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Steinbrück will Dispo-Wucher verhindern

17. January 2013

„Mittelstand und Verbraucher schützen“


Auf einem Kontoauszug sind Angaben zum Dispositionskredit zu lesen.
Steinbrück sagt Dispo-Wucher den Kampf an (Foto: DPA)

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück will Mittelstands-Unternehmer und Verbraucher vor Wucherzinsen schützen. Der Plan: Dispo-Zinsen sollen auf maximal 8 Prozentpunkte über dem Basiszins der Bundesbank begrenzt werden.

Trotz horrender Dispo-Zinsen von bis zu 15 Prozent habe die Bundesregierung bisher nichts unternommen, um Verbraucher vor den Wucherzuschlägen der Banken zu schützen, so Steinbrück: „Mein Eindruck ist, dass die Banken in Deutschland immer noch nicht umgelernt haben. Millionen Deutsche müssen für ihre Überziehungskredite nach wie vor horrende Zinsen zahlen. Ebenso ergeht es Mittelständlern, die im Wettbewerb mit Großunternehmen, die mit den Banken Zinssätze variabel aushandeln können, massiv benachteiligt werden."

Steinbrück: „Das ist Wucher!"

Obwohl sich die Banken bei der Europäischen Zentralbank zu einem historisch niedrigen Zinssatz von gegenwärtig 0,75 Prozent „so günstig Geld leihen können wie nie", schlügen sie bei den Kundinnen und Kunden „so richtig zu", sagte Steinbrück weiter: „Bis zu 15 Prozent Zinsen für einen einfachen Überziehungskredit! Das ist Wucher.“
 
Deutschland brauche deshalb „eine gesetzliche Zinsobergrenze“, so der Ex-Bundesfinanzminister. „Die Banken sollten nicht mehr als 8 Prozent Zinsen über dem Basiszinssatz der Bundesbank nehmen dürfen! Die Bundesregierung darf sich einer solchen gesetzlichen Regelung nicht weiter widersetzen. Auch das verstehe ich unter der Regulierung der Finanzmärkte!“

Deutschland, einig, Dispo-Wucher-Land

Dispo-Zinsen in Deutschland gehören mit durchschnittlich fast 12 Prozent zu den höchsten in Europa. Nur in den Krisenstaaten Griechenland, Irland und Portugal sind Dispokredite derzeit noch teurer. 

Laut Emnid nimmt fast ein Drittel der Deutschen den Überziehungskredit in Anspruch. Auch viele Mittelständler sind auf die Nutzung von Dispokredite angewiesen, weil immer häufiger Kunden (insbesondere öffentliche Auftraggeber!) ihre Rechnungen nicht rechtzeitig bezahlen. Die meisten Großunternehmen haben demgegenüber die Möglichkeit, mit Banken variable Kreditlinien mit deutlich niedrigeren Zinsen zu verhandeln. Das verzerrt den Wettbewerb zu Lasten des Mittelstands!

Schwarz-Gelb blockiert Begrenzung von Dispo-Wucher

Die Bundesregierung lehnt bislang jede gesetzliche Regelung zur Begrenzung der Höhe von Dispozinsen ab. Erst im September ist eine von Baden-Württemberg initiierte Bundesrats-Initiative an den unionsgeführten Ländern gescheitert, ebenso ein Antrag der SPD-Bundestagsfraktion mit dem gleichen Ziel.

Sind auch Sie vom Dispo-Wucher betroffen? Dann schreiben Sie uns! Wie hoch ist Ihr Dispo-Zinssatz - 12, 15, 17 Prozent? Was bedeutet die Abzocke beim Dispo für Ihr Unternehmen? Wie sehen Ihre Erfahrungen mit Ihrer Bank aus?

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17. January 2013 • 19:26 Antworten
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Garfield

Deutsche Unternehmen sollen Kredite in Höhe von 3,5 Bio. Euro haben, dessen Tilgungs- und Zinsraten unternehmerische Betriebsausgaben sind und damit letztlich von den Endverbrauchern (uns Bürgern) gezahlt werden (zusätzlich zu den Steuern in Höhe von 40 Mrd. Euro/a für die Zinszahlungen des Staates und evtl. eigenen Zinszahlungen für Kredite). Tilgungsraten für die über 2 Bio. Euro Staatsschulden sind dabei NICHT enthalten, da die bisherigen Regierungen grundsätzlich KEINE Tilgungsraten gezahlt haben! Alle Bürger zahlen damit mehr Zinsen, als sie durch evtl. Guthaben bekommen (ausser den oberen 1 Prozent). Würden wir ein zinsloses Brakteatengeld mit 100 Prozent Edelmetalldeckung haben, könnten zig Mrd. Euro eingespart werden und ein hoher allgemeiner Wohlstand erreicht werden, wie bereits 1150-1450 in D.! Natürlich passt diese Lösung nicht den Finanzeliten, aber wen interessiert schon, was Bank(st)er wollen, die Geld aus NICHTS erschaffen und meinen, es wäre ihr Geld?

17. January 2013 • 19:10 Antworten
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Garfield

Zitat aus dem Video: "Wie Geld entsteht" (youtube.com/watch?v=0p2Fz992s6w): "...„Was sie tun, wenn sie Geld verleihen, ist Schuldscheine anzunehmen im Austausch für Kredite. Die Reserven bleiben unverändert trotz der Leihgeschäfte. Vielmehr begründen Guthaben-Kredite neue Hinzufügungen zu den gesamten Einlagen des gesamten Bankensystems. In anderen Worten: Das Geld geht nicht aus den existierenden Beständen hervor. Die Bank erfindet es einfach. Stellt NICHTS von ihrem existierenden Kapital zur Verfügung, abgesehen von der theoretischen Belastung auf dem Papier..." Mit anderen Worten: über 98 Prozent unseres Geldes ist reine Illusion, da es dafür keien realen Gegenwert gibt! "..Mr. Morgan gab zu, dass es kein US-Gesetz oder Statut gibt, das ihm das Recht gibt, dies zu tun. Es muss ein gesetzlicher Gegenwert existieren und angeboten werden, um die Noten abzusichern. Die Geschworenen befanden, dass es keinen rechtmäßigen GEGENWERT gab.."

17. January 2013 • 18:54 Antworten
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Garfield

Warum sollen wir als Bürger überhaupt mehr als den Diskontsatz für die Sollzinsen eines Dispo-Kredites zahlen, wenn wir als Steuerzahler letztlich "systemrelevante" Banken retten sollen (siehe bisher HRE und Commerzbank)? Da wir Steuerzahler das Kreditrisiko übernehmen (s.o.), existiert damit ja keine Marktwirtschaft für Banken und somit gibt es keinen Anspruch auf einen privaten Zins-Gewinn der Banken, da leistungslose Gewinne laut Art. 15 GG grundgesetzwidrig sind. Ganz abgesehen von der Tatsache, das die Kredite der Banken letztlich NICHT das Geld der Banken ist, sondern des Staates (sprich uns Bürgern) ist, weil Banken zu über 98 Prozent Kredite aus dem NICHTS erschaffen (reine Tasteneingabe in Computern = Giralgeld, Fiatgeld), wofür kein physischer Gegenwert existiert, jedoch letztlich aber Steuerzahler für das Kreditrisiko haften sollen (s.o.)! Mit welchem Recht kann eine Bank Geld verleihen und dafür Zinsen verlangen, obwohl es ihr nicht gehört und Dritte dafür haften?