Job-Kahlschlag in Konzernen
01. November 2012 - Christine KrokeWeckruf an Regierung
Die Krise im Euro-Raum macht auch vor der deutschen Wirtschaft nicht halt. Die Gewinne der größten Konzerne sinken. Großunternehmen wie Metro, Karstadt oder Lufthansa wollen tausende ihrer Mitarbeiter entlassen. Während die Bundesregierung in Europa zögerlich und lavierend handelt, hat die SPD eigene Pläne für eine zukunftsfähige Industrie- und Wirtschaftspolitik entwickelt.
Bereits im September hat die Bundesagentur für Arbeit vor steigender Arbeitslosigkeit in Deutschland gewarnt. „Die nachlassende Dynamik am Arbeitsmarkt hat zwei Gründe: die Krise in der Euro-Zone schlägt sich zunehmend in der Konjunktur nieder und gleichzeitig hinterlassen Kürzungen in der Arbeitsmarktpolitik tiefe Spuren“, stellt der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Hubertus Heil fest. Er fordert die Bundesregierung auf, schleunigst Vorsorge zu treffen, um einer weiteren Verschlechterung der Lage vorzubeugen.
Dass die Konjunktur abflaut, zeigt auch eine aktuelle Analyse der Wirtschaftsberater Ernst & Young. Während die Gewinne der Unternehmen geschrumpft seien, hätten die Umsätze um fast zehn Prozent zugelegt - vor allem durch Wechselkursveränderungen, so die Wirtschaftsberater. Von 100 Euro Umsatz blieben jetzt nur noch 9,80 Euro operativer Gewinn in der Kasse. Im Vorjahreszeitraum seien es noch elf Euro gewesen. Sieben Prozent der europäischen Unternehmen machten sogar Verluste. Das, so die Wirtschaftsberater, seien vier Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2011.
Eine Wachstumsstrategie für Europa
„Die Risiken für die Wirtschaft haben deutlich zugenommen und auch für Deutschland wächst die Gefahr, in eine Rezession zu geraten. Deshalb sind solide Staatsfinanzen, regulierte Finanzmärkte und eine investitions- und Wachstumsstrategie für Europas Wirtschaft jetzt notwendig“, so Heil weiter.
Im Vergleich mit den Vereinigten Staaten schwächelt Europa. Laut Ernst & Young ging die Gewinnmarge der 300 größten US-Konzerne lediglich von 13,3 Prozent auf 12,8 Prozent zurück. Verluste verzeichnete sogar nur ein Prozent der US-Konzerne.
„Die schlechte Konjunkturentwicklung durch die Euro-Krise hat die Unternehmen überrascht. Die Kosten sind deshalb aus dem Ruder gelaufen. Inzwischen treten die Unternehmen auf die Kostenbremse – und zwar bei den Beschäftigten. Die Unternehmen setzen den Rotstift an und verschlanken sich“, nennt das Markus Thomas Schweizer von Ernst & Young in der Frankfurter Rundschau (Donnerstag).
Investitionen in Technologie
Die Finanzmarktkrise hat gezeigt, dass Länder mit starken Industrien besser durch den Wirtschaftseinbruch kommen als solche, die einseitig auf Finanzdienstleistungen gesetzt haben. Deshalb hatte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier bereits vor einigen Monaten mit dem Plan „Gemeinsam stärker“ eine Strategie zur industriellen Erneuerung Europas vorgestellt. „Die Einführung einer europäischen Finanztransaktionssteuer sollte mit einer Weichenstellung in Richtung Realwirtschaft verbunden werden. Außerdem muss Europa in technologische Innovationen stärker investieren und die Infrastruktur der europäischen Industrie stärken“, so Steinmeier.
Austausch mit Entscheidern aus Wirtschaft und Industrie
Vor rund zwei Wochen waren zahlreiche hochrangige Entscheider von Unternehmen, Gewerkschaften und Politik nach Berlin gekommen, um sich mit der SPD-Bundestagsfraktion und dem designierten SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück über eine zukunftsfähige Wirtschaftspolitik auszutauschen. Frank-Walter Steinmeier hatte zu der Veranstaltung gemeinsam mit der IG Metall und dem internationalen Dachverband der Industriegewerkschaften ein Memorandum für eine „Allianz zur industriellen Erneuerung Europas“ veröffentlicht. Peer Steinbrück betonte: „Wir brauchen eine stärkere Koordinierung in Europa." Europas Wohlstand sei davon abhängig.
Ähnlich sieht dies auch Thomas Schweizer von Ernst & Young: „Allein mit Personalabbau ist die Bewältigung der Krise nicht getan. Die Zusammenarbeit und die Geschäftsmodelle europäischer Unternehmen müssen modernisiert werden. Manche müssen sich sogar komplett neu erfinden!“