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Größen der Sozialdemokratie

Die SPD kämpft seit 150 Jahren für eine Gesellschaft, in der alle Menschen die gleichen Chancen haben. Hier finden Sie eine Übersicht über einige SPD-Größen.

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August Bebel

August Bebel

August Bebel
(Foto: SPD)

Günter Grass nennt ihn den "Mann, der nie aufgab": August Bebel. Jahrzehntelang ist der Drechsler, Unternehmer, Bestsellerautor, Redner und Politiker DAS Gesicht der Sozialdemokratie. Am 13. August 1913 stirbt Bebel an Herzversagen.

Vor hundert Jahren darf August Bebels Porträtbild in kaum einem Arbeiterhaushalt fehlen. Als der "Arbeiter-Kaiser" am 13. August 1913 an seinem Kurort in der Schweiz an Herzversagen stirbt, geht eine Epoche zu Ende. Hunderttausende trauern. Ein Jahr später brechen Europas Fürsten den Ersten Weltkrieg vom Zaun. Sie wissen es noch nicht, aber ihre Welt geht unter. August Bebel hat es vorausgesagt.

Militarismus ist ihm zuwider


Schon früh geißelt Bebel den preußischen Militarismus. Berühmt – und unter Nationalisten berüchtigt – macht ihn seine vehemente Ablehnung von Annexionen nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71, seine Verteidigung der Pariser Kommune. Im Reichstag wächst der Sohn eines preußischen Unteroffiziers zum großen Gegenspieler Otto von Bismarcks heran, des "Eisernen Kanzlers".

Bismarck fürchtet  Bebel und bekämpft ihn mit allen Mitteln. 57 Monate seines Lebens muss der Sozialdemokrat hinter Gefängnismauern verbringen. Immer wieder wird er schikaniert, vor allem während des zwölfjährigen Verbots sozialdemokratischer Parteiarbeit ("Sozialistengesetz"). Am Ende triumphiert er über Bismarck. Dessen Reich zerbricht, die SPD erstarkt, 1919 ruft ein Sozialdemokrat die Republik aus.

Hunger nach Wissen


In Deutz bei Köln wird August Bebel 1840 geboren. Er wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Der Vater stirbt früh. Mutter Wilhelmine zieht nach Wetzlar um und bringt die Familie mit Heimarbeit durch. Als der Sohn 13 Jahre alt ist, stirbt sie an Tuberkulose.

Weiterführende Schulen sind dem begabten und wissbegierigen, aber mittellosen Jungen verschlossen. Die kostenfreie Schule für alle wird eine zentrale Forderung der Sozialdemokratie.

August Bebel lernt das Drechslerhandwerk. Als Geselle auf Wanderung kommt er mit katholischen Gesellenvereinen in Kontakt. Er hört Vorträge, liest Zeitungen. Sein politisches Interesse erwacht. 1860 lässt er sich in Leipzig nieder, einem Zentrum des Buchdrucks. 1863 macht er sich selbstständig – und nimmt am Vereinstag deutscher Arbeitervereine in Frankfurt teil. Der VDAV versteht sich als liberale Konkurrenz zum im selben Jahr gegründeten ADAV, dem Vorgänger der SPD.

Der erste Feminist


Durch Lektüre und Beobachtung wird Bebel zum Sozialdemokraten. 1865 erlebt er in Leipzig den ersten Buchdruckerstreik. Auf dem Stiftungsfest des Gewerblichen Bildungsvereins lernt er Julie Otto kennen. Sie arbeitet in einem Putzwarengeschäft. 1866 heiraten die beiden. Fortan organisieren sie ihr Leben, ihre kleine Fabrik für Tür- und Fenstergriffe und Bebels rasch wachsende politische Aktivitäten gemeinsam.

Julie Bebel dürfte ihren Mann inspiriert haben, während einer Festungshaft 1877 seine Gedanken zur Emanzipation der Frauen zu Papier zu bringen. 1879 erscheint das Buch "Die Frau und der Sozialismus" zum ersten Mal. Es wird ein Bestseller – wie weitere Bücher Bebels auch. 1910 erscheint die 50. Auflage!

Noch dürfen Frauen weder wählen noch studieren. Im Sozialismus – also einer von Sozialdemokraten gestalteten Welt – soll das laut Bebel anders sein:

"Eben noch praktische Arbeiterin in irgend einem Gewerbe, ist sie in einem anderen Teil des Tages Erzieherin, Lehrerin, Pflegerin, übt sie in einem dritten Teil irgend eine Kunst aus oder pflegt eine Wissenschaft und versieht in einem vierten Teil irgend eine verwaltende Funktion. Sie treibt Studien, leistet Arbeiten, genießt Vergnügungen und Unterhaltungen mit ihresgleichen oder mit Männern, wie es ihr beliebt …"

Rosa Luxemburg soll, so schildert es die Historikerin Helga Grebing, diese Passage aus Bebels berühmtem Buch so kommentiert haben: "Ach, August, ich liebe Dir!"

"Die Verkörperung der Partei"


1910 stirbt Julie Bebel. August Bebel verbringt jetzt aus gesundheitlichen Gründen viel Zeit bei seiner Tochter in der Schweiz, bleibt aber Reichstagsabgeordneter und bis zu seinem Tod einer von zwei Vorsitzenden der SPD. Er ist ihre Stimme, ihr bekanntestes Gesicht, er hält in der größten Erregung alle Flügel der Partei zusammen. Eduard Bernstein wird ihm nachrufen, er sei "die Verkörperung der Partei".

Fast zehntausend Menschen folgen Bebels Sarg auf den Friedhof in Zürich-Sihlsfeld: "Treu übers Grab hinaus, des Volkes bestem Sohne, gedenken Dein, der Arbeit Bataillone". Postkarten mit Bebels berühmtem Porträt werden massenhaft als Treueschwüre versandt.

Bebels Vermächtnis


1947 gründen Sozialdemokraten das August-Bebel-Institut in Berlin, "um den Wiederaufbau einer demokratischen und sozialen Gesellschaft voranzubringen". Und um, bis heute und ganz im Sinne Bebels, politische Bildungsarbeit zu leisten.

Der Literaturnobelpreisträger Günter Grass ruft 2011 mit 250.000 Euro aus Buchhonoraren die August-Bebel-Stiftung ins Leben  – um die Erinnerung an diesen großen Politiker aufzufrischen, aber auch, wie er sagt, um sich zu bedanken: "Er hat mich gelehrt, Niederlagen als belebend zu empfinden."

