Mit kulturundpolitik.de spricht Jim Rakete über Fotografien die Schlüsselmomente festhalten, über den Reiz von Farbfotos und darüber, wie die Digitalfotografie unsere Erzählkultur verändert.
kulturundpolitik.de: Sie gelten als Meister der analogen schwarz-weiß Fotografie. Ihre letzte große Porträt-Serie „1/8 sec.“ haben Sie mit einer Plattenkamera fotografiert. Für „Stand der Dinge“ haben Sie Filmschaffende farbig und digital fotografiert. Was hat Sie daran gereizt?
Jim Rakete: Ich muss unentwegt farbig fotografieren um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Die persönlichen Vorlieben haben nichts damit zu tun, dass man auch von irgendetwas leben muss. Aber bei „Stand der Dinge“ spielen Farben zum Teil eine Rolle. Wenn Floriane Daniel den roten BH durch die Bluse blitzen lässt, den sie im Film „Winterschläfer“ getragen hat, dann nützt mir das nichts in schwarz-weiß. Deshalb war klar, dass ich bei dem Thema auf Farbe gehen muss.
Sie hätten auch analoge Farbfotografien machen können.
Ja, aber da ist noch der Kostenfaktor. Wir haben das Projekt begonnen, um Geld von Stiftern für das Frankfurter Filmmuseum zu bekommen. Die ganze Ausstellung ist eine Stiftung an das Frankfurter Filmmuseum.
Die analoge Fotografie verliert immer mehr an Bedeutung. Markiert die Insolvenz des Foto-Konzerns Kodak den endgültigen Durchbruch der Digitalfotografie?
Das hat schon viel früher begonnen. Der eigentliche Unterschied ist der Unterschied im Denken. Die analoge Fotografie bezieht sich immer auf ein Original, auf das Negativ. Das Fehlen dieses Originals ist ein Phantomschmerz der Fotografie. Das digitale Denken ist jenes der Ungeduld – des sofortigen Zeigens, der sofortigen Versendbarkeit. Das füttert unsere Schwäche: Wir können auf nichts mehr warten, wir können uns auf nichts mehr einlassen. Fotografie heißt heute einer macht mit dem Handy ein Bild und schickt es woanders hin. Das führt zu einer Entwertung des einzelnen Bildes. Es führt weg davon sich etwas aus einem Foto herauszulesen. Dieser Siegeszug der Bilderflut ist durch nichts mehr einzudämmen.
Ein weiterer Nachteil ist dieses „Wie wollen Sie’s gerne haben?“. Alles ist verlegt auf das Hinterher. Vollkommen egal was man fotografiert hat, hinterher kann man daraus irgendwas machen. Für mich war die wirkliche Trophäe von Fotografie immer, dass das Foto auch ein Ergebnis einer Begegnung ist. Wenn ich heute Sachen sehe, die eindrucksvoll bearbeitet sind, kann ich sagen, das ist gut gemacht. Aber das Bild hat diese Kraft von Begegnung nicht mehr. Es hat keine Zeitzeugenschaft.
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