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Die Zeit nach Osama bin Laden

Rainer Vogt • 02. May 2011

Verschiedene Onlineseiten englischsprachiger Zeitungen verbreiten die Nachricht über den Tod von Osama bin Laden
Die Nachricht vom Tod Osama bin Ladens verbreitete sich über Online-Nachrichtenportale und Soziale Netzwerke rasend schnell. Al-Qaida ist geschwächt, doch das Terrornetzwerk funktioniert längst auch ohne ihren einstigen Chef. Welche Anti-Terror-Maßnahmen müssen getroffen werden? Die SPD baut auf die Vorratsdatenspeicherung. (Bild: dpa)

US-Spezialkräfte haben Osama bin Laden, Chef des Terrornetzwerks al-Qaida, aufgespürt und getötet. SPD-Europapolitiker Martin Schulz warnt vor Anschlägen der bin Laden-Anhänger, denn der Terrorismus sei damit nicht zerschlagen. SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte aus diesem Grund erneut einen Gesetzesentwurf für die Vorratsdatenspeicherung.

Die Nachricht vom Tod des al-Qaida-Führers Osama bin Laden sorgt nicht nur in den USA für Genugtuung. Dem Top-Terroristen wurde unter anderem die Verantwortung für die Anschläge am 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten zugeschrieben, bei denen etwa 3000 Menschen ums Leben kamen. In einer Rede an die Nation verkündete der US-Präsident das Ergebnis der Geheimaktion im Norden Pakistans und den Tod des Staatsfeindes Nummer 1. „Das Gefühl, das Barack Obama in seiner Ansprache zum Ausdruck gebracht hat, dass ein Stück Gerechtigkeit geübt worden ist, das Gefühl habe ich auch“, so die erste Reaktion von Martin Schulz, Fraktionschef der europäischen Sozialdemokraten im EU-Parlament und SPD-Präsidiumsmitglied, in einem Interview mit dem Deutschlandfunk.

Erhöhte Gefahr von Anschlägen

Doch für euphorische Hoffnungen auf ein Ende des Terrors ist es nach Ansicht von Schulz noch zu früh: „ Bin Laden war eine zentrale, aber nicht die alleinige Figur in der internationalen Terrorismusszene.“ Der Europapolitiker verweist auf die Festnahme von drei Terrorverdächtigen – mutmaßlich Mitglieder des Terrornetzwerks al-Qaida – im Rhein-Ruhrgebiet vor wenigen Tagen. Nach ersten Informationen wollten sie mit einer Splitterbombe in Deutschland ein Blutbad anrichten. „ Wir haben gesehen, dass ganz unabhängig von al-Qaida diese Organisation weltweit Ableger entwickelt hat, die ziemlich autonom und ohne Rückkoppelung mit der Zentrale handelten.“ Deshalb ruft er zur verstärkten Aufmerksamkeit auf – auch in Europa und Deutschland. „Wir werden uns sicher darauf einstellen müssen, dass das Netzwerk versuchen wird zurückzuschlagen“, so Schulz.

SPD für Vorratsdatenspeicherung

Der Tod bin Ladens war auch Thema der SPD-Präsidiumskonferenz. SPD-Chef Sigmar Gabriel bestätigte, dass sich die Runde darüber gefreut habe, „dass dieser Schlag gegen den internationalen Terrorismus gelungen ist.“ Diese Nachricht war für die Präsidiumsmitglieder auch gleichzeitig Diskussionsgrundlage für die nächsten Schritte in der Debatte über die Anti-Terrorgesetze in Deutschland. „Die SPD ist nach wie vor der Überzeugung, dass die Vorratsdatenspeicherung richtig ist“, resümierte der SPD-Chef und verwies darauf, dass das Bundesverfassungsgericht für eine verfassungsgemäße Regelung der Datenspeicherung auch ausreichend Regelungsgrundsätze erlassen habe.

Der Regierungskoalition wirft Gabriel eine Blockadehaltung vor und fordert sie auf, „ihren internen Streit, der oftmals scheinbar nur der Profilierung einzelner Minister der Regierung dient, beizulegen und endlich einen diesem Urteil entsprechenden Gesetzentwurf zur Vorratsdatenspeicherung vorzulegen.“ Die SPD spricht sich für eine Verlängerung der existierenden Befristung und für eine Überprüfung der Ergebnisse aus.

Osama bin Laden ein Märtyrer?

Mit dem Tod des al-Qaida-Führers ist das Terrornetzwerk geschwächt, aber nicht zerschlagen. Experten fürchten nun verstärkt terroristische Anschläge. Dass Osama bin Laden in einem Schusswechsel mit amerikanischen Elitekämpfern ums Leben kam, könnte ihn zu einem Märtyrer machen, so erste kritische Stimmen. Die Vereinigten Staaten von Amerika hätten nie einen Zweifel daran gelassen, dass sie bin Laden vor Gericht stellen wollten, betonte Schulz.

„Ganz sicher muss das Ziel in der internationalen Gemeinschaft sein, Menschen, die sich in solche Verbrechen verwickelt haben, wie bin Laden das getan hat, vor Gericht zu bringen und mit Maßstäben zu messen, die wir als zivile Staatengemeinschaft, als internationale Gemeinschaft anlegen“, so Schulz im Deutschlandfunk. Doch dies sei bei bin Laden sehr schwierig gewesen, räumte Schulz ein, da er kein Staatschef, sondern ein simpler Terrorist gewesen sei. „Eine Schwächung eines internationalen Strafgerichtshofs kann ich nicht erkennen.“

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