Willy Brandt

Willy Brandt

Willy Brandt
(Foto: Deutsches Bundesarchiv )


Willy Brandt (sein Geburtsname war Herbert Frahm, den Namen Willy Brandt nahm er erst in der Emigration an) wurde am 18. Dezember 1913 in Lübeck als unehelicher Sohn einer 19-jährigen Konsumverkäuferin geboren und wuchs bei seinem Großvater, einem sozialdemokratischen Arbeiter aus Mecklenburg, auf. Bereits als Kind in sozialdemokratischen Organisationen zu Hause, begann er als 15-jähriger in der Sozialistische Arbeiter-Jugend (SAJ) seine politische Funktionärskarriere und wurde 1930 Parteimitglied. 1932 legte er das Abitur ab und trat als Volontär in eine Lübecker Schiffsmaklerfirma ein. Im Oktober 1931 hatte er sich von der SPD getrennt und war zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) übergetreten. Ende März 1933 floh Brandt zunächst nach Dänemark, dann nach Oslo, wo er die illegale Arbeit der SAP in Deutschland unterstützte und als Journalist arbeitete. 1936 hielt er sich mehrere Monate illegal in Deutschland auf, 1937 in Barcelona, von wo er über den Spanischen Bürgerkrieg berichtete.

1940 flüchtete Willy Brandt nach Schweden, im gleichen Jahr wurde er norwegischer Staatsbürger. 1944 schloss er sich in Stockholm wieder der SPD an. Beeinflusst vom undogmatischen freiheitlichen Volkssozialismus der nordischen Länder sah er in der SPD die Kraft, die alle demokratischen Kräfte des Sozialismus würde integrieren können. Gleichzeitig entwarf er die Perspektiven einer friedlichen Neuordnung Europas nach der Niederschlagung des deutschen Faschismus. 1945 kehrte er nach Oslo zurück und arbeitete als Korrespondent skandinavischer Zeitungen; 1947 wurde er als Presseattaché der norwegischen Militärmission beim Alliierten Kontrollrat in Berlin tätig.

1948 ernannte ihn der SPD-Vorstand zu seinem Vertreter in Berlin; im gleichen Jahr nahm er wieder die deutsche Staatsbürgerschaft an. Mandate im Bundestag und im Berliner Abgeordnetenhaus bereiteten seine Wahl 1957 zum Regierenden Bürgermeister von Berlin vor, ein Amt, das er bis 1966 innehatte.

Zeitlich etwas verschoben und von Rückschlägen begleitet, begann sein Aufstieg in der Bundespartei (1958 Vorstandsmitglied, 1962 stellvertretender Vorsitzender) als einer der Exponenten des Reformflügels. Für diesen Flügel galt die Verbindung zwischen parlamentarisch-repräsentativer Demokratie und Sozialismus als unaufhebbar; Nation und Europa wurden als aufeinander bezogen begriffen; die Interdependenzen der weltpolitischen Entwicklung fanden in der politischen Strategie Berücksichtigung. In dieser Zeit gewann Brandt das Profil eines pragmatischen Visionärs. Es zeichnete ihn ein ungewöhnliches Gespür für Zeitströmungen und die Gabe der Integration verschiedener politischer Richtungen in seiner Partei aus. Zweimal, 1961 und 1965, scheiterte er als Kanzlerkandidat der SPD, die ihn 1964 zu ihrem Bundesvorsitzenden wählte. 1966 trat die SPD mit der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU) und der Christlich-Sozialen Union in Bayern (CSU) in eine Große Koalition ein. Brandt wurde Vizekanzler und Außenminister und bereitete jene Politik vor, die als seine große historische Leistung angesehen wird.

1969 bildete die SPD mit der FDP eine Koalition mit Brandt als Bundeskanzler. Er setzte nun die Marksteine der Ostpolitik, mit der die Bundesrepublik die Konsequenzen aus dem vom nationalsozialistischen Deutschland entfesselten Zweiten Weltkrieg zog, zu einem geregelten Miteinander mit den Staaten und Völkern Osteuropas und zu einer Verbesserung der Verhältnisse in Deutschland zu kommen suchte. Voraussetzung für diese Friedens- und Verständigungspolitik blieb jedoch für ihn die verlässliche Partnerschaft mit dem Westen. Es gelang ihm aber auch gegen erheblichen Widerstand in seiner Partei, die Nachkriegsgeneration der 68er antiautoritären Bewegung für die Republik zu gewinnen und entscheidende Weichen zu stellen für die Entledigung von dem Ballast des Obrigkeitsstaates und für die Wandlung der Bundesrepublik zu einem aufgeklärten Bürgerstaat unter der Devise "mehr Demokratie wagen".

Auch seiner Partei hat er die Impulse gegeben, sich von den letzten Resten ihres Traditionalismus zu lösen: Demokratischen Sozialismus und konsequent verwirklichte Demokratie forderte er auf, als dasselbe zu betrachten, und bekannte, dass neben dem Frieden ihm wichtiger als alles andere die Freiheit sei. Seinen Patriotismus verstand er als "eine Haltung, die die europäische und weltpolitische Verantwortung" einschloss.

Nach den Bundestagswahlen von 1972, die seine Politik bestätigten, wurde Brandt zur charismatischen Leitfigur, zum Symbol eines besseren Deutschland, zum großen, international respektierten (und 1971 mit dem Friedensnobelpreis geehrten) Staatsmann. Zwei Jahre später, am 6. Mai 1974, trat er als Bundeskanzler zurück; Anlass war die Spionage-Affäre um den DDR-Agenten Günter Guillaume, der zu Brandts Mitarbeitern gehört hatte. Diesen Rücktritt hat Brandt später als falsch angesehen.

Brandt blieb Vorsitzender der SPD, die er zu einer modernen, sozialen Bündnissen sich öffnenden Volkspartei zu gestalten führend mithalf. Als Vorsitzender der Sozialistischen Internationale (seit 1976) hat er entscheidend beitragen können zur Demokratisierung Südeuropas (Portugal, Spanien, Griechenland). 1977 übernahm er den Vorsitz der Unabhängigen Kommission für internationale Entwicklungsfragen (die sogenannte Nord-Süd-Kommission), mit der er mit Unterstützung durch Olof Palme, Gro Harlem Brundtland und Bruno Kreisky Entwicklungsstrategien für solidarisches globales Handeln entwarf.

