Sachsen-Anhalt hat gewählt. Den ersten Hochrechnungen zufolge haben CDU und Linke zum Teil deutlich Stimmen abgeben müssen. Die SPD hat ihr Ergebnis der letzten Wahl bestätigt. Deutlich zugelegt haben die Grünen, die nach 13 Jahren erstmals wieder in den Magdeburger Landtag einziehen konnten. An der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert sind FDP und NPD.
Als klarer Gewinner aus der Wahl sind die Grünen hervorgegangen, die den ersten Hochrechnungen zufolge 6,8 Prozent erzielten und damit ihr Ergebnis nahezu verdoppeln konnten. Stärkste Kraft ist erneut die CDU geworden, die mit rund 33 Prozent aber über 3,5 Prozent schwächer abschnitt als vor fünf Jahren. Leicht abgeben musste auch Die Linke. Sie liegt bei 23,5 Prozent. Die SPD hat mit 21,5 Prozent ihr Ergebnis der letzten Wahl bestätigt.
Klare Verlierer der Wahl sind zum einen die FDP, deren Ergebnis nahezu halbiert wurde und die mit 3,7 Prozent nicht mehr im Landtag vertreten sein wird. Damit verlieren CDU und FDP insgesamt über 6 Prozent. Auch die NPD verpasst den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde.
„Es gibt einen großen Gewinner heute Abend“, kommentierte so auch die SPD-Generalsekretärin, Andrea Nahles – „die demokratische Kultur“. Dank gelte allen Wählerinnen und Wählern, die den Einzug der NPD in den Magdeburger Landtag verhindert hatten. Die Wahlbeteiligung lag mit 53 Prozent rund 9 Prozent höher als vor fünf Jahres. Nahles würdigte in diesem Zusammenhang auch die Arbeit der zahlreichen Initiativen gegen Rechts.
Offen bleibt am Abend die Frage der Koalitionsbildung. Der SPD-Spitzenkandidat Jens Bullerjahn legte sich in der ARD auf keine Koalitionsaussage fest. Mit der Partei werde er jetzt das Ergebnis beraten – zunächst am morgigen Montag im SPD-Landesvorstand. Dabei bekräftigte Bullerjahn seine Ankündigung aus dem Wahlkampf: „Es wird mit uns keine Wahl eines Ministerpräsidenten der Linken geben.“
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Helmut Probst • 25. March 2011 • 14:25
Zum Wahlausgang in Sachsen- Anhalt hat sich auch Oskar Lafontaine in einem Interview geäußert. Darin wirft er der SPD vor, keine Strategie für den Umgang mit einer starken Linken zu haben. „Wenn sie so weiter macht, wird sie nicht nur in Sachsen- Anhalt immer Kellner bleiben, sondern auf Bundesebene über Jahre nicht die Kanzlerin oder den Kanzler stellen“. Was wohl nichts weiter heißt, als dass Lafontaine der SPD nicht zutraut, ohne die Linkspartei jemals Wahlen auch gewinnen zu können. Sie brauche sozusagen die Linkspartei, damit sie in der Politik ernsthaft mitreden kann, sozusagen eine starke Linke. Offensichtlich schwebt Lafontaine immer noch eine linke Republik in Deutschland vor, und das sei eben nur mit der Linkspartei zu machen. Ich dachte ja, Lafontaine hat inzwischen mitbekommen, dass weder die SPD noch die Grünen für eine solche Politik nicht zu haben sind, vielleicht sogar noch in Richtung der „Suche eines Weges zum Kommunismus“, mit Sicherheit aber mit der „Überwindung“ des Kapitalismus. Oder mit welchen Vorstellungen für die Zukunft geht Lafontaine an Wahlen heran mit dem einzigen Ziel, die Linkspartei stark zu machen und sich diebisch zu freuen, dass die Linkspartei zweitstärkste Partei geblieben ist. Dabei übersieht er allerdings ein kleines, aber doch vielsagendes Problem, dass die Linkspartei allerhand Stimmen eingebüßt hat, die SPD aber ein Mühchen zu gewann. Ganz sicher darf er sich jedoch sein: Ein linkes Bündnis wollten die Wähler nicht. Das aber juckt Lafontaine überhaupt nicht. Wichtig ist für ihn allein, dass ein Linkspartei- Ministerpräsident hätte gewählt werden können, wenn die SPD nur mitgemacht hätte. Aber sie sei eben nicht normal. Gut, dass die Linkspartei, also Lafontaine, noch normal ist. „Eine Regierungsbildung mit einem linken Ministerpräsidenten ist möglich. Wenn die SPD konsequent wäre bei der Durchsetzung des Mindestlohnes, beim längeren gemeinsamen Lernen oder der Einrichtung eines öffentlichen Beschäftigungssektors, dann würde sie mit uns eine Regierung bilden“. Nun glaube ich fest, dass das für Jens Bullerjahn zu wenig SPD-Politik wäre, wofür Lafontaine steht. SPD:Politik heißt nicht nur, bei der Verteilung mitzureden wie die Linkspartei und da bestimmte Forderungen durchzusetzen. SPD-Politik, wie ich sie verstehe, ist Politik im Ganzen, für das Ganze, für alle. Da geht es um den sozialen Ausgleich genau so wie für eine florierende Wirtschaft und solide Staatsfinanzen. Allein mit linken Kräften, ja selbst mit einer Wahlmehrheit ist das nicht möglich. Da braucht die SPD weitere Partner aus allen Schichten der Bevölkerung, da braucht sie auch die Unternehmer. Diese betrachtet die SPD nicht als ihre Feinde. Und wahr ist wohl auch: Von diesem Kurs, darf sie sich nicht mehr abbringen lassen.. Sie ist und bleibt die wirkliche Zukunftspartei. Es wäre gut, wenn auch Lafontaine das einsehen könnte, bevor seine Mitglieder selbst zu diesen Einsichten kommen. „Die Linke überlebt sich selbst“. Die Entwicklung gibt Sigmund Gabriel mit dieser Feststellung auf dem Berliner Parteitag Recht.
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