7. Dezember 1989: Der Zentrale Runde Tisch
Die Gesprächsteilnehmer beim ersten Treffen des "Runden Tisches" in Ost-Berlin am 7. Dezember 1989. Die Teilnehmer beschlossen in dieser ersten Sitzung die Auflösung des Amtes für Nationale Sicherheit (Stasi) und die Durchführung von Wahlen zur Volkskammer am 6. Mai 1990.
(Foto: DPA)
Auf Druck der Opposition führt die Regierung Modrow auf Regierungsebene den Zentralen Runden Tisch ein. Als Einrichtung des Übergangs zu einer neuen Gesellschafts- und Staatsordnung gibt es ihn bereits in Warschau und Budapest, bevor der Runde Tisch auf allen Ebenen in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) konstituiert wird. Die Bürgerbewegung, deren überwiegende Leitvorstellung der "Dritte Weg" zwischen Kommunismus und Kapitalismus war, verstanden den Runden Tisch als Verwirklichung der Idee von der direkten Demokratie.
Die Sozialdemokraten sahen im Freiraum zwischen Opposition des Volkes und kontrollierter alter Macht eine Möglichkeit für die politische und organisatorische Entfaltung der Partei. Der Runde Tisch sollte, so der Sozialdemokratische Partei in der DDR (SDP)-Mitbegründer Martin Gutzeit, eine Schlüsselstellung einnehmen: "Er sollte einerseits die alten politischen Kräfte bei ihrer Verantwortung belassen und sie kontrollieren, andererseits aber die Voraussetzung für demokratische Rahmenbedingungen für eine demokratisch geordnete Veränderung der politischen Institutionen schaffen."
Am Zentralen Runden Tisch sind 16 etablierte und oppositionelle Parteien, politische Gruppierungen und Organisationen paritätisch vertreten, die "Neuen Kräfte" aus dem Widerstand gleichberechtigt gegenüber den "Alten Kräften" der Nationalen Front - SDP/SPD; Neues Forum; Initiative Frieden und Menschenrechte; Demokratie Jetzt; Grüne Partei; Grüne Liga (GL); Unabhängiger Frauenverband; Vereinigte Linke auf der einen Seite, Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED), Christlich Demokratische Union (CDU), Liberal-Demokratische Partei Deutschlands (LDPD), Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD), National-Demokratische Partei Deutschlands (NDPD), der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) und Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) auf der anderen Seite.
Von SPD-Seite gehören zum Runden Tisch Ibrahim Böhme (bis 29.01.1990), Martin Gutzeit, Angelika Barbe, Dankwart Brinksmeier, Erich Fischer, Christoph Matschie, Markus Meckel, Klaus Reiche, Steffen Reiche, Horst Schneider, Richard Schröder und Lothar Thurmann.