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Regierung weitet Minijobs aus
25. October 2012 - Daniel von Fromberg

Die gemütlichere Falle

SPD: Ausweitung der Minijobs ist Etikettenschwindel (Foto: dpa)

50 Euro mehr im Monat und Rentenversicherungspflicht: Die Koalition hat die Minijobs reformiert. Die SPD-Bundestagsfraktionsvize Elke Ferne kritisierte Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) für die Neuregelung scharf: „Damit erhöht sie das Armutsrisiko, insbesondere für Frauen. Denn Minijobs ergeben eben auch nur Mini-Renten.“

Die Verdienstobergrenze für die rund sieben Millionen Minijobber in Deutschland steigt von 400 auf 450 Euro. Begründet wird die Anhebung, die Schwarz-Gelb am Donnerstag gegen die Opposition durchsetzte, vor allem mit dem Inflationsausgleich.

Gleichzeitig sieht die Neuregelung, die der Bundesrat noch aufhalten kann, eine Versicherungspflicht für die gesetzliche Rentenversicherung vor. Daraus können sich die Minijobber auf Antrag aber befreien lassen. Die Bundesregierung selbst rechnet damit, dass etwa 90 Prozent der Betroffenen davon Gebrauch machen werden.

Niedriglohn hat ein Geschlecht

Die SPD kritisiert diese Entwicklung. Die sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Anette Kramme, wies darauf hin, dass Minijobber schon jetzt meist nicht 400, sondern nur 220 Euro bekommen. Viele Minijobber - davon die Mehrzahl Frauen - landeten erfahrungsgemäß in einer „biografischen Sackgasse“, so Kramme.

Auch die stellvertretende SPD-Bundestagsfraktionsvorsitzende Elke Ferner sieht besonders Frauen betroffen. Mehr als zwei Drittel der Minijobs würden von Frauen ausgeübt, so Ferner – und für diese seien die geringfügig bezahlten Anstellungsverhältnisse meist keine Chance, sondern eine beschäftigungsbiographische Falle. Dies bestätige sogar eine Studie von Familienministerin Kristina Schröder (CDU), der zufolge Minijobs nämlich keine Brücken in den regulären Arbeitsmarkt seien, sondern im Gegenteil den Wechsel in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung verhindern. „Insbesondere verheiratete Frauen bleiben im Minijob hängen“, so Ferner.

Das Fazit der SPD-Politikerin: „In Sonntagsreden klagt Frau von der Leyen über Altersarmut und werktags wird die Minijobgrenze angehoben. Damit erhöht sie das Armutsrisiko, insbesondere für Frauen. Denn Minijobs ergeben eben auch nur Mini-Renten.

DGB kritisiert Minijob-Reform

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisiert die Ausweitung der Minijobs scharf: „Statt den Niedriglohnsektor einzudämmen, will die Koalition ihn auch noch ausweiten“, sagte DGB-Vorstand Annelie Buntenbach. Drei Viertel der Minijobber erhalten nach Einschätzung der Gewerkschaften Stundenlöhne von unter 8,50 Euro. „Wegen der niedrigen Löhne und der mangelnden sozialen Absicherung sind die Minijobberinnen und Minijobber schon jetzt akut armutsgefährdet und sie gehören zu den Hauptrisikogruppen für spätere Altersarmut“, so Buntenbach.

Auch Ferner verwies auf die DGB-Zahlen: „Die Studie belegt auch, dass selbst gesetzliche Bestimmungen unterlaufen werden. Viele Beschäftigte wissen nicht um ihre Rechte.“ Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, bezahlter Urlaub und bezahlte Überstunden bis hin zu tarifgerechter Bezahlung würden auch für Minijobs gelten. Die Realität sehe freilich häufig anders aus. „Viele Arbeitgeber enthalten ihren Beschäftigten diese Rechte vor – nur deshalb sind Minijobs für die Arbeitgeber billiger als reguläre Beschäftigung.“ 

SPD will Konzept vorlegen

Die Sprecherin der SPD-Arbeitsgruppe Gleichstellungspolitik Christel Humme forderte angesichts der schwarz-gelben Minijob-Offenisive die Gleichstellung aller Arbeitsverhältnisse am  Arbeitsmarkt und kündigte an: „Die SPD wird dazu bald ein entsprechendes Konzept vorlegen.“