Im Juni 1987 legte Brandt nach 23 Jahren den Vorsitz der SPD nieder; er wurde Ehrenvorsitzender der SPD und behielt auch sein Bundestagsmandat. 1989 rückte er noch einmal in den Mittelpunkt der Politik, als er, der sich zeitlebens als deutscher Patriot und zugleich Weltbürger verstanden hatte, zu einem der Motoren für die deutsche Vereinigung wurde. Sein erklärtes Ziel war es, in Deutschland und in Europa "neu zusammenwachsen [zu]lassen, was willkürlich und gewaltsam voneinander getrennt worden war", so in seiner letzten Rede im Deutschen Bundestag am 12. März 1992.


Literaturempfehlung

  • Carola Stern: Willy Brandt. Rowohlt-Verlag, Reinbek 1975.
  • Willy Brandt: Erinnerungen. Jubiläumsausgabe zu 50 Jahren Bundesrepublik Deutschland. Siedler Verlag, 1999.

Im Jahr 2003 erschienen:

  • Willy Brandt: Erinnerungen. Mit den Notizen zum Fall Guillaume.
  • Frank Fischer (bearbeitet): Brandt, Willy, Band 9, Die Entspannung unzerstörbar machen.
  • Horst Grabert:  Wehe, wenn du anders bist!
  • Uwe Heilemann: Norge med Willy. Durch Norwegen auf den Spuren von Brandt´.
  • Hermann Schreiber: Kanzlersturz. Warum Willy Brandt zurücktrat.
  • Martin Wein: Willy Brandt. Das Werden eines Staatsmannes.
  • Peter Merseburger: Willy Brandt. Visionär und Realist.

Material

Friedrich Ebert

Friedrich Ebert

Friedrich Ebert, 1925
Friedrich Ebert, 1925 (Foto: AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung)

Friedrich Ebert wurde am 11. Februar 1919 zum ersten demokratisch gewählten Staatsoberhaupt Deutschlands ernannt. Sein Hauptanliegen galt der Sicherung der jungen Republik.

Ebert wurde 1871 in Heidelberg in ärmliche Verhältnisse hineingeboren. Nach der Schule macht er eine Ausbildung zum Sattler. Daran schlossen sich zweieinhalb Wanderjahre an. 

Ab dieser Zeit begann er sich für die Belange der Arbeiter zu engagieren, was er bis zu seinem Tode 1925 weiterführte. So ermunterte Friedrich Ebert die Arbeiter und Handwerker vielerorts sich in Gewerkschaften zusammen zuschließen. Am Ende der Wanderjahre trat er 1889 in die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) ein, die sich 1890 mit dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein zur SPD vereinigte.

Seine ehrenamtliche und beratende Tätigkeit innerhalb der Gewerkschaft verhalfen ihm zu einer Anstellung als Arbeitssekretär. 1900 begann dann die politische Karriere mit dem Einzug Eberts in die Bremer Bürgerschaft. Seine Arbeit führte schnell zu überregionaler Bekanntheit. 1905 wurde er in das neugeschaffene Amt des Parteisekretärs gewählt. Hier bemühte er sich besonders den Zusammenhalt der Parteiflügel zu bewahren. Aufgrund seiner gewerkschaftlichen Tätigkeit in Bremen wurde er auch der Mittelsmann zwischen der SPD und den Gewerkschaften.

1912 zog er in den Reichstag ein. Ein Jahr später stieg er innerhalb der Partei zum zweiten Vorsitzenden der SPD auf. Als Reichstagsabgeordneter versuchte er die Lebensverhältnisse der Arbeiterschicht zu verbessern.

Als 1918 die Novemberrevolution in Deutschland ausbrach, war es insbesondere auch der Verdienst Eberts, dass sich aus der Revolution eine parlamentarische Demokratie entwickelte. Ein Jahr danach trat Ebert das Amt des Reichspräsidenten an. Seine Präsidentschaft kennzeichnete besonders der Abwehrkampf gegen die antidemokratischen Kräfte wie der Kappputsch oder verschiedene kommunistische Arbeiteraufstände, die eine Diktatur des Proletariats erstrebten.

Die Weimarer Republik überlebte ihren großen Verteidiger nur um acht Jahre - Reichspräsident Friedrich Ebert verstarb 1925 in Berlin.      

Gustav Heinemann

Gustav Heinemann

Gustav Heinemann, aufgenommen 1969
(Foto: Deutsches Bundesarchiv)

Gustav Heinemann wurde am 23. Juli 1899 in Schwelm geboren. Nach dem Studium ließ er sich als Rechtsanwalt in Essen nieder und wurde 1928 zunächst Justitiar, 1936 Bergwerksdirektor der Rheinischen Stahlwerke in Essen. Ab 1933 betätigte er sich aktiv in der Evangelischen Kirche: als Presbyter in Essen und in der Bekennenden Kirche, die sich gegen den NS-Allmachtsanspruch stellte. Auch nach 1945 blieb Heinemann als Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) (1945-1967) und als Präses ihrer Synode (1949-1955) der Arbeit der Evangelischen Kirche verbunden.

Als einer der Mitbegründer der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU) im Rheinland, seit 1946 Oberbürgermeister von Essen und seit 1947 gleichzeitig Justizminister in Nordrhein-Westfalen holte ihn Konrad Adenauer als Innenminister 1949 in sein Kabinett. Aus Protest gegen die Wiederbewaffnung trat Heinemann schon 1950 zurück. Er verließ 1952 die CDU und gründete die Gesamtdeutsche Volkspartei, die sich für ein blockfreies wiedervereinigtes Deutschland einsetzte. Nach Misserfolgen bei den Wahlen löste sich die Partei 1957 auf. Heinemann wie eine Reihe seiner Mitstreiter (unter anderem Johannes Rau, Erhard Eppler) gingen zur SPD.

Gustav Heinemann baute Brücken zwischen SPD und protestantischer Kirche, sperrte sich gegen die atomare Bewaffnung und engagierte sich besonders in der Rechtspolitik. Als Justizminister in der Großen Koalition setzte er wichtige Justizreformen durch. Seine Wahl zum ersten sozialdemokratischen Bundespräsidenten mit den Stimmen der Freien Demokratischen Partei (FDP) galt als Auftakt zur sozial-liberalen Ära. In den vier Jahren seiner Amtszeit (Mai 1969-1973) förderte er besonders die Friedens- und Freiheitserziehung, mühte sich um eine Versöhnung mit den von NS-Deutschland überfallenen Völkern und forderte die Mitverantwortung des mündigen Bürgers ein. Zusammen mit seiner Frau Hilda galt sein besonderes Anliegen den Schwachen und Zurückgebliebenen in der Gesellschaft. Der als Politiker eher spröde wirkende Heinemann verband auf unverwechselbare Art Moral und Pragmatismus, Prinzipientreue und Realitätssinn und strahlte hohe Glaubwürdigkeit aus. Er starb am 7. Juli 1976 in Essen.

