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„Strukturfonds anzuzapfen reicht nicht“

Jan Almstedt • 26. January 2012

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel
(Bild: spd.de / Almstedt)

Vor dem EU-Gipfel Anfang kommender Woche hat der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel ein Wachstums- und Beschäftigungsprogramm gefordert. Andernfalls würden die Wirtschaft in den Krisenstaaten weiter einbrechen und die Defizite steigen. Allein den ESM aufzustocken, wie es derzeit diskutiert wird, helfe nicht weiter.

Auf dem EU-Gipfel am Montag in Brüssel wird am Montag insbesondere über den Fiskalpakt beraten. Vor allem auf Drängen Deutschlands sollen sich Regelungen mit Sanktionsmöglichkeiten für den Defizitabbau und für nationale Schuldenbremsen eingeführt werden. 

Diskutiert werden könnte auch eine Aufstockung des permanenten Euro-Rettungsschirms ESM. Die Bundesregierung lehnt dies derzeit noch ab. Zunehmend wird aber auch in Politik und Medien darüber spekuliert, ob dieser Schritt in absehbarer Zeit nötig werden wird.

Kritiker werfen darum Angela Merkel ein gescheitertes Krisenmanagement vor – auch der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel: „Allein Haushaltskonsolidierung führt zu mehr Defiziten“, warnte er am Donnerstag in Berlin. Die betroffenen Staaten rutschten immer tiefer in die Rezession, weil jegliche Wachstumsimpulse unterdrückt würden. Aus seiner Sicht wird das Volumen des ESM darum nicht ausreichen, um die Schuldenkrise zu überwinden.

Dringend notwendig ist aus Sicht des SPD-Chefs vor allem ein europäisches Wachstums- und Beschäftigungsprogramm. Das scheint inzwischen auch die Kanzlerin einzusehen. Zweifelhaft erscheint hingegen, ob sie das notwendige Volumen erkennt. In einem Interview schlug sie vor die bestehenden europäischen Strukturfonds zu „durchforsten“, „in denen noch einiges Geld unabgerufen liegt“. Außerdem sieht sie andere Möglichkeiten, die nichts kosten: Etwa die Flexibilisierung des Arbeitsrechts, Ausbau des Dienstleistungssektors und Privatisierung.

Für Sigmar Gabriel geht dies weit an der Lösung vorbei: Er bekräftigte die Forderung nach einen substanziellen Beitrag der Finanzwirtschaft an der Krisenbewältigung. Um wirtschaftliche Stabilität, Wachstum und mehr Beschäftigung zu finanzieren – ohne den Steuerzahlern neue Schulden zuzumuten – fordert die SPD seit langem die Einführung einer Finanztransaktionssteuer. 

Denn: Lediglich einige bestehende Strukturfonds „anzuzapfen, wird nicht reichen“, ist der SPD-Vorsitzende überzeugt.

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