann“, erzählt der 65-Jährige. „Wie meinen Sie das?“, fragt die Moderatorin. „Meine Frau ist Naturwissenschaftlerin und hatte deshalb immer ihr eigenes Thema, ihre eigene Bestätigung und ihr eigenes Leben. Das habe ich von Anfang an an ihr bewundert. Meine Mutter und Großmutter haben das vorgelebt. Ich bin mit sehr selbstbewussten Frauen aufgewachsen“, erzählt der SPD-Politiker.

Von seinen Kindern wolle er nicht allzu viel erzählen. Die seien schließlich schon 36, 34 und 29 Jahre alt und hätten ihr eigenes Leben. „Unser Wahlkampf ist zum Glück anders als in den USA. Dort müssen die Ehefrauen und Kinder bei Parteitagen schwülstige Reden auf ihren Vater oder Mann halten. Das finde ich lächerlich und hat in der Politik nichts zu suchen. Was haben denn meine Kinder mit meinen politischen Positionen zu tun?“, fragt der Kanzlerkandidat. 

Bono und Peer Steinbrück – ein persönliches Verhältnis

„Dann wird es jetzt aber Zeit für Ihren ersten Musikwunsch“, beendet Moderatorin Bettina Rust den ersten Gesprächsteil. Steinbrück muss nicht lange überlegen. Er wünscht sich von der irischen Rockband U2 den Song „Where the streets have no name“. Steinbrück: „Ich habe ein persönliches Verhältnis zu Bono von U2. Er ist sehr engagiert mit seiner Entwicklungshilfe-Organisation. Erst kürzlich war er bei uns im Willy-Brandt-Haus“.

„Welche Titel haben Sie uns denn noch mitgebracht“, will Rust wissen. „Von Roxy Music 'Slave to Love'. Ich bewundere den Frontmann Bryan Ferry für seine dandyhafte Stilsicherheit. Und ‚Sympathy for the Devil’ von den ‚Rolling Stones’. Als Jugendlicher habe ich mit einem Aufnahmegerät immer ‚Beatles’ und ‚Stones’ Lieder aus dem Radio aufgenommen. Außerdem würde ich gleich gerne ein Lied vom neuen Bob Dylan-Album hören. Das finde ich klasse. Ich wollte immer Gitarre spielen wie er. Dylans Musik und ein Glas Weißwein oder Gin Tonic – dabei kann ich am besten entspannen“, erzählt der SPD-Kanzlerkandidat in spe. 

Disco-Fox zu Samba-Rhythmen

„Haben Sie früher Ihre Tanzschritte zu den Beatles und den Rolling Stones vor ihrem Rasierspiegel geübt“, fragt Bettina Rust lachend. Peer Steinbrück muss ebenfalls schmunzeln: „Ja, sozusagen. Das sah natürlich lustig aus. Meine Frau und ich versuchen heute noch, lateinamerikanische Tänze mit Disco-Fox zu bewältigen. Das machen wir, wenn wir mit Freunden im Urlaub in Cornwall sind. Dann gehen wir tanzen oder spielen gemeinsam Doppelkopf. Das habe ich damals beim Bund gelernt.“

Ob er viel von zu Hause aus arbeite und welche Aussicht sein Arbeitszimmer habe, will die Moderatorin wissen. „Ja, ich arbeite viel in meinem Büro in Bonn-Bad Godesberg. Von meinem Arbeitszimmer blicke ich auf eine andere Häuserwand mit Fenstern. Dort spielen meistens Kinder. Einmal haben sie mich entdeckt. Ein Junge zog daraufhin die Hose runter und zeigt mir seinen blanken Hintern“, erzählt Steinbrück laut lachend. 


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