1. Einleitung
2. Demokratie und Vielfalt in der digitalen Gesellschaft
3. Arbeit und Wirtschaft in der Digitalen Gesellschaft
4. Die solidarische digitale Gesellschaft
5. Was tun wir selbst? Sechs Punkte für die Internetpartei SPD
Gerade Deutschland hat es geschafft, die Industrialisierung im letzten Jahrhundert für sich zu nutzen, starke Branchen zu etablieren und Arbeitsplätze zu schaffen. Ob Maschinenbau, Stahl- oder die Automobilindustrie. Doch was bringt die Zukunft? Neue Technologien entwickeln sich mit rasanter Geschwindigkeit und haben veränderten Wertschöpfungsketten und damit auch zu neuen Geschäftsmodellen geführt.
Wir als SPD werden also nicht nur die Digitalisierung fördern, sondern setzen uns ganz besonders für Investitionen und die Zukunft von Internet- und Webtechnologien ein. Auch hierzulande gibt es immer mehr Internetunternehmen. Doch im weltweiten Vergleich hinkt Deutschland hinterher. Wir Sozialdemokraten wollen, dass Deutschland auch die nächsten Jahrzehnte eine wichtige Rolle in der Weltwirtschaft einnimmt. Dazu gehört, die besten Rahmenbedingungen für den Erfolg der Internetwirtschaft in Deutschland zu setzen.
Gerade im Mittelstand sind die Chancen mit dem Einsatz des Internets neue Absatzmärkte, Innovationsprozesse, Kundendialoge und Geschäftsbereiche zu etablieren ausbaufähig. Bestehende und neue Konzepte zur Förderung mittelständischer internetbasierter oder internetunterstützter Innovationsprozesse in allen Unternehmensbereichen sollen die kleinen und mittelständischen Unternehmen auch im digitalen Zeitalter sichern.Aufbruch in eine digitale Gründerkultur Digitale Veränderungen gelten natürlich in besonderem Maße für die Wirtschafts- und Arbeitswelt. Daher ist Netzpolitik kein NischenThema, sondern ist ein zentraler Bestandteil und verbindendes Element einer integrierten Wirtschafts-, Arbeits-, Bildungs-, Forschungs-, Familien- und Sozialpolitik. Gerade wenn die SPD sich aufgemacht hat, einen modernen Fortschrittsbegriff zu definieren, muss eine digitale Wirtschaftspolitik zentral sein.
Die SPD muss die weitreichenden Veränderungen, die durch das Internet insbesondere auch für Wirtschaft und Arbeit entstehen, anerkennen und diesen Prozess politisch gestalten. Wir brauchen neue Formen der Wirtschafts- und Innovationsförderung, um eine digitale Gründerkultur auszulösen und kreative Potenziale zu schöpfen. Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist auf Hochtechnologieprodukte und Spitzenforschung angewiesen. Grundvoraussetzung für einen Aufbruch in die digitale Gründerkultur ist auch eine intensive Auseinandersetzung von Staat und Verwaltung mit dem Thema.
Die digitale Wirtschaft ist ein Wachstumsmarkt
Erstmals hat sie in Deutschland im Jahr 2010 nach Angaben des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft die Umsatzmarke von 100 Milliarden Euro überschritten. Für das Jahr 2011 erwartet die Branche einen Zuwachs von rund acht Prozent auf 110 Milliarden Euro, 2012 sollen über 120 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet werden. Von dieser wirtschaftlichen Entwicklung profitiert auch der Arbeitsmarkt. Bereits in diesem Jahr sind ca. 364.000 Menschen in der digitalen Wirtschaft beschäftigt, für das kommende Jahr wird seitens des Branchenverbandes eine Steigerung auf über 390.000 beschäftigte erwartet. Diese Zahlen belegen wie notwendig die politische Auseinandersetzung mit dem Themenbereich ist.
Digitale Wirtschaft, digitale Arbeit und digitale Verwaltung
Die Unternehmen vollziehen im Zuge der zunehmenden Digitalisierung und weltweiten Vernetzung einem grundlegenden Wandel. Wertschöpfungsketten werden digitalisiert und die IUK-Technologien in den Produktionsprozess eingefasst. Für die Wirtschafts- und Innovationsförderung aber insbesondere auch für die Förderung von Existenzgründungen bedeutet dies einen Paradigmenwechsel, da vernetzte Prozesse in zunehmend „virtuellen Unternehmungen“ stattfinden, die oft keine reale Verortung – also beispielsweise in Städten und Kommunen – finden. Zugleich ist allerdings auch zu beobachten, dass gerade das lokale und regionale Gründungsumfeld an Bedeutung gewinnt. Es ist also eine Vernetzung wie auch eine Lokalisierung beobachtbar, so dass das kreative Umfeld für die kreativ-digitale Wirtschaft und Arbeit zunehmend bedeutsamer wird.Hierzu bedarf es auch ein Umdenken in und eine Digitalisierung der Verwaltung, um diesen Herausforderungen begegnen zu können und um eine effiziente Förderung von Wirtschaft und Innovation sowie die Förderung bei der Gründung innovativer Unternehmen zu gewährleisten.
