01.08.2012 - Seehofers G8-Gipfel
01. August 2012 - Maurizio Andreas Cavaliere„Alles nur Worthülsen“
Die von neun auf acht Jahre verkürzte Dauer des Gymnasiums in Bayern sorgt weiter für Chaos. „Zeugnis der Unreife“ titelte die Süddeutsche Zeitung bereits. Nun hat auch ein Gipfel in der Staatskanzlei keine überzeugenden Antworten geliefert. „Alles nur Worthülsen ohne pädagogische Neuorientierung“, stellt die BayernSPD fest.
Bis auf Rheinland-Pfalz haben mittlerweile alle Bundesländer die Verkürzung des Gymnasiums auf acht Jahre beschlossen. In Rheinland-Pfalz laufen derzeit Modellversuche an Ganztagsschulen zur Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur auf 12 Jahre. Während Länder wie Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen oder Schleswig-Holstein den Gymnasien zumindest für eine Übergangsphase die Wahlfreiheit lassen, ob sie weiterhin das Abitur nach neun Jahren anbieten wollen, hält die bayrische Landesregierung unter Horst Seehofer am G8 fest. Wegen der nach Meinung der Kritiker katastrophal umgesetzten Schulreform in Bayern laufen Eltern und Lehrer Sturm. Rund ein Jahr vor der Landtagswahl zeigt sich der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer zunehmend nervös und präsentiert ein sogenanntes „Fexibilisierungsjahr“.
Auf dieses freiwillige neunte Zusatzjahr am achtjährigen Gymnasium einigten sich am Montag die Teilnehmer des zweiten G8-Gipfels in der Münchner Staatskanzlei. Eine Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums für alle Schülerinnen und Schüler soll es allerdings in Bayern nicht geben.
BayernSPD fordert ein Gymnasium der zwei Geschwindigkeiten
Die BayernSPD zeigt sich enttäuscht vom Seehofer-Gipfel. "Die hohe Belastung der Schüler in der Unter- und Mittelstufe bleibt für die übergroße Zahl der Schüler erhalten, das Flexibilisierungsjahr und auch das ominöse Frühwarnsystem haben keinerlei pädagogisches Konzept und werden Rohrkrepierer werden", kritisiert der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion in Bayern, Martin Güll. Von einem "zeitgemäßen Konzept, in dem der Weg der einzelnen Schülerin und des einzelnen Schülers im Mittelpunkt steht" zu sprechen, sei angesichts der beschlossenen Maßnahmen eine bewusste Irreführung der Schulfamilie. "Alles nur Worthülsen ohne pädagogische Neuorientierung", sei das Fazit.
Die BayernSPD bleibt deshalb bei ihrer Forderung, auch in Bayern ein Gymnasium der zwei Geschwindigkeiten zuzulassen. „Für den einen Schüler passt die verkürzte Form G8 wunderbar, für die meisten wird die Langform mit neun gymnasialen Schuljahren nach wie vor die bessere Version sein", sagt der SPD-Bildungsexperte. "Die Wahlmöglichkeit geht auch in Bayern und ist so am schülergerechtesten."