(mit dpa)

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26. October 2012 • 18:49 Antworten

Andreas Buntrock

Ich befürchte, dass die "Freiheit" von ArbeitnehmerInnen, die Entrichtung von Sozialversicherungsbeiträgen abzulehnen, von nimmersatten Arbeitgebern dazu missbraucht wird, sie vor der Einstellung beziehungsweise der Verlängerung eines Beschäftigungsverhältnisses gerade dazu zu nötigen. Das ist ein Grund mehr, prekäre Beschäftigungsverhältnisse gesetzlich abzuschaffen.

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Manipu

Andreas Buntrock, Ihre Befürchtungen teile ich und komme ebenfalls zu der Erkenntnis, dass die menschenunwürdigen, prekären Beschäftigungsverhältnisse gar nicht erst hätten eingeführt werden dürfen. Dass Basta-Gerd dies unter Beifall der neoliberal-konservativen Parteien tun durfte , war das Versagen der Gewerkschaften und der Linken in der SPD. Dass eine von Schröderfan Steinbrück geführte Regierung die prekären Arbeitsverhältnisse abschaffen wird, dürfte ein Wunschtraum bleiben.

26. October 2012 • 16:51 Antworten

URS SLY

Ich habe eine Frage dazu. Werden die Hinzuverdienstgrenzen bei Renten ebenfalls angepasst, wie bei den Minijobs?

26. October 2012 • 16:50 Antworten

URS SLY

Ich habe eine Frage dazu. Werden die Hinzuverdienstgrenzen bei Renten ebenfalls angepasst, wie bei den Minijobs?

26. October 2012 • 14:40 Antworten

Caspar Hauser

Ich weiß nicht, was die SPD eigentlich will: Erst erschafft der lupenreine Demokrat Schröder unter lautem Applaus der damaligen und heutigen SPD-Vorderen (haben die Geringverdiener auch gejubelt?), assistiert von den Grünen und hochzufrieden angenommen von den Nutznießern des "modernsten Niedriglohnsektors Europas" (so der damalige Bundesschröder). Jetzt will die CDU diesen Sektor offenbar noch weiter verbessern. Jetzt ist die SPD vergrätzt, wo sie doch hocherfreut sein müßte. Niemand vermag das zu verstehen.

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Jochen Wiemken

Die Ausweitung der Minijobs von 400 auf 450 Euro ist keine Verbesserung. Denn sie macht erneut deutlich, dass Frauen von dieser Bundesregierung nichts zu erwarten haben. Der Großteil der in einem Minijob Beschäftigten ist weiblich, verdient unter 8,50 Euro die Stunde und geht keiner weiteren sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Davon können die Menschen weder im heute noch im Alter leben. Altersarmut ist damit programmiert und wird mit dieser unsinnigen Ausweitung gar zementiert. Die Bundesregierung gaukelt damit den Menschen vor: Ihr bekommt mehr Geld. Fakt ist aber, dass damit nicht der Stundenlohn steigt, sondern lediglich die Arbeitszeit. Das hat nichts mit einer Lohnanpassung zu tun, sondern ist reiner Etikettenschwindel. Selbst das Bundesfamilienministerium hat jüngst in einer hauseigenen Studie die negativen Auswirkungen von Minijobs festgestellt – zur Überraschung der Ministerin. Das ist aber keine neue Erkenntnis. Spätestens seit dem Sachverständigengutachten für den Ersten Gleichstellungsbericht müsste auch der Bundesregierung klar sein, dass diese Minijobs reformiert werden müssen. Wir brauchen eine Gleichstellung aller Arbeitsverhältnisse am Arbeitsmarkt. Genau das will die SPD - und wird dazu in Kürze ein entsprechendes Konzept vorlegen.

