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High Frequency Trade - das Herzrasen der Finanzmärkte

18. January 2011

Viele Entwicklungen auf den internationalen Finanzmärkten – immer höhere Transfervolumina, immer schnellere Entscheidungen, immer weniger Transparenz – kreuzen sich im sogenannten automatisierten Hochfrequenzhandel (High Frequency Trade HFT). Er ist nicht unser einziges Problem, vermittelt allerdings einen Eindruck davon, was „schief läuft“... Hier kann die Finanztransaktionssteuer wirksam ansetzen.

Worum geht es dabei? 

Börsen, Banken und Hedgefonds betreiben und nutzen computerbasierte elektronische Handelssysteme und -plattformen mit gewaltigen Rechenkapazitäten; Hochleistungsrechner – etwa bei den Marktführern GoldmanSachs oder Deutsche Bank – analysieren in Windeseile riesige Datensätze und vergleichen Aktienkurse, Rohstoff- und Devisenpreise, die Entwicklung von Wertpapieren aller Art. High Frequency Trader („Hochfrequenzhändler“) durchforsten selbständig die weltweiten Finanzströme nach Auffälligkeiten und tätigen innerhalb von Sekundenbruchteilen ihre Käufe und Verkäufe.

Computer handeln mit Computern – und mit allem und überall: minimale Unterschiede auf verschiedenen Handelsplätzen bei Angebot und Nachfrage nach Rohöl oder Weizen, kleinste Abweichungen im Preis von Unternehmensanleihen, Kreditverbriefungen, Versicherungen oder Geldmarktpapieren, kaum erkennbare Kursschwankungen bei Devisengeschäften. Das Volumen des Derivatehandels übersteigt das Weltsozialprodukt um den Faktor 70.

Das Grundprinzip des Hochgeschwindigkeitshandels

Ein Beispiel „in Zeitlupe“ kann das Grundprinzip des Hochgeschwindigkeitshandels verdeutlichen. Stellen wir uns eine Kunstauktion vor: jemand hat einen Rembrandt auf dem Dachboden gefunden, ihn schätzen lassen und bietet ihn jetzt zum Verkauf an: 325.000 Euro wären schön, mindestens 300.000 Euro sollten es aber schon sein – absolute Schmerzgrenze. 

Auf der anderen Seite steht ein Kunstsammler, der dieses Bild unbedingt haben muss. 400.000 Euro ist er bereit auszugeben, mit vielen Schweißperlen auf der Stirn vielleicht sogar 500.000 Euro – absolute Schmerzgrenze. Von den Preisvorstellungen des jeweils anderen wissen weder Käufer noch Verkäufer... wohl aber der Händler dazwischen. 

Er macht sich seinen Informationsvorsprung zunutze und reagiert am schnellsten: er kauft dem Anbieter seinen Rembrandt anstandslos, ohne lange Verhandlungen und zu einem vermeintlich sehr guten Preis ab. Der Verkäufer freut sich: 350.000 Euro auf die Hand, ein gutes Geschäft. Der Händler wiederum bietet den Rembrandt nun dem Kunstsammler an, auf Preisverhandlungen lässt er sich gar nicht erst ein, muss er auch gar nicht – schließlich kennt er ja die Schmerzgrenze des anderen. Für 500.000 Euro wechselt das Gemälde schließlich den Besitzer. 

Der Sammler hat zwar das Bild, zahlt aber deutlich mehr als notwendig, in Verhandlungen mit dem Anbieter hätte er den Preis sicher noch etwas drücken können; der Anbieter wiederum bekommt weniger als möglich; in Verhandlungen hätte er den Preis vielleicht noch nach oben treiben können. Und der Händler? Der freut sich über seinen Gewinn von 150.000 Euro – leicht verdientes Geld. Man muss nur schneller sein und mehr wissen als die anderen.

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