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Icon   SPD-Vorstoß für Leichte Sprache

Politik verständlicher machen

Jochen Wiemken • 27. January 2012

Mitarbeiter des Büros für Leichte Sprache schaut auf Computer-Bildschirm
Ein Mitarbeiter des Büros für leichte Sprache sitzt in der Hochschule Osnabrück vor einem Computermonitor. Das Büro für leichte Sprache Osnabrück übersetzt Schreiben aller Art in verständliches Deutsch. Das hilft nicht nur alten Menschen, sondern auch Menschen mit Behinderung und Migranten. (Bild: dpa)

Die SPD-Fraktion will künftig wichtige Entscheidungen und Debatten des Parlaments so zugänglich machen, dass sie auch für Menschen mit Behinderung, alte Leute und Migranten verständlich sind. Als Pilotprojekt dient ein heute in das Parlament eingebrachter Antrag, der in Leichte Sprache übersetzt wurde – frei von „Fachchinesisch“ und Fremdwörtern.

Wer kennt das nicht? Antragsformulare, die einen verzweifeln lassen oder Gesetzestexte, die scheinbar nur von und für Menschen mit abgeschlossenem Jurastudium verfasst wurden. „Die kulturelle und mediale beziehungsweise informationelle Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ist Grundlage ihrer Selbstverwirklichung, Selbstbestimmung, Mitgestaltung und Mitwirkung dieser Menschen“, heißt es in einem Antrag der SPD-Fraktion.

Haben Sie das verstanden? Wenn ja, herzlichen Glückwunsch. Wenn nein, haben wir eine Übersetzung für Sie: „Alle Menschen sollen überall mitmachen können. Kultur-Angebote sind wichtig für alle Menschen. Menschen mit Behinderungen brauchen aber barriere-freie Kultur-Angebote.“ Dieser Satz ist in sogenannter Leichter Sprache geschrieben und steht in einer Übersetzung des SPD-Antrags „Kultur für alle – für einen gleichberechtigten Zugang von Menschen mit Behinderung zu Kultur, Information und Kommunikation“ in Leichte Sprache. Die Übersetzung finden Sie als Anhang zum SPD-Antrag [PDF, 1,1 MB] ab Seite 7.

Weil viele Menschen mit Behinderung, mit Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten, mit Altersdemenz oder als „Sprach-Neulinge“ Probleme haben, schwierige Texte zu verstehen, hat die SPD-Fraktion heute als erste Fraktion überhaupt einen Antrag in den Bundestag eingebracht, der auch in Leichte Sprache übersetzt wurde.

Leichte Sprache, was ist das? Leichte Sprache wurde von Behindertenverbänden entwickelt. Sie besteht aus kurzen, einfachen Sätzen mit kurzen Wörtern. Der Text ist in einer bestimmten Schriftgröße verfasst und enthält viele Erklärungen. Bunte anschauliche Bilder unterstützen das Verstehen des Textes.

Federführend bei der Übersetzung des Antrags in leichte Sprache war Ex-Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt. Sie betrachtet das Vorhaben als „Pilotprojekt“. „Die SPD hat ihren Antrag in Leichte Sprache übersetzen lassen, damit ihn möglichst alle verstehen können – besonders diejenigen, für welche der Antrag Verbesserungen bringen soll“, sagt Schmidt. Sie betont, die SPD-Fraktion würde es begrüßen, „wenn sich der Deutsche Bundestag fraktionsübergreifend darauf einigt, in Zukunft barrierefreie Zugänge zu den wesentlichen Entscheidungen und Debatten des Deutschen Bundestages bereitzustellen“. Das wäre doch was.

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