Die in der deutschen Debatte gehandelten Zahlen – bis zu 47 Milliarden Euro „auf lange Sicht“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) - über die zusätzliche Belastung, die Deutschland bei einer Refinanzierung über Eurobonds erwüchse, sind höchst angreifbar. So wird bei den Berechnungen die gesamte deutsche Staatsschuld (gut 2 Billionen Euro) zu Grunde gelegt, und mit der Zinsdifferenz (2,3 Prozent) zwischen dem deutschen und dem Durchschnittszins der Eurozone multipliziert. Ferner wird davon ausgegangen, dass die gesamte Staatsschuld der Eurozone über Eurobonds refinanziert werden soll. Ferner wird der Zeitraum nicht genannt, in dem diese Summe anfallen soll.
Eurobonds sollen jedoch nur für einen Teil der Staatsschulden zum Einsatz kommen. Ferner wird immer nur ein Teil der Staatsschuld im Jahresturnus refinanziert - in Deutschland werden jährlich durch den Bund „nur“ Anleihen im Wert von circa 300 Milliarden Euro ausgegeben. Ferner ist davon auszugehen, dass sich ein eigener Marktzins für Euroanleihen bilden würde, der deutlich unter dem Durchschnittszinssatz liegt.
Die gemachten Erfahrungen mit der ersten Ausgabe von gemeinschaftlich garantierten Anleihen durch den EFSF – das ist nichts anderes als ein Eurobond - für die Irlandhilfe von 5 Milliarden Euro im Frühjahr 2011 bestätigen die Annahmen. Mit Zinsen von nur 2,5 Prozent lagen diese Anleihen nur geringfügig über dem deutschen Zinsniveau von zur Zeit circa 2,3 Prozent für zehnjährige Staatsanleihen.
Bei Zugrundelegung dieser Erfahrungswerte würden Europäische Anleihen 0,2 Prozent „teurer“, als deutsche Anleihen. Damit würden Euroanleihen den Bund bei einer jährlichen Ausgabe von Bundesanleihen im Wert von circa 300 Milliarden Euro 600 Millionen Euro mehr „kosten, als die Finanzierung über Bundesanleihen. Selbst wenn der Aufschlag 1 Prozent betrüge, würden sich die Kosten auf lediglich 3 Milliarden Euro pro Jahr belaufen.
Zu behaupten, die Rettung der Eurozone koste den Steuerzahler nichts, ist jedoch naiv.