Von den einen wird es gehasst, von anderen innig geliebt: Chancen und Risiken des Internets liegen eng beieinander. Weniger Skepsis und mehr Kompetenz für die Nutzer sind die zentralen Forderungen einer Diskussion, die Dienstagabend im Willy-Brandt-Haus stattfand.
Die Zahlen sind besorgniserregend. Nur 17 Prozent der Deutschen trauen den Parteien zu, etwas vom Internet oder von Netzpolitik zu verstehen. Die SPD liegt dabei mit vier Prozent im unteren Mittelfeld. Als hätten es die Sozialdemokraten gewusst, fand die Diskussion „Kunst und Kultur reloaded: Freiheit und Demokratie in der digitalen Gesellschaft“ nur wenige Stunden nach Veröffentlichung der Umfrage des IT-Verbands Bitkom statt.
Eingeladen hatten das Kulturforum der Sozialdemokratie und des Freundeskreis Willy-Brandt-Haus. Aber auch die SPD-Zukunftswerkstatt „Demokratie und Freiheit“ und die AG Kultur und Medien der Bundestagsfraktion waren dabei.
Kulturelle Spaltung auch im Netz
„Es geht darum, technische Entwicklungen als gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahrzunehmen“, kommentierte Wolfgang Thierse die Ergebnisse der Bitkom-Umfrage. Aus Sicht des Vorsitzenden des Kulturforums ist der intelligente Umgang mit dem Internet vor allem eine Frage der Bildungsvoraussetzungen der Nutzer. „Die kulturelle Spaltung der Gesellschaft nimmt auch im Internet nicht ab“, so Thierse. Es sei Aufgabe der Politik, hierfür Lösungen zu finden.
Die wichtigste besteht nach Ansicht von Geert Lovink, Leiter des Amsterdamer Instituts für Netzkultur, darin, die Internetkompetenz der Nutzer zu verbessern. „Wir müssen eine bestimmte Pädagogik entwickeln, um das Internet zu meistern“, forderte er. Das Netz zu ignorieren oder zu verteufeln, helfe letztlich nicht weiter.
Lovink verglich das Internet mit einem Staubsauger. „Der ist ja auch einfach da und wir nutzen ihn, statt ständig über seinen Sinn und seinen Aufbau zu diskutieren.“ Dieselbe Einstellung wünscht sich Lovink auch zum Internet – und ist dabei einer Meinung mit der Schriftstellerin Kathrin Passig. „Wir haben ja auch aufgehört darüber zu diskutieren, wie das Lesen- und Schreibenlernen unsere Kultur verändert.“
Breitband-Anschluss für jeden statt Netzsperren
Einen generellen Internetpessimismus hat Björn Böhning ausgemacht. „Wir gehen nicht mit Zuversicht an das Thema heran, sondern mit Skepsis“, beklagte der Leiter des SPD-Gesprächskreises „Netzpolitik und digitale Gesellschaft“. Die Politik müsse dem Internet helfen, sich weiter zu entwickeln, statt es zu regulieren. Netzsperren hülfen nicht weiter. Ein wichtiger Punkt sei auch das Recht auf einen Breitband-Anschluss für jeden.
Richtig genutzt sei das Internet schließlich auch ein wichtiges Werkzeug, um mehr Demokratie zu erreichen. „Das Internet kann die Teilhabe aller verbessern“, ist sich Böhning sicher. „Deshalb sollten wir es nicht durch eine falsch verstandene Regulation beschneiden.“












lennaron • 10. December 2010 • 00:08
Ist ja immer wieder schön zu sehen, dass die SPD solche Veranstaltungen macht oder auch einen eigenen Online-Beirat hat. Schade ist nur, dass man davon in der aktuellen Politik nicht viel mitbekommt. So wird der JMStV einfach durchgewunken, obwohl 11 von 28 in der Berliner Fraktion sowie der Koalitionspartner dagegen waren und man fordert sogar die CDU auf weiter an der VDS zu arbeiten und setzt sich für Netzsperren ein. Liebe SPD, wenn ihr auf der einen Seite wollt, dass man euch in Fragen der Netzpolitik ernst nimmt und dann immer wieder so handelt, dass die Netzgemeinde euch für eure Taten hasst, dann wird sich das mit den 4% in Zukunft auch nicht besser werden.
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