Literaturempfehlung

  • Friedrich-Ebert-Stiftung (Herausgeber): Erinnerungen an Gustav Walter Heinemann. Vortrag am 25.2.1999 im Schloss Rastatt. Friedrich-Ebert-Stiftung, Gesprächskreis Geschichte 24, Bonn 1999.
  • Gustav Walter Heinemann: Reden und Schriften 1969-1974. Reden des Bundespräsidenten. Suhrkamp Verlag, Frankfurt 1975.

Marie Juchacz

Marie Juchacz

Marie Juchacz redet vor Menschenmenge
(Foto: AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung )


Marie Juchacz wurde 1879 in Landsberg an der Warthe geboren und arbeitete nach dem Besuch der Volksschule als Hausangestellte, Fabrikarbeiterin, Krankenwärterin und Näherin. 1908 trat sie in die SPD ein und war von 1913 bis 1917 als Frauensekretärin im SPD-Bezirk Obere Rheinprovinz in Köln tätig. 

Von 1917 bis 1933 war sie Mitglied des Parteivorstandes und Leiterin des Frauenbüros der Partei. Neben ihrer Parteiarbeit übernahm sie die Redaktion der "Gleichheit - Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen", die sie bis 1921 leitete.

Kurz vor Ende des Ersten Weltkrieges taten sich Frauen unterschiedlicher politischer Richtungen zusammen. Am 25. Oktober 1918 wandten sie sich in einem Schreiben an den Reichskanzler und forderten ein Gespräch über die Verwirklichung von gesetzlicher Gleichberechtigung. Die Liste der Unterschriften wird angeführt von Marie Juchacz für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Das Ansinnen hatte Erfolg: die Frauen in Deutschland erhielten das aktive und passive Wahlrecht.

Am 19. Januar 1919 konnten Frauen erstmals ihr Wahlrecht zur Verfassung gebenden deutschen Nationalversammlung ausüben. Einen Monat später, am 19. Februar 1919 sprach zum ersten Mal eine Frau vor einem deutschen Parlament. Es war Marie Juchacz, die vor die Nationalversammlung in Weimar trat: "Es ist das erste Mal, dass in Deutschland die Frau als Freie und Gleiche im Parlament zum Volke sprechen darf (...) dass wir Frauen dieser Regierung nicht etwa (...) Dank schuldig sind. Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit; sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist." 

Der Nationalversammlung gehörte die Sozialdemokratin bis 1920 an.
 Neben ihrer aktiven politischen Arbeit, vor allem in der Berliner Sozialdemokratischen Frauenbewegung, beteiligte sie sich maßgeblich an der Gründung der Arbeiterwohlfahrt (AWO), deren Vorsitzende sie bis 1933 war.

Bis 1933 gehörte Marie Juchacz auch dem Reichstag an. 1933 floh sie vor den Nationalsozialisten ins Saargebiet, 1935 nach Frankreich und 1941 in die USA. 1949 kehrte sie nach Deutschland zurück und wurde Ehrenvorsitzende der AWO

1956 verstarb sie in Düsseldorf.


Ferdinand Lassalle

Ferdinand Lassalle

Ferdinand Lassalle
(Foto: AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung)

Als Ferdinand Lassalle (1825 bis 1864) den „Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein“ gründete, legte er die Basis für die Entwicklung der „Sozialdemokratischen Partei Deutschlands“ (SPD). Lassalle vereinte zum ersten Mal im deutschsprachigen Raum die Arbeiter in einer Partei.  

Als Sohn eine Seidenhändlers, Heyman Lassal und Rosalie Lassal, wuchs er in behüteten Verhältnissen auf. Es war ihm möglich das Abitur zu erreichen und ein Studium, in den Fächern Geschichte, Archäologie, Philosophie und Philologie abzuschließen.

Während seiner Studienzeit kam er in Berührung mit sozialistischen Ideen, die bei ihm auf fruchtbaren Boden fielen.

Durch seine Reden und Sympathie für die Arbeiterklasse knüpfte Lassalle Verbindungen zu Marx und Engels. Sie standen im regem Briefwechsel miteinander. Dennoch wollte Lassalle die Stärkung der Arbeiterklasse innerhalb der herrschenden Ordnung vollziehen und hoffte mittels des Staates dieses Ziel zu erreichen. Marx und Engels hingegen wollten die Revolution und sahen im Staat eher ein Unterdrückungsinstrument.

Seiner Popularität wegen wurde Ferdinand Lassalle 1863 von Leipziger Arbeitern eingeladen und zum ersten Präsidenten des neugegründeten „Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins“ gewählt. Dieser gilt als die erste Arbeiterpartei Deutschlands und zugleich als eine der Vorläuferorganisationen der heutigen SPD.

Zeitlebens betätigte sich Ferdinand Lassalle als Schriftsteller. Seine Werke beschäftigen sich hauptsächlich mit der Arbeiterbewegung und Verfassungsfragen.

Erich Ollenhauer

Erich Ollenhauer

Erich Ollenhauer
(Foto: AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung)

Der spätere Parteivorsitzende Erich Ollenhauer wurde am 27. März 1901 in Magdeburg geboren. Aufgewachsen in einem sozialdemokratischen Elternhaus, trat er nach der Absolvierung einer kaufmännischen Lehre mit 17 Jahren der SPD bei. Schon als 19-jähriger wurde er 1920 in den Hauptvorstand der SPD gewählt und zum hauptamtlichen Sekretär ernannt. 1921 wurde er Sekretär der Arbeiterjugend-Internationale, seit 1928 amtierte er als Vorsitzender der Sozialistischen Arbeiter-Jugend (SAJ). Mit dem SPD-Parteivorstand, in den er im April 1933 gewählt worden war, emigrierte er zunächst nach Prag, darauf nach Paris, schließlich, 1941, nach London.