„Internet Gründerkultur“ für Deutschland
Die Internetwirtschaft ist ein Wachstumsmotor in Deutschland und Existenzgründungen in diesem Bereich sind wiederum die Voraussetzungen für Beschäftigungswachstum. Die Grundlagen für eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung und Innovationen sowie für die Gründung neuer, innovativer, wettbewerbsfähiger und zukunftsgerichteter Unternehmen - zumal im Mittelstand - sind Talente und Kapital. An diesen Anforderungen sollte sich Wirtschafts- und Innovationspolitik orientieren. Diese sind im
Einzelnen:
Die Politik in Deutschland hat die Chance, richtige Rahmenbedingungen für eine digitale Gründerkultur zu schaffen. Hierzu gehören eine Offensive in der Bildungspolitik, die richtigen ordnungspolitischen Maßnahmen, eine Einwanderungs- und Qualifizierungspolitik die in die Zukunft ausgerichtet ist sowie die Bereitstellung von ausreichend Wagniskapital. Der Staat selbst kann Kreativität freisetzen in dem Wissen zur Verfügung gestellt wird. Der Aufbruch in eine digitale Gründerkultur bedingt ein neues Denken in Politik und Verwaltung. Gleichzeitig setzt er Chancen auf Wachstum, Beschäftigung und Kreativität frei. Die SPD sollte sich diesem Thema annehmen.
A. Ordnungspolitische Rahmenbedingungen
Bisher hat die Politik in Deutschland oft angstgetrieben und zu oft mit wenig netzpolitischem Sachverstand entschieden. Sinnvoller wäre es, wenn Politik auch chancen- und zukunftsorientiert agierte und diese Chancen stets vor den Risiken betont. Mittlerweile ist es so, dass einige Technologien in Europa erst später eingeführt werden als in den USA, was zur Folge hat, dass hiesige Unternehmen im Nachteil sind. Im Einzelfall mag das sogar wünschenswert sein, als Trend ist das ausgesprochen schädlich.
Stärkere Anstrengungen sind zudem beim Ausbau der Infrastruktur gefordert, vor allem beim Breitbandausbau. Wir brauchen in Deutschland das Recht auf eine schnelle Internetverbindung. Dies stellt heute einen Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge dar. In vielen Regionen vor allem auch mit Blick auf die mittelständische Wirtschaft und auf Existenzgründungen hat dieses Thema zudem eine hohe Bedeutung.
B. „talents“: Hochschulen und Universitäten für die digitale Gesellschaft
Nachholbedarf besteht vor allem mit Blick auf Talente. Unternehmen wie facebook oder Google, aber auch deutsche Unternehmen wie SAP, Siemens oder innovative Start-Ups befinden sich in einem weltweiten Wettbewerb um einen knappen Pool der besten Leute. Ziel muss es sein, die Fachkräfteausbildung deutlich zu verbessern. Dazu brauchen wir eine stärkere Vernetzung der Universitäten und Hochschulen sowie der Wirtschaft und eine andere Struktur von Studiengängen: Wirtschaft und Technik müssen interdisziplinär verknüpft werden wie zum Beispiel in der Wirtschaftsinformatik oder neue Felder ermöglichen wie etwa User Experience Design (UX). In diesem Bereich haben Absolventinnen und Absolventen von kleinen und eher praxisorientieren Hochschulen oft einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den großen Hochschulen und Universitäten. Gerade AbsolventInnen von staatlichen Hochschulen erfüllen die Anforderungen der Internetwirtschaft häufig nicht, weil der Praxisbezug in der Lehre fehlt.