Caspar Hauser

Es ist immer wieder von hohem Unterhaltungswert, wenn die SPD Konzepte ankündigt. Die Altersarmut hat den Bundesschröder, als er den "modernsten Niedriglohnsektor" schuf auch nicht irritiert. Im Übrigen: Für welchen Lohnempfänger ist ein Niedriglohn eine schöne Sache, ob der Niedriglohnsektor modern ist oder nicht. Jedenfalls war der Niedriglohnsektor von der SPD und ihrem Basta-Kanzler gewollt. Alle Argumente, die jetzt gegen die Pläne der Bundesregierung vorgebracht werden, gab es auch schon zu Schröders Zeiten. Der Kommentar von Herrn Wiemken ist insofern ziemlich langweilig.

Caspar Hauser

Um es nochmal auf den Punkt zu bringen: Nicht die Erhöhung um 50,-€ und die Geschichte mit der Rentenversicherungspflicht, sondern die Existenz eines Niedriglohnsektors von diesem Ausmaß sind der Skandal, und dieser führt zu den jetzt von der SPD beklagten Folgen. Diese haben aber SPD und ihre Vorderen sehenden Auges in Kauf genommen. Nicht Krokodilstränen und ein "Haltet den Dieb!" sind jetzt angebracht sondern ein "mea culpa"!

wischiwaschi

@Jochen Wiemken >>>_Die Bundesregierung gaukelt damit den Menschen vor: Ihr bekommt mehr Geld._<<< Ihr müsst die Leute ja für mehr als total dämlich halten. Also ich kenne keinen 400-EURO-Jobber, der glaubt, er würde 'ne 12,5%ige Lohnerhöhung bekommen. Davon ab - wer Menschen zwingt, unwürdige Arbeitsverhältnisse anzunehmen, diese im gleichen Atemzug aber anprangert, der sollte dringendst mal 'nen Arzt aufsuchen. >>>_Altersarmut ist damit programmiert_<<< Wer hat's programmiert ...??? Und 8,50 führen natürlich nicht direkt in die Altersarmut ? Janee...is klar......... >>>_Drei Viertel der Minijobber erhalten nach Einschätzung der Gewerkschaften Stundenlöhne von unter 8,50 Euro. „Wegen der niedrigen Löhne [...] sind die Minijobberinnen und Minijobber schon jetzt akut armutsgefährdet_<<< Bei solchen Löhnen, sowie Politikern und Gewerkschaften mit ihrem vorsintflutlichen Denken, scheint mir die Armut in keinster Weise gefährdet zu sein.

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Jochen Wiemken

Die Studie von Ministerin Kristina Schröder belegt: Minijobs sind keine Brücken in den regulären Arbeitsmarkt, sondern verhindern sogar den Wechsel in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Die Studie belegt auch, dass selbst gesetzliche Bestimmungen unterlaufen werden. Viele Beschäftigte wissen nicht um ihre Rechte: Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, bezahlter Urlaub und bezahlte Überstunden bis hin zu tarifgerechter Bezahlung gelten auch für Minijobs. Die Realität sieht allerdings anders aus. Viele Arbeitgeber enthalten ihren Beschäftigten diese Rechte vor – nur deshalb sind Minijobs für die Arbeitgeber billiger als reguläre Beschäftigung. Außerdem belegt die Studie aus dem Hause Schröder: Minijobs verhindern keine Schwarzarbeit, sondern vereinfachen sie. Anstatt die Minijob-Grenze anzuheben und Altersarmut sowie die Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt zu vergrößern sollten Frau von der Leyen und die schwarz-gelbe Koalition endlich für Ordnung auf dem Arbeitsmarkt sorgen: für einen gesetzlichen Mindestlohn, für sozial abgesicherte und existenzsichernde Beschäftigung und vor allem für eine wirksame Bekämpfung des gesetzeswidrigen Verhalten vieler Arbeitgeber.

26. October 2012 • 12:33 Antworten
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Gelöschter Nutzer

Wie beim Thema : "Die SPD im Chat/Kommunen in Finanznot" Altes Thema, kein weiterkommen, sogar eine Ausweitung ist in Sicht. Da nützt kein Chatten, keine Kritik und ein Willen, ein Konzept vorzulegen !! Eine zupackende Politik ist gefragt, ja überfällig !!!! In der Geschichte gibt es leider genügend Beispiele, die durch eine schwache, unfähige Politik(er) gruselige Entwicklungen entstanden sind. Das ist keine Arbeitswelt im 21. Jahrhundert ! Sondern ein Rückschritt ins.. !!!!!