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Auf dem Weg in Obamas Wahlkampfzentrale

Rainer Vogt • 24. February 2012

SMS-Textauszug Interview mit Andrea Nahles
(Bild: Screenshot/spd.de)

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles befindet sich auf einer mehrtägigen Reise in den Vereinigten Staaten. In Washington und Chicago hat sie mit Politikern, Journalisten und Wahlkämpfern über politische Kommunikation gesprochen - die US-Präsidentschaftswahlen im Herbst im Blick. spd.de bittet Andrea Nahles in einem SMS-Interview um einen Stimmungsbericht.

spd.de: Guten Morgen nach Washington Andrea. Heute ist der letzte Tag deiner USA-Reise. Welche Eindrücke nimmst du bisher mit? Wie ist die Stimmung vor der Präsidentschaftswahl?
Andrea Nahles:
Die Demokraten sind nervoes, obwohl sich die Lage zugunsten von Praesident Obama verbessert hat. Grund: Die oekonomische Lage ist immer noch angespannt, die Benzinpreise steigen. Andererseits liefern sich die 4 Republikaner die noch im Vorwahlkampf sind ein an Haerte kaum zu ueberbietendes Gefecht. Da wird im Dreck gewuehlt, das man als deutsche Politikerin nur den Kopf schuetteln kann. Ich tippe: Obama gwinnt das.

Und andersherum? Du hast dich mit einigen Journalisten und Bloggern getroffern, u.a. von der Washington Post. Wie sehen die die Lage bei uns in Europa?
Hier wird uns Deutschen unmissverstaendlich klar gemacht: Deutschland traegt  die Hauptveranwortung in Europa. Weil wir oekonomisch stark sind. Pro-europaeisch und weil es sonst niemand kann. Frueher haben die USA stark auf Grossbritannien gesetzt, das hat sich jedoch im Laufe des letzten Jahres dramatisch verschoben. Deutschland ist Europa fuer die USA. Und daher erwarten sie viel. Unzufrieden sind sie mit Merkels einseitiger Sparpolitik. Sie verstehen, dass wir unser Geld nicht unkontrolliert weggeben, aber sie schuetteln den Kopf, weil es eben auch Wachstumsimpulse fuer Griechenland braucht. Oft habe ich dann gefragt hat denn die Griechenlandfrage Einfluss auf die Präsidentschaftswahl. Ja sagen alle, wenn Europa strauchelt knickt die Weltwirtschaft ein, auch in USA. Und das kann dann die entscheidenden Prozente fuer Obama oder gegen ihn bedeuten.

Ps Ich habe mich gefragt, ob wir auf diese neue Erwartungshaltung vorbereitet sind in Berlin 

Pps ist ja einerseits schmeichelhaft andererseits eine Buerde 

Du hast dich ja gestern auch mit amerikanischen Gewerkschaftern getroffen. Wie ist denn die Lage fuer die Gewerkschaften in den USA und fuer ihre Mitglieder?
Ganz ehrlich: beschissen. Nachdem die Gewerkschaften eine fulminante Unterstuetzung fuer Obama organisiert hatten - in der Hoffnung er wuerde ihr Recht auf Organisation in den Betrieben staerken, haben die Republikaner in den Staaten, wo sie das sagen haben, die Rechte der Gewerkschaften zB Streikrechte beschnitten oder ganz verboten. Sie wurden und werden dadurch massiv geschwaecht und zu allem Überfluss hat Obama seine Versprechen nicht eingehalten. Richtig uebel. Mich als Deutsche aergert ausserdem, dass deutsche Unternehmen wie  t-mobile und BMW, nur um mal eine Auswahl zu nennen, da wo sie hier Niederlassungen und Fabriken haben, nicht gerade dadurch auffallen, dass sie Arbeitnehmerrechte hier besonders hoch halten. Ein Thema das ich auch in Deutschland auf die Tagesordnung setzen will.

Und was steht bei dir heute noch auf dem Programm?
Gleich geht es nach Chicago in die Wahlkampfzentrale von Obama. Oder wie einige es hier nennen: the mashine.

Dann wünschen wir dir viel Spaß und einen guten Rückflug nach Deutschland. Bis Montag.

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