Zu Ollenhauers großen Leistungen in dieser Zeit gehört seine Unterstützung der illegalen Arbeit der SPD in Deutschland und seine Vermittlerrolle, die er im März 1941 bei der Gründung der "Union deutscher sozialistischer Organisationen in Großbritannien" - in ihr vereinigte sich die SPD mit allen von ihr vor 1933 abgespaltenen Gruppen - einnahm. Nach dem Tode von Wels und Vogel wurde Ollenhauer als der Repräsentant der Exil-SPD, der zugleich den Brückenschlag zwischen der Weimar- und der Nachkriegs-SPD personifizierte, 1946 zum stellvertretenden SPD-Vorsitzenden gewählt. Die Emigration hatte Ollenhauer in seiner Überzeugung bestärkt, dass für ein demokratisches Gemeinwesen - so sein Credo 1946 - "Sachlichkeit, Menschlichkeit, Rechtsbewusstsein, Toleranz" notwendig seien.

Nach Schumachers Tod wurde er 1952 zum SPD-Vorsitzenden gewählt - getragen von der Sympathie der Mitglieder, weil er auf den menschlichen Zusammenhalt innerhalb der Partei großen Wert legte. In leidenschaftlichen Bundestagsreden opponierte er gegen die Politik Konrad Adenauers, konnte aber keinen Wahlsieg erringen, weshalb er "ein Staatsmann ohne Staatsamt" (Carl Schmid) blieb.

Charakteristisch für seinen Politikstil, der die scharfe Gegnerschaft in der Sache und die Verbindlichkeit in der Form zu vereinigen versuchte, ist seine Erklärung für die Rolle der parlamentarischen Opposition: "Es kommt darauf an, dass wir die sachlichen Positionen der einen und der anderen Seite beziehen und dann feststellen, wo es eine Gemeinsamkeit gibt und wo das nicht der Fall ist."

Erich Ollenhauer unterstützte eine nachgewachsene Führungsgruppe (Erler/Brandt/Wehner), indem er deren organisatorische und programmatische Neuansätze innerhalb der Partei durchzusetzen verhalf. Er starb 1963 in Bonn.

Literaturempfehlung

  • Brigitte Seebacher-Brandt: Ollenhauer. Biedermann und Patriot, Berlin 1984.

Johannes Rau

Johannes Rau

Johannes Rau
(Foto: dpa)

Johannes Rau (1931 bis 2006) war der zweite Sozialdemokrat im Amt des Bundespräsidenten. Für ihn krönte das Amt seinen sich über mehr als 40 Jahre spannenden, verdienstreichen politischen Werdegang. Johannes Rau wirkte in vielen öffentlichen Ämtern: er war Oberbürgermeister in Wuppertal, Landesvorsitzender der SPD und langjähriger Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalens, er war jahrzehntelang Mitglied des Präsidiums der SPD, die er in schwierigen Zeiten 1993 auch einmal kommissarisch führte.

Johannes Rau wollte als Präsident mehr sein als ein Mahner. Er wollte ein politischer Bundespräsident werden, und er wollte ein Präsident der Bürger sein. Schon 1994 war Rau erstmals Kandidat der SPD für das Amt; am 23. Mai 1999 wählte ihn die Bundesversammlung schließlich zum Bundespräsidenten.

Johannes Rau hat Einfluss genommen. Er griff in seinen Reden und seinem Handeln gesellschaftlich drängende Themen wie den sozialen Zusammenhalt, die Zuwanderung, die Bio- und Gentechnik oder die Globalisierung auf. Er stellte sich nicht außerhalb der Politik, sondern warb für Vertrauen in Deutschland und seine politischen Institutionen. Gleichzeitig forderte er in deutlicher Weise von Politikern und Unternehmern in Deutschland mehr Ehrlichkeit und Verantwortungsbewusstsein.

Johannes Rau genoss Vertrauen, nicht nur in Deutschland. Unvergessen geblieben ist seine Versöhnungsgeste, die ihm mit seiner Rede vor dem israelischen Parlament gelang. Am 16. Februar 2000 bat er in der Knesset um Vergebung für die von den Nazis begangenen Gräueltaten. Seine letzte Reise als Präsident führte ihn im April 2004 zu einem anderen schwierigen Partner Deutschlands, nach Polen.

Zeit seines Lebens war Johannes Rau ein Versöhner. Als Bundespräsident überzeugte Rau selbst seine schärfsten Kritiker mit einer ausgewogenen Amtsführung. Seinem aus einem gefestigten Glauben gewachsenen Motto "Versöhnen statt spalten" blieb er auch in dieser Position treu. Johannes Rau war stets auf gesellschaftlichen Zusammenhalt bedacht. Das machte ihn zu einem Politiker, der mehr als nur den Respekt der Menschen genoss. Johannes Rau war beliebt, und er war eine moralische Instanz. Auch als Bundespräsident blieb für ihn soziale Gerechtigkeit das zentrale Motiv seiner Politik.

Der Bundespräsident hat keine politische Macht. Er muss die Kraft der Sprache und das Vertrauen der Bürger und Bürgerinnen nutzen. Das verstand Johannes Rau so gut wie kaum ein zweiter. Er war Bundespräsident, Staatsmann, und ein liebenswürdiger Mensch.

Material

Annemarie Renger

Annemarie Renger

Annemarie Renger
Bundestagspräsidentin Annemarie Renger am Rednerpult im Deutschen Bundestag in Bonn während einer Haushaltsdebatte (Archivfoto vom 21.05.1974). Sie kämpften gegen Männerdünkel in den Parteien, boten dem Kaiser die Stirn und riskierten dafür erhebliche Strafen. Bis zum 15. Mai 1908 war Politik für deutsche Frauen illegal. Dafür, dass sie seit über 100 Jahren in der Männerdomäne Politik mitmischen können, sorgte das Inkrafttreten des Reichsvereinsgesetzes. Während es heute in vielen Parteien weiter Nachholbedarf gibt, haben Frauen an der Staatsspitze bereits große Durchsetzungskraft gezeigt: So wurde Renger als erste Frau 1972 in das höchste Parlamentsamt gewählt. (Foto: dpa)

Annemarie Renger wurde 1919 in Leipzig geboren. Sie besuchte das Berliner Augusta-Lyzeum, was sie jedoch verlassen musste. Aufgrund der elterlichen sozialdemokratischen Gesinnung (sowohl ihr Großvater wie auch ihr Vater waren aktive SPD-Mitglieder) verlor sie ihr Stipendium. Sie begann daraufhin eine Verlagslehre, die sie als Kaufmannsgehilfin abschloss. In diesem Berufsfeld arbeitete sie bis 1945.

Renger trat 1945 der SPD bei und arbeitete fortan als Sekretärin, Krankenschwester und Haushälterin für Kurt Schumacher. Sie wurde zu einer seiner engsten Vertrauten. 

