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19.06.2012 – Niedriglohnsektor
19. June 2012 15:51 - Moritz Stadler

Werkverträge: „Eine neue Form der Ausbeutung“

Immer mehr Arbeitgeber nutzen Werkverträge, um reguläre Beschäftigung zu umgehen und um Personalkosten einzusparen. So wie die SPD krisiert auch DGB-Chef Michael Sommer diese Praxis. In einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung warnte Sommer nun noch mal vor dieser neuen Form der „Arbeitnehmerausbeutung“.

„Leider besitzen zu viele Arbeitgeber eine erstaunliche Kreativität, wenn es darum geht, neue Billiglohnmodelle zu erfinden“, so der Gewerkschaftsvorsitzende. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) dürfe das Problem „nicht auf die lange Bank schieben“.

Annette Kramme, die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, forderte zuletzt, den Betriebsräten mehr Mitsprachemöglichkeiten einzuräumen. Durch Werkverträge könne, ohne die Zustimmung des Betriebsrates, de facto Leiharbeit eingekauft werden, so Kramme. „Hier müssen wir per Gesetz für klare Mitbestimmungsrechte sorgen“.

In den Augen des DGB-Chefs sind Werkverträgen und Scheinselbstständigkeit „das nächste gesetzliche Schlupfloch“. Genau wie die Leiharbeit seien dies die Instrumente, um Löhne zu drücken und Arbeitsbedingungen zu verschlechtern. Mit gravierenden Folgen für die Stammbeschäftigten: Sie werden, so Sommer, „immens unter Druck gesetzt, auch zu niedrigeren Löhnen zu arbeiten, oder mehr zu leisten, damit ihre Arbeitsplätze nicht an Werkvertragsnehmer vergeben werden.“

Werkverträge stoßen auch bei Gewerkschaften nicht grundsätzlich auf Ablehnung. Sie machen dann Sinn, wenn sie für Arbeiten vergeben werden, die nicht regelmäßig anfallen und sich in den Fällen eigenes Personal nicht lohnt. Wenn aber Werkvertragsbeschäftigte „gemeinsam mit der Stammbelegschaft antreten, dieselben Arbeitsmittel benutzen oder Anweisungen vom selben Vorarbeiter entgegennehmen, dann ist der Verdacht begründet, dass es sich um verschleierte Leiharbeit handelt", so Sommer.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung schätzt, dass sich die Zahl der über Werk- und Dienstverträge Beschäftigten seit 2002 auf 600.000 verdoppelt hat.

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26. June 2012 • 13:22 Antworten

volkerultes

Das Problem der Scheinselbständigkeit mittels Werkverträgen ist spätestens seit dem 1.1.1999 mit der Änderung des § 7Abs. 4 (SGB IV) bekannt. Schön, daß sich DGB und SPD dieser Form der Arbeitnehmerausbeutung auch mal annehmen. warum man dafür 13 Jahre Zeit benötigt hat, ist mir ein Rätsel.

23. June 2012 • 20:20 Antworten

asianfriend

Wo ist die Gewerkschaft und die SPD bei diesen Themen? Es wird Blabla geredet, aber wo ist das Handeln?? Wann kommt wirklich mal ein Generalstreik? Hat die Gewerkschaft Angst davor zu sehen, wie gering ihre Macht ist? Der Arbeiter ist viel zu brav in Deutschland, er läßt sich viel zu viel gefallen. Kein Wunder bei der Macht der Bildzeitung und der katholischen Kirche.

23. June 2012 • 11:05 Antworten
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Gelöschter Nutzer

Wer hat die Schlupflöcher zugelassen ? Wer hat die notwendigen Leitplanken im Arbeitsrecht bewußt entfernt ? Wer hat es zugelassen, das die Zumutbarkeit als Arbeitsloser herab gesetzt wurde? Wer wollte/hat es auch geschafft, das Deutschland ein BILLIGLOHNLAND wird ? Wer hat die LOBBY in fragwürdigen Kommissionen eingeladen und "arbeiten" lassen? Wer sagt heute, wir hatten es gut gemeint und konnten uns diese Ausuferung nicht vorstellen ? und,und,und..... +Nein, dieses war damals vorhersehbar und gewollt !!+ *Es spricht für sich, das es immer noch ein Thema ist !*

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asianfriend

Sehr gut, Dino. Genau die richtigen Schlußfolgerungen, die auch die Politiker vorher machen konnten, aber wohl nicht wollten. Warum wohl? Ist Politik und Kapital wohl zu sehr verstrickt, siehe Schröder und Gazprom ?? Oder FDP und Bank- und Versicherungswirtschaft? Oder CDU/CSU und die Agrarlobby? Es wird Zeit für die SPD sich vom Kapital zu lösen und wieder für die Bürger dazusein.