Telefónica will Handy-Daten verkaufen
31. October 2012 - Rainer Vogt„Ein sehr heikles Geschäft“
Datenschützer sind schon länger besorgt über den Umgang mit Handy-Daten. Jetzt will die spanische Telefónica - in Deutschland mit der Marke O2 vertreten - mit Nutzerdaten neue Geschäfte machen. „Der Bürger darf nicht gläsern werden“, mahnten die SPD-Netzexperten Björn Böhning und Lars Klingbeil am Mittwoch.
Handy-Nutzer liefern den Mobilfunkbetreibern Tag für Tag Unmengen von Daten ins Haus. Nun will der hoch verschuldete spanische Telekomriese Telefónica diese Kundendaten vermarkten und sich damit neue Einnahmequellen erschließen. Dabei könnte der Konzern auch auf Daten von Kunden seiner deutschen Mobilfunktochter O2 zugreifen. Es gebe aber für Deutschland noch keine konkreten Pläne, sagte ein Sprecher des Unternehmens am Dienstag in München.
„Es darf nicht passieren, dass Telekommunikationsunternehmen einen Ausverkauf der Nutzerdaten betreiben“, forderten die SPD-Politiker Lars Klingbeil, Sprecher der Enquete-Kommission "Internet und Digitale Gesellschaft" und Björn Böhning, Sprecher des Gesprächskreises "Netzpolitik und Digitale Gesellschaft" am Mittwoch. Dies würde gegen das Prinzip der informationellen Selbstbestimmung verstoßen.
Handy-Bewegungsdaten für den Einzelhandel
Telefónica will Unternehmen, aber auch der öffentlichen Verwaltung, „analytische Einsichten“ liefern, „die es diesen ermöglichen, effektiver zu werden.“ Das erste Produkt mit der Bezeichnung „Smart Steps“ soll anonymisierte Bewegungsdaten von Kunden analysieren und dann zum Beispiel Einzelhändlern Erkenntnisse über das Verhalten von Besucherströmen liefern.
„Der Verkauf von Standortdaten ist ein sehr heikles Geschäft“, warnen Böhning und Klingbeil in einer gemeinsamen Presseerklärung. Über die Nutzerdaten ließen sich viele Rückschlüsse auf den Alltag und die Lebensumstände der Menschen treffen und Bewegungsprofile erstellen.
„Einwilligung nicht im Kleingedruckten verstecken“
Sollte O2 diese Nutzerdaten und speziell Bewegungsdaten auswerten und vertreiben wollen, verlangen die SPD-Netzexperten, dass die Daten strikt anonymisiert werden. „Es darf kein Rückschluss von Daten zu einem bestimmten Nutzer getroffen werden“, so ihre Forderung. Außerdem müssten die Vertragskunden bewusst einwilligen. „Eine Einwilligung, die im Kleingedruckten versteckt ist, reicht bei Weitem nicht aus“, betonten Böhning und Klingbeil: „Wir müssen gewährleisten, dass der Bürger nicht gläsern wird. Der Vertrieb von Bewegungsdaten darf kein Geschäftsmodell sein.“
(mit dpa)