"Wilhelm-Dröscher-Preis" verliehen
© Thomas Imo / photothek.net
Lautstarke und wortmächtige Gewinner des Wilhelm-Dröscher-Preises: Auf den ersten Platz kam ein Hip-Hop-Schulprojekt, das für den nächsten SPD-Parteitag einen Auftrag von Sigmar Gabriel erhielt.
Bereits seit 1982 verleiht die SPD den "Wilhelm-Dröscher-Preis" um besonderes gesellschaftliches Engagement zu würdigen. 39 Projekte und Initiativen stellten sich dafür am Rande des Parteitages zum Thema "Für eine starke Demokratie" vor. Heidemarie Wieczoreck-Zeul kürte gemeinsam mit Vertretern der Familie Dröscher die Sieger.
Der erste Preis geht an den Verein der Freunde und Förderer der Anne-Frank-Hauptschule Bonn/Beuel e.V. mit dem Projekt "Schoolbattle - Hip Hop gegen Gewalt an Schulen". Ein schulenübergreifendes Hip Hop-Projekt, um im kreativen musikalischen Wettstreit dafür zu werben, Konflikte verbal und nicht mit Gewalt zu lösen. "Wer sie erlebt hat bei ihren Aufführungen, der hat die ganze Halle beben sehen", lobte Wieczoreck-Zeul das Projekt. Und Sigmar Gabriel lud die Hip-Hopper gleich für den nächsten Parteitag ein, verbunden mit der Bitte, dann traditionelles sozialdemokratisches Liedgut zu interpretieren.
Einen Förderpreis der Dröscher-Stiftung erhält der Verein Café Sozial e.V. , der vom SPD-Ortsverein Oberburg in Bayern initiiert wurde und das kostenlose Beratungs- und Betreuungsangebote für Arbeitslose bietet.
Auch die Delegierten des Parteitages konnten über die Projekte abstimmen. Der Preis der Delegierten ging an eine Initiative der Jusos Mannheim mit dem Namen "Bewegte Zeiten - Mannheimer Arbeiterbewegung im Spiegel der Zeit". Es handelt sich dabei um eine sechsteilige Veranstaltungsreihe zur Bedeutung der Arbeiterbewegung in Mannheim, die besonders den Widerstand der kleinen Leute im Nationalsozialismus hervorhebt.
Den zweiten Platz teilen sich verschiedene Preisträger: Das Aktionsbündnis landmine.de engagiert sich seit Jahren dafür, dass den Opfern von Landminen geholfen wird und dass die immer noch vorhandene Streumunition beseitigt wird. Ausgezeichnet wurde außerdem die Mitgliederzeitschrift "Blickpunkt" des Stadtverbandes Halle in Sachsen-Anhalt. Ebenfalls zweitplatziert sind die Jusos Anhalt-Bitterfeld mit dem von ihnen ins Leben gerufenen "Kulturkeller", wo Lesungen, Podiumsdiskussionen, Diavorträge und vieles mehr angeboten werden, um Kultur auch denjenigen erlebbar zu machen, die sie sich sonst nicht leisten könnten. Die Jusos Ennepe-Ruhr überzeugten die Jury mit dem Projekt "Fall nicht auf braune Flötentöne rein", das deutlich macht, was Nazis sagen und was das bedeutet.
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Auf die dritte Plätze gelangten die Initiative "Rote Hand - Farbe bekennen gegen den Einsatz von Kindersoldaten" der Jusos Hamburg und die "M-Community" des SPD-Unterbezirks Potsdam - "ein gutes Beispiel für die schnelle und umkomplizierte Vernetzung im Internet", so Wieczoreck-Zeul. Die Juso-AG Bad Nenndorf mit Straßenaktionen unter dem Motto "Kreativ gegen Rechts", die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen aus Nordrhein-Westfalen mit einem kabarettistischen Programm zum Thema "90 Jahre Frauenwahlrecht", sowie die AG60+ aus Nordheim mit dem Projekt "Kreative Agitation - ist sie noch die Mühe wert?", das moderne Formen des Straßenwahlkampfes vorstellt, kamen ebenfalls auf den dritten Platz.
"Ganz viele junge Leute" hätten auf Ausschreibung hin ihre Projekte und Initiativen eingereicht, zeigte sich Heidemarie Wieczoreck-Zeul beeindruckt. "Alle Projekte haben eine Auszeichnung verdient. Sie sind alle toll." Schon die Auswahl der 39 Projekte, die sich während des Parteitages in der Messe Dresden vorstellten, sei schwierig gewesen. Die Initiativen drückten zugleich die Botschaft dieses Parteitages aus, nämlich dass die SPD sich künftig weiter zur Gesellschaft und zu gesellschaftlichen Gruppen öffnen will.
Mit dem "Wilhelm-Dröscher-Preis" hält die SPD das Andenken des Sozialdemokraten Wilhelm Dröscher lebendig. Wilhelm Dröscher trat 1946 in die SPD ein und war aktiv als Landtags- und Bundestagsabgeordneter, Schatzmeister und Präsident der Europäischen Sozialisten. Er starb am 18. November 1977 während des Bundesparteitages in Hamburg.
