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Ein Jahr nach Entdeckung des NSU-Terrors
01. November 2012 - Aydan Özoguz

„Noch immer mehr Fragen als Antworten“

Aydan Özoguz: Massive Kritik an Kompetenzwirren und Fehleinschätzungen (Foto: DPA)

In Kürze jährt sich der Tag, an dem wir von den schrecklichen Verbrechen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) erfuhren. Um das Versagen der deutschen Sicherheitsbehörden aufzuklären, richtete der Bundestag den NSU-Untersuchungsausschuss ein. Die SPD-Vize Aydan Özoguz ist Ausschussmitglied und übt massiv Kritik an den deutschen Sicherheitsbehörden.

Namensbeitrag von Aydan Özoguz, stellvertretende SPD-Vorsitzende

Aydan Özoguz
SPD-Vize Aydan Özoguz: Verloren gegangenes Vertrauen in Sicherheitsbehörden zurückgewinnen (Foto: Aydan Özoguz)
Das ganze Land blickte vor einem Jahr fassungslos auf eine der schlimmsten Mordserien der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte: Drei untergetauchte Neonazis ermorden über einen Zeitraum von zwölf Jahren im gesamten Bundesgebiet zehn Menschen - darunter neun mit Migrationshintergrund - , verüben zwei Bombenanschläge in Köln und rauben mindestens 14 Banken aus. Ein Jahr danach gibt es leider immer noch mehr Fragen als Antworten. Warum konnte das alles jahrelang vollkommen unbehelligt von Polizei- und Sicherheitsbehörden geschehen? Warum wurde nach all den akribischen - aber über Jahre hinweg vergeblichen - Versuchen, eine Verbindung der Mordopfer zum organsierten Verbrechen herzustellen, nicht auch konsequenter in Richtung des augenscheinlich naheliegenden Motivs des Fremdenhasses ermittelt? 

Schonungslose Aufklärung? Fehlanzeige!

Der Jahrestag ist ein Anlass für Politik und Gesellschaft noch einmal der Trauer und dem Mitgefühl mit den Angehörigen Ausdruck zu verleihen. Direkt nach den Anschlägen hat die Bundesregierung schonungslose Aufklärung versprochen, um verlorengegangenes Vertrauen in die Arbeit der Sicherheitsbehörden wieder zurück zu gewinnen. Aber genau dies ist nach nun knapp zehn Monaten Arbeit passiert im Untersuchungsausschuss zu den NSU-Verbrechen nicht passiert. 

Als stellvertretendes Ausschussmitglied blieb ich nach unzähligen Stunden der Befragung von Polizeibeamten, Staatsanwälten, Mitarbeitern und Behördenleitung von Bundeskriminalamt und Landes- und Bundesverfassungsschutz, nach dem Studium von tausenden Seiten von Ermittlungsvermerken und Behördenkorrespondenzen an manchem Abend nach der Sitzung doch ratlos und bestürzt zurück. Kuriose Ermittlungsmethoden wie die Befragung eines Mediums, das Verbindung mit den toten Opfern aufnehmen sollte, oder etwa die Einrichtung eines (Schein-)Dönerstandes durch die Polizei haben in der Presse für reichlich Aufsehen gesorgt. Mich persönlich haben andere Dinge betroffener gemacht. Es liegt mir fern, im Nachhinein - im Lichte der nun aufgeklärten Mordfälle - alles besser wissen zu wollen, aber der Auftritt von so manchem Zeugen im Untersuchungsausschuss hat mich wirklich erbost. Mit welcher Ignoranz und Selbstverständlichkeit eklatante Versäumnisse und Pannen schöngeredet wurden, hat mich wirklich schockiert. Kein Wort des Bedauerns, keine Entschuldigung bei den oftmals monatelang unter Tatverdacht stehenden Angehörigen. Nicht verschweigen möchte ich an dieser Stelle aber auch, dass die Befragungen auch die tiefe Betroffenheit und das Mitgefühl einiger Polizeibeamten zu Tage gefördert haben, die sich wohl nie mit ihrem Scheitern in diesem Fall werden abfinden können.


Verzweifle über die Informationspolitik der Behörden

Das Bild, das sich von der Kooperation zwischen den unterschiedlichen Landes- und Bundesbehörden oder den Bundesbehörden untereinander ergibt, ist stellenweise desaströs. Auch die von Bundes- und Landesregierungen versprochene rückhaltlose Aufklärung wurde konterkariert: Im Bundesamt für Verfassungsschutz wurden noch bis Juli 2012 Akten mit Rechtsextremismusbezug geschreddert, das Bundesverteidigungsministerium und der Militärische Abschirmdienst hatten dem NSU-Untersuchungsausschuss über Monate Informationen zum Wehrdienstleistenden Mundlos vorenthalten. Ebenso verschwieg der Berliner Innensenator Henkel dem Ausschuss gegenüber Informationen über eine V-Person der Berliner Polizei, die angeblich den Aufenthaltsort des Trios gekannt haben soll. 