Ab 1953 war sie bis 1990 ununterbrochen Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Anfang der sechziger Jahre war sie weiterhin Mitglied in der Beratenden Versammlung des Europarates und der Westeuropäischen Union. 

Von 1969 bis 1972 war sie Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD Fraktion im Bundestag. Danach wurde sie in das Amt des Bundestagspräsidenten gewählt und stellte somit die erste Frau an der Spitze eines frei gewählten Parlamentes dar. 

Als nach der nächsten Bundestagswahl die CDU/CSU die größte Fraktion und somit den Bundestagspräsidenten stellte, wurde Renger stellvertretendene Bundestagspräsidentin.

Ab den achtziger Jahren übernahm sie verstärkt ehrenamtliche Positionen wie z.B. die Präsidentin des Arbeiter Samariter Bundes.

Die Grande Dame der Sozialdemokratie, der eine Vorliebe für Sportwagen und ein immer perfektes Aussehen nachgesagt wurde, verstarb 2008 in Remagen-Oberwinter.

Elisabeth Selbert

Elisabeth Selbert

Plakate aus dem Nachlass von Elisabeth Selbert
Elisabeth Selbert engagierte sich stark für die deutsche Frauenbewegung, wie Plakate aus dem Nachlass der SPD-Politikerin zeigen. (Foto: dpa)

Martha Elisabeth Selbert, geborene Rohde, wurde 1896 in Kassel geboren. 

Die als eine der vier Mütter des Grundgesetzes bekannte Selbert, besuchte ab 1912 die Gewerbe- und Handelsschule des Frauenbildungsvereins. Aus Mangel an Geld konnte sie sich ihren Wunsch Lehrerin zu werden, nicht erfüllen. So trat sie 1914 eine Stelle im Telegraphendienst der Reichspost an. 

Ihr Ehemann, den sie 1918 in der Zeit der Novemberrevolution kennenlernte, förderte sie und nahm sie mit zu politischen Veranstaltungen. Im gleichen Jahr noch trat sie in die SPD ein. Unzufrieden mit der Lebenswirklichkeit der Frauen in der Weimarer Republik engagierte sie sich politisch und reiste beispielsweise zur Reichsfrauenkonferenz.  

Im Selbststudium holte sie ihr Abitur nach und studierte als eine von sehr wenigen Frauen Rechts- und Staatswissenschaften. Anschließen promovierte sie mit dem Thema „Zerrüttung als Ehescheidungsgrund“. Als sie 1933 für den Reichstag kandidierte, verhinderte die Machtergreifung der Nationalsozialisten ihren Einzug ins Parlament.

Als es daran ging, eine Verfassung für die neu zu gründende Bundesrepublik zu entwerfen, wurde sie in die Verfassungberatende Landesversammlung für Groß-Hessen und anschließend in den Parlamentarischen Rat gewählt. 

Während der erste Vorschlag für den Artikel 3 des Grundgesetzes aus der Weimarer Verfassung einfach übernommen werden sollte, plädierte insbesondere Selbert für eine eindeutigere Aussage. Die Weimarer Verfassung besagte lediglich „Männer und Frauen haben die gleichen staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten“. 

Der Artikel 3 des Grundgesetzes besagt hingegen „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“. Somit ist er ein Auftrag für den Gesetzgeber die Gleichstellung von Mann und Frau voran zu treiben. Dies war Selberts größter Verdienst und zugleich ein Grundstein für die Gleichberechtigung der Frauen in Deutschland.

Nach ihrer Tätigkeit im Parlamentarischen Rat war die Sozialdemokrsatin einige Jahre als Abgeordnete im Hessischen Landtag aktiv. Ende der fünfziger Jahre zog sich Selbert aus der Politik zurück und arbeitete fortan an als Anwältin mit dem Spezialgebiet Familienrecht. Ihre anwaltliche Arbeit beendete sie erst mit 85 Jahren. Fünf Jahre danach verstarb sie 1986 in Kassel.

Ihr zu Ehren vergibt die Hessische Landesregierung alle zwei Jahre den Elisabeth-Selbert-Preis für hervorragende wissenschaftliche Leistungen, die das besondere Verständnis für die besondere Situation der Frau in der Gesellschaft fördern.

Carlo Schmid

Carlo Schmid

Carlo Schmid
(Foto: Deutsches Bundesarchiv)

Unter allen Verfassungsvätern und -müttern des Grundgesetzes war Carlo Schmid der einflussreichste, weil er nicht nur die meisten, sondern auch die zentralen Bestimmungen durchsetzte, die bis heute sehr bedeutend sind.

Carlo Schmid (1896 -1979), ein Sohn deutsch-französischer Eltern, studierte nach der Teilnahme am Ersten Weltkrieg Jura und wurde Landgerichtsrat in Württemberg. Ab Juli 1940 diente er in der Wehrmacht als Kriegsverwaltungsrat in Lille, wo er unter der Gefährdung seines Lebens mit der Résistance kooperierte. Auch deshalb setzten ihn die Franzosen im Oktober 1945 als Regierungschef in Württemberg-Hohenzollern ein, wo er die Verwaltung aufbaute. Seit Sommer 1948 gehörte Schmid dem Parlamentarischen Rat an, der das "Grundgesetz" - Schmid schlug diesen Namen vor, um den provisorischen Charakter des Weststaates zu betonen - beriet. Er verstand die Verfassung als eine Werteordnung, weshalb er die Grundrechte an den Anfang stellte. Schmid bestimmte die starke Stellung des Kanzlers, indem er das "Konstruktive Misstrauensvotum" durchsetzte und schuf die zentrale Position der Parteien, deren Aufgabe er in der "Mitwirkung an der Willensbildung des Volkes" definierte.

Schmid wollte auch die ungehemmte Entfaltung des Nationalstaates überwinden, indem er dem Bund die Möglichkeit gab, Hoheitsrechte auf zwischenstaatliche Einrichtungen zu übertragen und sich in ein System gegenseitiger kollektiver Sicherheit einzuordnen. Nach 1949 besaß er als Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages großen Einfluss. Schmid war zwischen 1947 und 1961 einer der populärsten westdeutschen Sozialdemokraten; er wäre ein hervorragender Bundespräsident geworden. 1959 aber scheiterte seine Wahl am Widerstand der CDU.

