1. Einleitung
2. Demokratie und Vielfalt in der digitalen Gesellschaft
3. Arbeit und Wirtschaft in der Digitalen Gesellschaft
4. Die solidarische digitale Gesellschaft
5. Was tun wir selbst? Sechs Punkte für die Internetpartei SPD
Die digitale Gesellschaft muss solidarisch sein. Die solidarische Gesellschaft muss digital sein. Nur die Sozialdemokratie will das Internet als eine der größten Freiheitsbewegungen der Welt auch solidarisch gestalten. Denn ohne gleiche Zugänge für alle, ohne gleiche Informationsmöglichkeiten, ohne die materiellen und damit technischen Voraussetzungen, ohne chancengleiche Bildung wird das Internet ein soziales Medium der Wenigen und nicht der Vielen sein. Die SPD versteht sich als Interessensvertretung derjenigen, die das Internet nicht nur als technische Revolution sehen, sondern vor allem als soziale Revolution und Emanzipationsbewegung. Die Arbeitswelt wird durch die Digitalisierung und Vernetzung flexibler, selbstständiger und technikorientierter, geht aber oft auch mit neuen Unsicherheiten im Vergleich zum Normalarbeitsverhältnis einher. Stehen Autonomie und Freiheit im Arbeitsleben auf der Habenseite, gehen diese oft einher mit Überforderung, Projektdruck und sozialer Verunsicherung. Die Entgrenzung von Arbeitszeit und Arbeitsort durch eine ständige Erreichbarkeit und zunehmend dezentrale Strukturen werfen neue Fragestellungen auf, bieten aber zugleich auch neue Chancen. Herausforderungen ergeben sich vor allem mit Blick auf die Aus- und Weiterbildung. Das bedeutet neue Möglichkeiten für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Verabschiedung von reinen Arbeitszeitmodellen hin zu Leistungsvereinbarungen mit flexiblerer Zeitgestaltung. Die wachsende Anzahl von Solo
Selbstständigen braucht zudem eine sozialstaatliche Antwort.
Soziale Sicherung und digitale Berufe
Vor dem Hintergrund der digitalen Revolution vollzieht sich auch ein tiefgreifender Wandel der Arbeitsgesellschaft. Die Zahl regulärer Beschäftigungsverhältnisse nimmt ab, während die Zahl unsteter Arbeitsverhältnisse in Projekten, Praktika oder Selbständigkeit zunimmt. Diese Arbeitsverhältnisse sind nicht selten selbst gewählt, weil sie mehr Autonomie, mehr Freiheit und Selbständigkeit versprechen. Allerdings gehen sie genauso oft mit mehr Prekarität, Unsicherheit oder ausufernden Arbeitszeiten einher. Solo-Selbständigkeit ist zur neuen Realität einer ganzen durchaus gut gebildeten Generation geworden. Heute zählen wir allein in Deutschland weit mehr als zwei Millionen Menschen, die alleine selbständig sind. Viele dieser Biografien arbeiten mit dem und im Internet: Projektarbeiter, Freelancer, Webbetreuer, Social-Media-Experten, Contracter – das ist der Kern der neuen Arbeitsrealität in der digitalen Gesellschaft. Ihr Kapital ist ihr technisches Know-How.Allerdings haben wir in Zeiten der Finanzkrise auch andere Entwicklungen beobachten können. Als plötzlich die Auftragslagen einbrachen, haben fehlendes eigenes Engagements bei der sozialen Sicherung und die Unfähigkeit unserer sozialen Sicherungssysteme Menschen in diesen neuen Erwerbsbiografien passgenaue Angebote zu formulieren, viele dieser Beschäftigten in Existenznöte gebracht. Gerade in den Städten wächst ein digitales Prekariat – und große und kleinere Unternehmen nutzen diese Notlagen ebenso aus, wie Selbstausbeutung zur Realität wird. Auch für unsere sozialen Sicherungssysteme werden solche (ob selbst gewollte oder erzwungenen) nicht-sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse zu einer finanziellen Belastungsprobe.
