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Die Mythen der Atomlobby

Alix Faßmann • 13. March 2011

Ein Warnschild auf einem Abfallbehälter weist am 12.03.2010 im Kernkraftwerk Krümmel bei Geesthacht auf Radioaktivität hin.
Atomkraftwerke sind technisch anfällig und nicht ausreichend gegen Terrorangriffe geschützt. (Bild: DPA)


Blickt man dieser Tage nach Japan, sind die Argumente von Bundeskanzlerin Merkel und der Atomlobby, die sie einst für längere Laufzeiten propagierten, nur noch eine Farce. Denn die Fakten und jüngsten Ereignisse sprechen eine andere Sprache. Ein Ausstieg aus der Atomenergie ist unausweichlich. Höchste Zeit, mit den Mythen aufzuräumen:

Die Atomlobby behauptet: Kernkraft produziert billigen Strom.

Richtig ist: Kernkraft ist teurer!

Die Atomkraftwerke laufen und die Preise sinken trotzdem nicht. Denn der Strompreis wird von den teureren Kraftwerken bestimmt. Wie auch Studien belegen, besteht also kein Zusammenhang zwischen längeren Laufzeiten und dem Strompreis. Die Bürger zahlen über ihre Steuern die zusätzlichen Subventionen mit. Nur dadurch wird Atomstrom überhaupt konkurrenzfähig. So können die Energie-Riesen mit ihren alten abgeschriebenen Kernkraftwerken ordentlich Kasse machen (pro Tag eine Million Euro Extra-Profit). Bei den Verbrauchern kommt jedoch nichts an.

Die Atomlobby behauptet: Ohne Atomkraft ist die Energiesicherheit in Deutschland gefährdet.

Richtig ist: Deutschlands Energieversorgung ist sicher, auch ohne Atomkraft!

Dies bestätigt das amtliche Gutachten der Bundesregierung von 2008. Es zeigt: Trotz Atomausstieg gibt es bis 2020 keinerlei Engpässe. Außerdem ist Deutschland nur mit erneuerbaren Energien vollständig unabhängig. Denn: 100 Prozent des benötigten Urans wird importiert!

Die Atomlobby behauptet: Atomkraft gehört zum Energie-Mix der Zukunft.

Richtig ist: Nur erneuerbare Energien haben Zukunft!

Atomkraft hat am weltweiten Endenergiebedarf (Strom, Wärme, Kraftstoffe) gerade einmal einen Anteil von circa 2,5 Prozent. Erneuerbare Energien kommen bereits auf 20 Prozent. Außerdem sind in der Branche 300.000 Menschen beschäftigt. Laufzeitverlängerungen würden die Investitionen der letzten Jahre nur bremsen.

Die Atomlobby behauptet: Die Zustimmung zur Kernenergie wächst.

Richtig ist: Es gibt keine Renaissance der Atomenergie!

In den letzten zwei Jahrzehnten sind mehr Atomkraftwerke vom Netz gegangen als neue hinzugekommen. Insgesamt produzieren vergleichsweise wenige Länder Atomstrom. Bei den erneuerbaren Energien gibt es hingegen einen weltweiten Boom – und Deutschland ist Weltmarktführer!

Die Atomlobby behauptet: Die Laufzeitverlängerung ohne Beteiligung des Bundesrates ist rechtmäßig.

Richtig ist: Eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken ohne Beteiligung des Bundesrates ist verfassungswidrig!

Dies bestätigt ein Gutachten des Bundesverfassungsgerichts, das von Bundesumweltminister Norbert Röttgen in Auftrag gegeben wurde. Außerdem lehnt die Mehrheit in Deutschland Atomkraft ab. 37 Prozent sehen in ihr eine große Gefahr für sich und ihre Familien, 20 Prozent sogar eine sehr große Gefahr. In einer Emnid-Umfrage sprachen sich 72 Prozent der Befragten für eine Stilllegung des Atomkraftwerks Krümmel aus.

Die Atomlobby behauptet: Kernkraft ist sicher.

Richtig ist: Kernkraft kann nie ganz sicher sein!

Deutsche Atomkraftwerke laufen nicht störungsfrei. Laut dem Bericht der Bundesregierung haben acht der 17 Atommeiler technische Mängel. Grund: Reaktoren altern. Sie wurden für eine Laufzeit von 25 und nicht 40 oder 60 Jahre konzipiert. Die Forderung von Schwarz-Gelb, alte Reaktoren länger am Netz zu lassen und jüngere kürzer, ist daher unverantwortlich. Außerdem sind Atomkraftwerke nicht ausreichend gegen Terrorangriffe geschützt.
Nach Tschernobyl leiden in der Ukraine immer noch 2,4 Millionen Menschen an den Folgeschäden. Der volkswirtschaftliche Schaden beträgt mehrere hundert Milliarden US-Dollar.

Neue Initiative

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