Schmid hatte aus den nationalsozialistischen Verbrechen die persönliche Konsequenz gezogen, mit einer überwiegend politikfernen Vergangenheit zu brechen und "sich einzumischen". Er verstand die SPD als "Freiheitsbewegung" und warnte: "Demokratie als eine den ganzen Bereich des Staates überwölbende Lebensform wird unglaubhaft, wenn dort, wo unzählige Bürger den Schwerpunkt ihrer Existenz haben, sie ohne den Schutz einer von ihnen gewählten Interessenvertretung bleiben sollen." Von umfassender Bildung war Schmid ein Meister der Kommunikation. Er erwarb sich vor allem Verdienste um die Aussöhnung mit Frankreich, Polen und Israel.

Literaturempfehlung

  • Petra Weber: Carlo Schmid 1896-1979. Eine Biographie. Beck Verlag, München 1996 (auch Suhrkamp-Taschenbuch 2912, Frankfurt am Main 1998).

Helmut Schmidt

Helmut Schmidt

Helmut Schmidt
(Foto: dpa)

Von allen Kanzlern der Bundesrepublik war Helmut Schmidt der am besten auf sein Amt vorbereitete. Er war seit 1953 der SPD-Verkehrsexperte im Bundestag, von 1961-65 Innensenator von Hamburg, seit Februar 1967 SPD-Fraktionsvorsitzender im Bundestag und gehörte seit 1969 der SPD-FDP-Bundesregierung zunächst als Verteidigungs- und dann als Finanzminister an, bevor er im Mai 1974 das Kanzleramt übernahm. Schmidt hat am glücklichen Verlauf der alten Bundesrepublik deshalb einen bedeutenden Anteil, weil er als Bundeskanzler bewiesen hat, woran es der deutschen Politik oft gefehlt hat - in akuten wie dauerhaften Krisen das jeweils Richtige zu entscheiden und durchzusetzen.

Helmut Schmidt wurde am 23. Dezember 1918 als Sohn eines Studienrats in Hamburg geboren. Er gehört zu jener "zornigen Generation", die von Hitler und seinen Spießgesellen durch Arbeitsdienst, Wehrmacht und Kriegsgefangenschaft um mindestens ein Jahrzehnt - oft das wichtigste - ihres Lebens betrogen worden ist. Als ihr das ganze Ausmaß der Barbareien des NS-Regimes bekannt geworden war, prägte und einte diese Generation über die parteipolitischen Gräben der Nachkriegszeit hinweg der insgeheime Konsens des "Nie wieder!"

Im Winter 1945 begann Schmidt sein Studium der Volkswirtschaftslehre. Bereits als Student engagierte er sich politisch - 1946 trat er in die SPD ein und wurde zum Vorsitzenden des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) gewählt. Seit 1953 gehörte er dem Bundestag als Abgeordneter an.

Die trotz weltwirtschaftlicher Dauerkrise während der zweiten Hälfte der siebziger Jahre in der Bundesrepublik weitgehend gelungene Integration der großen gesellschaftlichen Gruppen beruhte nicht nur auf strukturellen Voraussetzungen. Helmut Schmidt hat daran einen bedeutenden Anteil, weil die von ihm geführte sozialliberale Bundesregierung den Kurs der Integration durch sozialen Ausgleich wie durch geregelten Konflikt verfolgte. Die zunehmende Entfernung der FDP-Führung von diesem sozialliberalen Grundmuster, vor allem in den Fragen der Mitbestimmung wie denen der - stets nur relativ möglichen - Verteilungs- und Belastungsgerechtigkeit war - nachdem die SPD 1976 und 1980 mit Schmidt als Spitzenkandidaten große Wahlerfolge erzielt hatte - einer der Hauptgründe für das Ende der Schmidt-Regierung.

Während seiner Regierungszeit als Bundeskanzler (1974-82) setzte Schmidt in seiner Europapolitik nach dem Ende des dollargestützten Weltwährungssystems und veranlasst durch die von Ölpreiskrisen verschärfte internationale Wirtschaftskrise besonders auf die deutsch-französische Kooperation. Zusammen mit dem französischen Staatspräsidenten Giscard d`Estaing rief er 1975 die Zusammenarbeit der großen westlichen Industriestaaten (G 7) ins Leben. Vor allem aufgrund seiner Initiative konnte 1978/ und 1979 das Europäische Währungssystem (EWS) gegründet werden, das die europäischen Wechselkurse festlegte. Es stellte einen wichtigen Gegenstand europäischer Identität und Unabhängigkeit in einer Zeit dar, in der die Versuchung nationaler Alleingänge - meist auf Kosten der Nachbarn - besonders groß war.

In seiner Sicherheitspolitik konnte Schmidt auf Rüstungskonzepte zurückgreifen, die er bereits seit Ende der 50er Jahre entwickelt hatte und die für lange Jahre ihren Rang als wichtigster deutscher Beitrag zur westlichen Strategiediskussion behaupteten. Durch die Stationierung neuer Mittelstreckenraketen, der sogenannten SS 20, verstieß die Sowjetunion seit Mitte der 1970er Jahre in den Augen Schmidts nicht nur gegen das militärische Gleichgewicht der beiden Militärblöcke, sondern setzte die Bundesrepublik auch der Gefahr aus, durch politische Erpressung seitens der Sowjetunion vom Westen abgetrennt zu werden. Deshalb initiierte er 1979 den sogenannten "Nato-Doppelbeschluss", nach dem, falls Moskau nicht bereit sein würde, seine Vorrüstung abzubauen, auf westlicher Seite mit ähnlichen Waffensystemen nachgerüstet werde. Eine immer breiter werdende nuklearpazifistische Bewegung in der Bundesrepublik und Vorbehalte gegen die abstrakte Kälte des Abschreckungssystems auch in den Reihen der SPD hat die Legitimität von Schmidts Kanzlerschaft immer mehr in Zweifel gezogen. Aber die Gründe, die Gorbatschow schließlich bewogen, der völligen Abschaffung der Mittelstreckensysteme auf beiden Seiten zuzustimmen, bestätigten die Richtigkeit von Schmidts Politik.

Seit Ende seiner Kanzlerschaft ist Helmut Schmidt Herausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit" und publiziert zahlreiche Bücher zu politischen Fragen.