In der Hochschullandschaft ist die Bildung von interdisziplinären Spitzen- und Exzellenzclustern sowie einer verbesserten Kooperation zwischen Einrichtungen des Bundes, der Länder sowie privaten Ausbildungseinrichtungen notwendig. Die Lehre muss dabei hochwertig und praxisbezogen sein, um Synergien zwischen Lehre und Wirtschaft zu schaffen. Dabei bleibt noch immer festzustellen, dass Frauen in der IT-Branche noch immer zahlenmäßig unterrepräsentiert sind. Daher sollten verstärkt gezielt Mädchen und junge Frauen unterstützt werden, sich für die neuen IT-Berufe oder einen Ingenieurberuf zu entscheiden und.In Deutschland brauchen wir zudem eine Offensive in der Bildungslandschaft, um die digitale Kompetenz zu stärken. Jede Schülerin und jeder Schüler braucht einen Laptop. Ebenso müssen Bildungsmaterialien digitalisiert und einheitlich zur Verfügung stehen, um Vergleichbarkeit herzustellen. Den Schwerpunkt legen wir auf die Unterstützung technischer und naturwissenschaftliche Fächer. Die Lehrer- und Erzieherausbildung muss sich stärker an der Herausbildung digitaler Kompetenz ausrichten. Für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer brauchen wir eine Aus- und Weiterbildungsoffensive im Bereich der digitalen Kompetenz.
C. Fachkräftemangel und Einwanderungspolitik
Unternehmen berichten, dass es oftmals nicht gelingt, die besten Köpfe für Existenzgründungen in Deutschland zu akquirieren. Wir brauchen erleichterte Visaregelungen und vor allem eine Willkommenskultur für Hochqualifizierte, wie sie z.B. in den USA oder in Canada, aber auch in Singapur Gang und Gebe sind. Es bestehen aber nach wie vor rechtliche Hürden bei der Einwanderung und formale Probleme bei der Gewährung einer Arbeitserlaubnis oder der Anerkennung von Bildungsabschlüssen. Diese Herausforderungen müssen endlich angegangen werden, um Hochqualifizierte nach Deutschland zu holen.Diese Frage stellt sich auch in geographischer und regionaler Perspektive: Innovation braucht Begegnung. High Potentials wollen an attraktiven Standorten studieren, und sie sollten es auch, weil sie sich nur dort interdisziplinär begegnen und dort auch innovative Unternehmen finden können. Attraktive Wirtschaftsstandorte in Deutschland, attraktive Forschungsbedingungen und ein Wohnumfeld, das Lebensqualität garantiert, sind nötig, um diese Vernetzung sicherzustellen.
D. „capital“: Begünstigung von Venture Capital
Unternehmensgründungen, zumal im Innovationsraum Internet, brauchen (Risiko-)Kapital. Oftmals wird seitens der Unternehmen der Mangel an Venture Capital angeführt. In anderen Ländern, beispielsweise in Frankreich, ist die Anlage in Wagniskapital steuerbegünstigt. Es sollte daher geprüft werden, wie Venture Capital als Anlageform für institutionelle Anleger möglich und gegebenenfalls auch steuerlich attraktiv gemacht werden kann. Notwendig ist eine Neujustierung der Förderinstrumente: Selbst in traditionellen Branchen ist die Förderung oft ineffizient, im Internet-Bereich kommen die Programme im Regelfall um Jahre zu spät. Hier würde ein Fonds, der Co-Investments mit anderen Risikogebern durchführt und dabei ausschließlich die Gewinnerzielung im Sinn hat, effektiver greifen. Dabei ist eine bei einer solchen Förderung „echtes“ und langfristig ausgerichtetes Venture Capital gegenüber kurzfristigen Anleihen zu bevorzugen.
Die bürokratischen Hürden für Projektförderungen sind zudem – vor allem für ExistenzgründerInnen und den Mittelstand - viel zu hoch und werden daher kaum nachgefragt, so dass die Förderung am Ende nicht unbedingt diejenigen erreicht, die sie erreichen soll. Die massiven Einschränkungen bei Gründungen durch die schwarz-gelbe Bundesregierung sind zudem ein verheerendes Signal für die Gründerkultur in Deutschland. Auch braucht man eher keine „High-Tech-Wunderfonds“, die vor allem den Werbebotschaften der Politik dienen. Stattdessen sollte durch steuerliche Forschungsförderung Anreize gezielt in diesem Bereich gesetzt werden und sie auf die Förderungen von Gründungen konzentriert werden.