Hier wollen wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten auf zwei Ebenen eingreifen. Wir wollen Freiheit gewähren, aber Unsicherheiten abbauen. Wir wollen Sicherheit schaffen, aber Selbständigkeit nicht behindern. Denn Selbständigkeit, auch Solo-Selbständigkeit, kann auch künftige Arbeitsplätze schaffen.
Das ist sozialdemokratisch: Der vorsorgende Sozialstaat
Der vorsorgende Sozialstaat muss gerade im digitalen Zeitalter mehr und mehr zur Regel, denn zur Seltenheit werden. Flexibler Sozialstaat bedeutet, dass aus verschiedenen sozialstaatlichen Angeboten ausgewählt werden kann, während gleichzeitig bestimmte Pflichten mit diesen Angeboten einher gehen. So halten wir es beispielsweise für erforderlich, dass die Vergabe von Mikrokrediten mit der Pflicht einhergeht, ein Angebot für eine betriebswirtschaftliche Schulung zu durchlaufen. Denn es häufen sich die Fälle, dass mangelnde betriebswirtschaftliche Kenntnisse die Kreativität nicht zu Entfaltung bringt oder gleichzeitig die Kreativität auch auf die Buchführung übertragen wird.Unsere Idee: Alterssicherung auch für Solo-Selbständige
Die Zukunftsfähigkeit der sozialen Sicherungssysteme entscheidet sich dort, wo sie auf die neuen Realitäten der Arbeitsgesellschaft zugeschnitten sind. Die SPD will daher sozialstaatliche Angebote auch für Solo-Selbständige formulieren. Der Sozialstaat muss auch für Solo-Selbständige da sein, Solo-Selbständige müssen aber auch bereit sein, sich in den Sozialstaat einzubringen. Denn häufig sind private Angebote der Alterssicherung nicht attraktiv genug oder führen zu einer Rente auf Grundsicherungsniveau.
Wir orientieren uns bei unserer Idee am erfolgreichen Vorbild der Künstlersozialversicherung. Sie ist das zeitgemäße Modell, wie unstete Erwerbsbiografien modern sozialstaatlich abgesichert werden. Im Rahmen einer Bürgerversicherung auch für die Rente wird die SPD daher ein Angebot der Alterssicherung für Solo-Selbständige schaffen. Wir werden die Rentenversicherung für Solo-Selbständige öffnen. Wer sich freiwillig und dauerhaft in der GRV versichern möchte, dem werden wir dies ermöglichen. In diesem Falle behandeln wir ihn sozialversicherungsthematisch als Arbeitnehmer, weshalb der Ein-Personen-Selbständige auch nur den Arbeitnehmerbeitrag entrichtet. Beim Arbeitgeberzuschuss werden wir die Auftraggeber von Web-Produkten in die Verantwortung nehmen. Zugleich werden wir über einen steuerlichen Zuschuss eine paritätische Finanzierung dieses modernen sozialstaatlichen Angebots realisieren. In einer Bürgersozialversicherung in der Rente ist zudem eine solidarische Finanzierung über die Belastung höherer Einkommen und Vermögen denkbar.





Christian Soeder • 04. August 2011 • 23:16
Potenziale nutzen: Facebook, Google Maps und Co. als Chance begreifen Wir wollen über das Netz noch besser die Wünsche und Probleme der Bürger herausarbeiten und direkt über dieses Medium auf sie zugehen. Soziale Medien sind kein Propagandinstrument. „Datenschutz ist out”? Diese provokante These von Mark Zuckerberg muss man nicht teilen, aber sie beschreibt eine gesellschaftliche Problemstellung. Denn Datenschutz ist kein Wert an sich: was im Mittelpunkt jeder verantwortungsvollen Politik stehen muss, ist der Mensch. Das heißt: Respekt gehört dazu. Respekt vor der Privatsphäre des anderen. Klatsch und Tratsch hat es immer gegeben — Eigenverantwortung gehört jedoch gleichermaßen dazu.
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