Union gegen Frauenquote
26. October 2012 - Jochen WiemkenNichts als Lippenbekenntnisse
Schlechte Nachrichten für Frauen: Die Koalitionsparteien wollen einen Gesetzesentwurf von SPD und Grüne ablehnen, der eine gesetzliche Frauenquote für Aufsichtsräte deutscher Konzerne fordert. Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs begründete dies mit der Aussage, es gebe nicht genug für Aufsichtsratsposten qualifizierte Frauen.
„Die gläserne Decke durchstoßen“ – das wollen SPD und Grüne, um Frauen im Beruf zu fördern. Die Metapher der Glasdecke beschreibt die unsichtbare Grenze, an die Frauen stoßen, wenn sie Karrierestufen erklimmen und ins Management einziehen wollen.
In Deutschland sind 15,6 Prozent der Posten in den Aufsichtsräten mit Frauen besetzt, in den mächtigeren Vorständen gar nur 4,2 Prozent.
Seit 20 Jahren redet die Politik über Gleichstellung, am Freitag musste die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag Farbe bekennen. SPD und Grüne legten einen Gesetzentwurf vor, der eine Bundesratsinitiative des SPD-geführten Bundeslandes Hamburg aufgreift. Diese sieht eine gesetzliche Frauenquote in den Chefetagen von zunächst 20 und später 40 Prozent vor.
Lambrecht: „Ausreden werden immer absurder“
Obwohl sich im September auch CDU-geführte Länder dem Gesetzentwurf angeschlossen hatten, verweigerte sich die Union im Bundestag erneut dem SPD-Vorschlag [PDF, 930 KB]. Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs verstieg sich gar zu der Behauptung, es fehlten für Aufsichtsratsposten qualifizierte Frauen in Deutschland. „Die Ausreden, die von der Regierung bei diesem Thema immer wieder gebracht werden, werden immer absurder“, stellte SPD-Fraktionsvizin Christine Lambrecht fest.
Scharf kritisiert sie, dass die Union die Gleichstellung in Deutschland weiter blockiert. „Heute ist einmal mehr klar geworden, dass die Union bei der Frauenförderung nicht über Lippenbekenntnisse hinaus kommt“, so Lambrecht.