Müssen Rechtsextremismus entschieden entgegentreten

Der Ausschuss wird weitere Zeugen befragen und Vorschläge für Verbesserungen bei der Arbeit der Sicherheitsbehörden vorschlagen. Ein Schritt in die richtige Richtung war die Schaffung eines Gemeinsamen Abwehrzentrums gegen Rechtsextremismus und die Rechtsextremismusverbunddatei. Klar ist aber heute schon, dass noch an vielen weiteren Punkten angesetzt werden muss: Bessere parlamentarische Kontrolle der Nachrichtendienste, Reform des Verfassungsschutzes, klarere und verbindliche Vorgaben bei Ermittlungen bei Opfern mit Migrationshintergrund und natürlich stärkere Sensibilisierung der Sicherheitsbehörden für rechtsextreme Gefahren. Aber auch gegen den Alltagsrassismus in unserer Gesellschaft müssen wir ankämpfen, die Präventionsarbeit stärken und eine bessere Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft im Kampf gegen Fremdenhass, Antisemitismus und Rechtsextremismus erreichen. Hier versagt die schwarz-gelbe Bundesregierung seit Jahren: Sie spart bei der politischen Bildungsarbeit und den Programmen gegen Rechtsextremismus, ebenso ist die umstrittene Extremismusklausel ein Schlag ins Gesicht der engagierten Zivilgesellschaft!

Eine längere Fassung dieses Namensbeitrags von Aydan Özoguz erscheint am Wochenende bei www.migazin.de.

Vor einem Jahr flog die Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) auf. Zwei Terroristen, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, wurden am 4. November 2011 entdeckt, nachdem sie Selbstmord begangen hatten. Das mutmaßlich dritte NSU-Mitglied, Beate Zschäpe, stellte sich vier Tage später der Polizei. Seitdem sitzt sie in Untersuchungshaft. Der Gruppe werden zehn Morde, zwei Sprengstoffanschläge und mindestens 15 Banküberfälle zur Last gelegt.

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05. November 2012 • 15:09 Antworten

Dr. Hans-Martin Thieringer

zu NSU: Auf Eurem Titelbild ist eine Pistole abgebildet. Schon früh, bei dem Polizisten-Mord in der Nähe von Heilbronn (2002?), wurde erwähnt, dass es sich um ein tschechisches Fabrikat handelt. Später sollen mehrere der Morde an türkischen, bzw. einem griechischen Mitbürgern in verschiedenen Städten mit derselben Waffe verübt worden sein. Mich interessiert, weshalb die Ermittler bei dieser Sachlage nicht sofort an ein und dieselben Täter dachten, sondern im jeweiligen Umfeld der Opfer ermittelten. Zu diesem Punkt habe ich bisher keine Erklärung gelesen.

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wischiwaschi

Angeblich hat die Zschäpe ihre Butze ja auch angezündet um Beweise zu vernichten. ...Aber die Knarre lässtse natüüürlich liegen.

04. November 2012 • 12:26 Antworten
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Gelöschter Nutzer

*Deutschland vs. "BRD"* Oder: Deutsche vs. Grundgesetz Wenn man die Fassade in Form von "Bundesrepublik" und Grundgesetz aus Deutschland entfernen würde... Wenn Deutschland & Deutsche dann nackt dastehen würden... ...dann sieht man z. T. schreckliche Realität und eine hässlich Fratze in Form von Rassismus, Nationalismus, Hass und Rückschrittlichkeit. *Dann sieht man, wie einfach es ein Hitler 2.0 des 21. Jahrhundert in Deutschland hätte!* Wir nah Deutsche und Deutschland an eine 3. Katastrophe und an eine erneute, gigantische Selbstschädigung sind! Deutschland war und ist eine Gefahr für sich selbst - schon 2x. Die besten Jahre hatte Deutschland im Grunde geteilt - in und mit Europa, fest verankert in der westlichen Welt der Freiheit, des Fortschritts und der Aufklärung! "Deutschland darf nie wieder alleine gelassen werden!" (Helmut Kohl)

02. November 2012 • 22:11 Antworten
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wischiwaschi

_Kompetenzwirren, Fehleinschätzungen, Versäumnisse, ...Pannen ..._ - Sorry, aber wer das noch glaubt, der fährt auch zum Baden nach Grönland. Es wird gelogen, verschwiegen, verschleiert, Beweismittel werden vernichtet (ohne Konsequenzen), und Nazis mit Geld und Sprengstoff versorgt. Ihr (U-Ausschuss) werdet verarscht von vorne bis hinten, ...und dann kommt nach über einem Jahr eine solche Frage : _"Warum konnte das alles jahrelang vollkommen unbehelligt von Polizei- und Sicherheitsbehörden geschehen?"_ Ich geb Euch mal einen Tipp. Es könnnnnte Leute geben, die nicht behelligen wollten, und die auch jetzt nicht wollen, dass Ihr erfahrt was wirklich geschah. Solange dem 16-jährige Filesharer von Nebenan der PC aus der Wohnung geholt wird, Bundesnazis aber ungehindert und ungestraft Beweise shreddern können, ist der eigentliche Skandal der "NSU-Story" nicht die Mordserie, sondern die zahnlosen Aufklärungsversuchsversuche. Dieser sogenannte "Verfassungsschutz" gehört restlos ausgeräuchert, denn er verhält sich eindeutig verfassungsfeindlich. Das sich selbst ein ex Innenminister am Verwirrspiel beteiligt und im Anschluss noch kackfrech und öffentlich den Menschen ins Gesicht spinnt, macht das Ganze nicht besser.

01. November 2012 • 17:04 Antworten
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Gelöschter Nutzer

*Tiefer Staat* & Moderner Rassismus "Moderner Rassismus" und Kultur-Rassismus sind leider Alltag - auch in der SPD (Funktionäre, Mitglieder, Wähler). Siehe über 60 % Zustimmung zur Sarrazin-Gen-Manifest.