Genossenschaften gelten als zukunftsweisende Unternehmensform. Zurzeit erleben sie einen regelrechten Boom. Die SPD verleiht deshalb ihren Innovationspreis an drei Genossenschaften. Unter ihnen die Netzkauf EWS eG – eine aus „Stromrebellen“ entstandene Initiative, die als Pionier der Stromversorgung aus Bürgerhand gilt.
1986: Deutschland wird von einigen großen Atomstromkonzernen beherrscht... Ganz Deutschland? Ja, noch! Aber ein von unbeugsamen Stromrebellen bevölkertes Dorf im Schwarzwald beginnt, gegen Atomstrom und Monopol anzukämpfen – und hat Erfolg.
Das im Schwarzwald liegende Dorf heißt Schönau. Nach der Explosion des Atomkraftwerks in Tschernobyl wurde seinen Einwohnern klar, dass sie selbst aktiv werden müssen, wenn sie von der Atomenergie loskommen wollen. Eine Bürgerinitiative entstand, die zunächst Stromsparwettbewerbe veranstaltete, kleine Wasserkraftwerke reaktivierte und Bürgerinnen und Bürger unterstützte, die in Blockheizkraftwerke und Photovoltaikanlagen investierten. Doch die Stromrebellen wollten mehr. Anfang der neunziger Jahre lief der Konzessionsvertrag von Schönau mit dem örtlichen Netzbetreiber, den damaligen Kraftübertragungswerken Rheinfelden (KWR) aus. Die Bürgerinitiative wollte, dass ihre Gemeinde künftig mit umweltgerecht erzeugtem Strom versorgt wird. Doch die KWR zeigte sich nicht verhandlungsbereit. Nun setzte die Bürgerinitiative darauf, das Stromnetz zurückzukaufen. Nach jahrelangem Kampf – und zwei Bürgerentscheiden - erreichte sie ihr Ziel. Am 1. Juli 1997 übernahm die Bürgerinitiative das örtliche Stromnetz. Um das Projekt zu stemmen, nutzten die Schönauer die Wirtschaftsform der Genossenschaft. Mit der Netzkauf Elektrizitätswerke Schönau eG, heute bekannt als EWS Schönau eG, waren sie eine der ersten Initiativen, die sich um eine Energieversorgung aus Bürgerhand kümmerten. Im Dezember 2010 begrüßte die Genossenschaft den 100.000 Neukunden – und die Erfolgsgeschichte geht weiter.
Weil Genossenschaften ein wichtiger Teil der sozialen Marktwirtschaft sind, verliehen die Sozialdemokraten am Dienstag den diesjährigen Innovationspreis der SPD an drei Genossenschaften. Preisträger sind neben den „Stromrebellen“ aus dem Schwarzwald, die WeiberWirtschaft eG sowie die innova eG. Sie zeigten „in beeindruckender Weise, wie man als innovative Genossenschaften erfolgreich wirtschaften kann – und dabei bleibende Werte schafft“, sagte Gabriel. Denn: „Genossenschaften verkörpern ein Grundprinzip moderner Wirtschaftspolitik: das nachhaltige, der nächsten Generationen verpflichtete Wirtschaften auf einer demokratischen Basis“, sagte Parteichef Sigmar Gabriel bei der diesjährigen Verleihung des Innovationspreises der SPD. Gerade heute erscheine es notwendiger denn je, die Menschen darin zu fördern, solidarisch ihre eigenen Kräfte einzusetzen und sich zusammenschließen.
Wie auch andere Energiegenossenschaften beweise die Netzkauf Elektrizitätswerke Schönau eG Tag für Tag, dass weder große Kraftwerkparks, noch Atomkraftwerke nötig seien. Vielmehr seien es die dezentralen Lösungen, die es Kommunen ermöglichen, in Eigenregie die von ihnen verbrauchte Energie zu produzieren. „Die Energiegenossenschaften brechen also nicht nur das Monopol der marktbeherrschenden Unternehmen, sondern tragen alleine schon durch ihre Struktur und Form zur Demokratisierung der Versorgung bei“, stellte der SPD-Vorsitzende fest.
Als weitere Preisträgerin wurde die WeiberWirtschaft eG ausgezeichnet. Die 1989 gegründete Frauengenossenschaft betreibt in Berlin das größte Gründerinnenzentrum Europas. Dabei stellt sie nicht nur Räume zu fairen Mieten zur Verfügung, sondern gibt Rat und konkrete Unterstützung bei allen Fragen um die ersten Schritte ins Unternehmerinnentum.
Die kreative und innovative Vielfalt des Genossenschaftswesens zeigte auch der dritte Preisträger, die 2001 gegründete innova eG. Die Genossenschaft ist auf die Förderung und Beratung der Ausgründung von Genossenschaften und Projekten spezialisiert. Sie veranstaltet Seminare, Tagungen und Lehrveranstaltungen für das Genossenschaftswesen und wirbt aktiv bei der Politik für Genossenschaften als gleichberechtigter und zukunftsweisender Unternehmensform.
„Wer für eine verantwortungsvollere, demokratischere und solidarischere Form des Wirtschaftens eintritt, kann eigentlich an den Genossenschaften nicht vorbeikommen“, betonte Gabriel. Der Parteivorsitzende kündigte an, die SPD werde sich weiter intensiv mit den Genossenschaften und der Förderung des Genossenschaftsgedankens befassen.














Elisabeth Lutz • 13. November 2011 • 22:31
alles Öko bei mir, von Strom über Gas alles umgestellt und es fühlt sich so gut an, diesen Weg gegangen zu sein.Vielen habe ich schon angestoßen, es mir gleich zu tun. Jetzt stellt sich nur noch die Frage, wer diesen Schritt noch nicht gegangen ist. Ich weise alle auf diesen Weg hin und hoffe noch viel mehr Bürgerinnen und Bürger dafür zu gewinnen, denn es geht ja um unsere Umwelt. solidarische Grüße Elisabeth I
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