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Icon   Manuela Schwesig und Frank-Walter Steinmeier

Höchste Zeit für eine Quote

30. March 2011

Frauenquote
(Bild: DPA)

Deutschland braucht wirksame Instrumente zur Gleichstellung von Frauen im Berufsleben. Gesetze müssen Frauenquoten in Führungsgremien und gleiche Bezahlung festlegen, fordern die SPD-Vizevorsitzende Manuela Schwesig und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier in einem Gastbeitrag in der Financial Times Deutschland.

Deutschland erlebt eine lebhafte Debatte über die Gleichstellung von Frauen in der Wirtschaft. Was aber hierzulande noch immer nicht klar ist: In anderen Ländern ist  die Wirtschaft selbst Treiber der Gleichstellung. In einem typischen größeren Unternehmen der USA etwa ist „diversity management“, also die Förderung der Vielfalt, nicht nur ein weiches Wunschbild, sondern ein hartes Geschäftsziel. Zu schmerzhaft sind die drohenden Zivilklagen mit hohen Schadensersatzforderungen. Wenn also die Leiter von Geschäftsbereichen berichten, wenn das Management seine Zahlen vorlegt, dann muss es gegenüber den Aktionären Rechenschaft ablegen, wie es um die Chancen von Frauen steht. Anders gesagt: Wenn ein Manger ständig Druck bekommt und die Höhe seines Bonus auch von der Qualität der Gleichstellung in seinem Verantwortungsbereich abhängt, überlegt er sich dreimal, ob es nicht doch eine geeignete Frau für die nächste Beförderung gibt.

Andere gute Beispiele gibt es in Norwegen oder Frankreich. Deutschland hinkt international hinterher. Immer noch sind nur fünf von 187 Vorständen der DAX-Unternehmen Frauen – eine Blamage für die Führungsetagen des deutschen Managements und eine schwere Hypothek für die Zukunft unserer Wirtschaft. Heute wird mehr als jeder zweite Hochschulabschluss an eine Frau vergeben. Die Erwerbsquote von Frauen ist auf 70 Prozent in West- und auf 76 Prozent in Ostdeutschland gestiegen. Nie gab es eine so gut ausgebildete Generation junger Frauen. Und trotzdem sind sie immer noch dramatisch unterrepräsentiert in Führungspositionen, haben geringere Aufstiegschancen, sind systematisch um durchschnittlich fast ein Viertel schlechter bezahlt als Männer, tragen das berufliche Risiko der Familiengründung fast allein und sind viel öfter in prekären Jobs zu finden.

Ohne Druck ändert sich nichts. Nur wer die Regeln ändert, ändert die Verhaltensmuster.

Die USA kennen die Zivilklagen. Norwegen, aber auch Spanien oder Frankreich haben gesetzliche Quoten für Frauen in Führungsgremien von Unternehmen vorgegeben. Der Gesetzgeber hat gesagt: Das Ziel ist ein Frauenanteil von 40 Prozent, ihr habt einige Jahre, es zu erreichen, dann gibt es Sanktionen.

Die amerikanische Lösung ist weder erstrebenswert, noch passt sie ins deutsche Rechtssystem; wir brauchen gesetzliche Initiativen, um einen Frauenanteil von 40% in Aufsichtsräten und Vorständen als Zielmarke zu setzen. Frauen an der Spitze ziehen eine dringend notwendige Veränderung der Arbeitswelt insgesamt nach sich.
Und es ist höchste Zeit, dass endlich gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit von Männern und Frauen gezahlt wird. Deshalb fordert die SPD ein „Entgeltgleichheitsgesetz“. Einzelne Arbeitnehmerinnen können schon heute gegen ungleiche Bezahlung bei gleicher Qualifikation und Leistung klagen, aber die ganze Last liegt dabei bei ihnen. Wir wollen sie dadurch unterstützen, dass jedes Unternehmen ab einer bestimmten Mitarbeiterzahl zur Offenlegung und Berichterstattung über seine Lohnstruktur verpflichtet wird. Unser Ziel haben wir erreicht, wenn es nur wenige Klagen, dafür aber einen regelrechten Wettbewerb um das Erreichen der Gleichstellung gibt.

Während 85 Prozent der Frauen ihre Karriere wegen eines Kindes einmal oder mehrfach unterbrechen, sind es nur zehn Prozent der Väter. Eine partnerschaftliche Arbeitsteilung sieht anders aus. Sie beginnt mit dem Satz: „Es geht auch anders!“ Aus Studien wissen wir, dass viele Mütter ihre Arbeitszeit wieder steigern wollen. Um das zu garantieren, ist ein Recht auf die Rückkehr auf Vollzeit nach familienbedingter Teilzeit gefordert. Gleichzeitig wünschen sich viele Väter kürzere Arbeitszeiten, um mehr Zeit für die Familie zu haben. Hier greifen die Wünsche der Partner ineinander – der eine will mehr, der andere etwas weniger. Machen wir solche partnerschaftlichen Arrangements möglich! Je professioneller und engagierter, je flexibler unsere Krippen, Kitas und Kindergärten sind, je mehr gute Ganztagsangebote da sind, desto freier können die Eltern sich entscheiden. Beispiel 24-Stunden-Kita: Das bedeutet nicht, dass die Kinder dort Tag und Nacht verbringen. Aber Eltern, die im Krankenhaus oder im Einzelhandel im Schichtdienst arbeiten, brauchen solche Angebote.

Gleichstellung von Frauen ist ein Prüfstein jeder wirklich modernen Gesellschaft. Wenn dieses Argument bei Finanzvorständen „nicht zieht“, sollten sie wenigsten auf ihre eigene Bilanz achten. Studien belegen: Gleichstellung ist ein Gewinn an betrieblicher Leistungsfähigkeit. Gemischte Teams aus beiden Geschlechtern  steigern Kreativität, gewährleisten bessere Entscheidungen. Und Gleichstellung ist ein volkswirtschaftlicher Gewinn. Seit dem kräftigen Aufschwung 2010 haben wir eine Debatte über Fachkräftemangel. Durch mehr Frauen im Beruf kann das Arbeitsangebot um bis zu 2,1 Millionen zusätzliche Vollzeitkräfte steigen.

Der Wettbewerb um gute Frauen hat längst begonnen. Unternehmen wie Microsoft engagieren sich, um mehr junge Frauen für ein Studium der mathematisch-naturwissenschaftlichen und technischen Fächer zu begeistern.

Nicht mehr das Ob von gesetzlicher Frauenquote und Entgeltgleichheit steht zur Debatte, sondern das Wie. Welche Branchen sind so sehr von Fachkräftemangel betroffen, dass sie eine Pionierrolle bei der Förderung von Frauen übernehmen können? Welche Fristen und Förderprogramme brauchen wir, um Branchen, in denen es heute noch sehr wenige Frauen gibt, auf den richtigen Pfad zu bringen? Wir rufen besonders die Frauen in der Wirtschaft auf, jetzt mit uns zu kämpfen. Entwerfen Sie mit uns das Konzept! Die Sozialdemokratie ist der politische Partner einer modernen Wirtschaft, in der Frauen einsteigen, aufsteigen und auch an die Spitze gehen.

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