E. Bürokratie arme Mikrokredite
Die neuen digitalen Arbeitsverhältnisse sind dadurch gekennzeichnet, dass sich projektreiche und projektarme Zeiten stetig ablösen. Es ist keine Seltenheit, dass eine Zeit lang sehr hohe Aufträge eingehen, und in anderen Zeiten monatelang keine Aufträge zu erwarten sind. Das bedeutet allerdings nicht, dass gleich die Selbständigkeit aufgeben wird oder werden muss. Hier wollen wir ansetzen. Wir wollen Bürokratie arme Mikrokredite bei den öffentlichen Banken und Investitionsbanken einrichten, wie es beispielhaft in Berlin bereits praktiziert wird. Bis zu einem Umfang von 20.000 Euro werden Kredite an Selbständige vergeben, mit denen nicht nur der Weg in die Selbständigkeit selbst, sondern auch der Verbleib in der Selbständigkeit gesichert werden kann. Bei diesen Krediten verkürzen wir durch öffentliche Gewährsträgerschaft (vergleichbar mit klassischen Bürgschaften) die Vergabe solcher nicht selten existenzwichtigen Kleinkredite. Denn gerade in diesen Bereichen erleben wir einen klassischen Fall von Marktversagen: Private Banken sind zu zögerlich, um Selbständige gerade mit kleinen Krediten zu unterstützen. Nicht selten sind höhere Kredite leichter zu bekommen, als kleine Überbrückungskredite. Gerade für Selbständige in der Internetwirtschaft sind letztere aber besonders wichtig. Private Banken sind darüber hinaus zum Teil nicht in der Lage, Business-Pläne von Selbstständigen und Startups einzuordnen und entsprechende Kredite zu vergeben, da Ihnen das Wissen um die Internetwirtschaft fehlt. Hier besteht dringender Nachholbedarf.F. Der digitale Staat als „Förderer“ und als „Nachfrager“
Dem Staat kommt in seiner Rolle als größter Nachfrager von IT-Infrastruktur und IT-Dienstleistungen eine entscheidende Rolle zu. Er muss diese gezielter als bisher steuern. Ein Beispiel ist der der Auf- bzw. Ausbau von intelligenten Netzen, beispielsweise im Energie (E-Energy) oder Verkehrssektor (E-Mobility). Hier kann der Staat Investitionsanreize setzen. Auch die Förderung von innovativen Open Source-Lösungen in öffentlichen Verwaltungen können Verwaltungsprozesse erleichtern und Innovationen fördern.
G. Deutschland ist Hightech-Standort
Dazu gehört auch die Software-Industrie. Sie besitzt enormes Wachstumspotenzial, doch ihre Rolle für den Standort Deutschland wird immer noch unterschätzt. Nach einer Prognos-Studie wird es bis 2030 weitere 450.000 Arbeitsplätze in Deutschland im Bereich Software-Industrie geben. Besonders im Bereich der webbasierten Anwendungen werden sich zahlreiche neue Arbeitsplätze und neue Geschäftsmodelle entwickeln. Diese Dynamik wird in den kommenden Jahren dazu führen, dass die Software-Industrie in der Bedeutung für den Standort Deutschland mit dem Maschinen- und Automobilbau gleichzieht. Als Querschnittstechnologie gibt die Software-Industrie wichtige Impulse für andere Wirtschaftszweige. Einen bedeutenden Beitrag leisten softwaregesteuerte Netze für Energie, Verkehr, Bildung und Gesundheit beim Klimaschutz und der Bewältigung des demographischen Wandels. Der Produktionsstandort Deutschland ist ohne die Anbieter und Entwickler von (webbasierter) Unternehmenssoftware nicht denkbar – und umgekehrt.Wir wollen, dass Deutschland im Bereich der Software-Industrie seine Erfolgsgeschichte fortsetzt und weiter auf die Stärken seines industriellen Clusters bauen kann: tiefe Kenntnisse von Produktion, Produktionsabläufen und Technologien verbunden mit der Akribie deutscher Ingenieurinnen und Ingenieure.Deshalb muss die Software-Politik der Zukunft eingebettet sein in eine stringente Industriepolitik. Dazu gehören stimulierende Anreize für ein gründerfreundliches Umfeld genauso wie Investitionen in Bildung und Forschung. Vor allem kleine und mittlere Software-Unternehmen müssen bei der Suche nach Fachkräften und bei der Beschaffung von Wagniskapital Bedingungen vorfinden, die die volle Entfaltung ihrer Potenziale zulassen.





Christian Soeder • 04. August 2011 • 23:15
Wirtschaftsförderung Wir werden Unternehmenskooperationen fördern, die eine ressourcenschonende Netzinfrastruktur weiterentwickeln, wo Materialkosten und Engergiekosten eingespart werden und dadurch neue Technologie entstehen kann. Die Sicherheit der Netzinfrastruktur steht dabei ganz oben auf unserer Agenda. Freiheit und Verantwortung Wir werden Wege und Mittel suchen und finden, um Diskriminerung im Internet zu verhindern und zu ahnden. Den Kampf gegen Viren und Spam muss der Staat Hand in Hand gemeinsam mit IT-Unternehmen angehen. Freie und proprietäre Software haben jeweils ihre eigene Berechtigung und eigene Geschäftsmodelle. Der Staat indessen muss überall dort, wo es möglich ist, freie und keine proprietären Softwarelösungen nutzen, um sich tunlichst nicht von Einzelanbietern abhängig zu machen.
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