Literaturempfehlung

  • Harald Steffahn: Helmut Schmidt in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Reinbek bei Hamburg 1990.
  • Inge Marßolek/Heinrich Potthoff (Herausgeber): Durchbruch zum modernen Deutschland? Die Sozialdemokratie in der Regierungsverantwortung 1966-1982. Klartext-Verlag, Essen 1994

Gerhard Schröder

Gerhard Schröder

Altbundeskanzler Gerhard Schröder
(Foto: dpa)

Als dritter Sozialdemokrat zieht Gerhard Schröder 1998 ins Kanzleramt ein und formt die erste rot-grüne Regierung auf Bundesebene. Dabei setzt Schröder Zeichen, die weit über seiner Amtszeit hinausreichen. 

So ist 2003 sein klares Nein zum Irak-Krieg der amerikanischen Busch-Administration Ausdruck neuer Souveränität des geeinten Deutschlands in zentralen Fragen der internationalen Politik. Im Jahr zuvor setzt er nach harten Verhandlungen mit den Energiekonzernen den Atomausstieg um und leitet damit auch den entschlossenen Ausbau von Erneuerbaren Energien ein. Als humanitäre Intervention im Kosovo geht die Bundeswehr 1999 in ihren ersten Auslandseinsatz.

Umstritten bleibt bis heute Schröders Reformpolitik, die unter dem Schlagwort Agenda 2010 in die Geschichtsbücher einging. Insbesondere der Teilbereich um die Neuordnung von Arbeitslosengeld und Sozialhilfe – Hartz IV – hat neben Befürwortern auch zahlreiche Kritiker auf den Plan gerufen. Vergleichsweise weniger Beachtung finden hingegen andere Reformen, die ebenfalls Teil der Agenda-Politik sind, und die als bedeutender gesellschaftspolitischer Fortschritt heute parteiübergreifend anerkann sind: der Ausbau der Kinderbetreuung etwa oder auch das Vier-Milliarden-Programm für Ganztagsschulen – anfangs hart von der Union bekämpft, weil konservative Ministerpräsidenten es als Angriff auf die Bildungshoheit der Länder interpretieren.

Nach der für die SPD verlorenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2005 sieht Schröder nicht mehr ausreichend Unterstützung für seine Politik. Eine Vertrauensfrage im Deutschen Bundestag führt schließlich zu Neuwahlen, die er im Herbst des Jahres nur knapp gegen Angela Merkels CDU verliert.

Aus einfachen Verhältnissen kommend, hat sich Gerhard Schröder hochgearbeitet.  Geboren wird er in Lippe-Westfalen als Sohn eines Hilfsarbeiters, der im Krieg fällt. Politisch geprägt wird er auch durch seine Mutter, die mit einfachen Arbeiten die Familie durchbringt, und die er eine „geborene Sozialdemokratin“ nennt.

Nach Hauptschulabschluss und Lehre zum Einzelhandelskaufmann holt er 1964 an der Abendschule die Mittlere Reife nach. Ein Jahr zuvor tritt er in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands ein, macht 1966 am Westfalen-Kolleg das Abitur und studiert anschließend in Göttingen Rechtswissenschaften. 1976 wird Schröder als Rechtsanwalt in Hannover zugelassen.

Seine politische Karriere startet er 1978 als Bundesvorsitzender der Jusos. Von 1980 bis 1986 ist er Bundestagsabgeordneter und geht anschließend zurück nach Hannover als Chef der niedersächsischen Landtagsfraktion. 1989 wird er Mitglied des SPD-Präsidiums, ein Jahr später Ministerpräsident von Niedersachsen mit einer Koalition von SPD und Grünen. Den Wettbewerb mit Oskar Lafontaine um die Kanzlerkandidatur der SPD 1998 entscheidet Schröder am 1. März desselben Jahres mit seinem klaren Wahlsieg bei der niedersächsischen Landtagswahl für sich – und führt die SPD am 27. September nach 16 Jahren Kohl wieder in Regierungsverantwortung.

Kurt Schumacher

Kurt Schumacher

Kurt Schumacher
Kurt Schumacher, 1950 (Foto: AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung))

Kurt Schumacher wurde am 13. Oktober 1895 in Kulm geboren. Nachdem dem Erwerb des Abiturs studierte er Rechtswissenschaften und Nationalökonomie. Kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs meldete sich Schumacher als Kriegsfreiwilliger. Im Militärdienst verlore er seinen rechten Arm.

Im Revolutionsjahr 1918 entschied sich Schumacher für die Mitgliedschaft in der SPD. Zwei Jahre später arbeitete er für die sozialdemokratische Zeitung „Schwäbische Tagwacht“ in Stuttgart. 1924 wurde er in den württembergischen Landtag und ab 1930 in den Reichstag gewählt. Aufgrund seiner unversöhnlichen Gegnerschaft zur Herrschaft der Nationalsozialisten inhaftierte man ihn 1933 bis 1944 in mehreren Konzentrationslagern.

Nach dem Endes des Zweiten Weltkrieges 1945 wurde Schumacher zum lokalen Vorsitzenden der SPD in Hannover gewählt, obwohl noch ein generelles Parteiverbot in der britischen Besatzungszone galt. Schnell stieg er zu einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der Sozialdemokratie auf und baute die SPD in den westlichen Besatzungszonen wieder auf. 

Dabei trat er allen Bestrebungen einer Einigung zwischen SPD und KPD aufs heftigste entgegen, da hierbei zwei völlig unterschiedliche politische Kulturen vermengt würden. 

Schumacher erwarb sich große Verdienste, in dem er die SPD für unterschiedliche, demokratisch linkseingestellte Gruppierungen öffnete. Insbesondere die Jugend, die zum Teil nur den Nationalsozialismus kannte, verehrte ihn besonders für seine strikte Ablehnung des Nazi-Regimes.

Als erster Fraktionsvorsitzender der SPD im Deutschen Bundestag setzte er sich gegen die Wiederbewaffnung und die Westintegration Adenauers ein, weil er damit die Deutsche Einheit gefährdet sah. Ein besonderes Anliegen war ihm die gleichberechtigte Rolle Deutschlands in Europa.

Kurt Schumacher starb am 20. August 1952 in Bonn.

Herbert Wehner

Herbert Wehner

Herbert Wehner
(Foto: Deutsches Bundesarchiv )

Als sich Herbert Wehner im Herbst 1946 der SPD anschloss, besaß er bereits eine bewegte politische Biographie. Der Sohn einer Arbeiterfamilie - er wurde am 11. Juli 1906 in Dresden geboren - entwickelte früh seinen grundsätzlichen Protest gegen die Machtverhältnisse in Staat und Gesellschaft. Sein politisches Denken wurde vor allem von den Ideen Michail Bakunins, Gustav Landauers und Rosa Luxemburgs beeinflusst. 1927 trat er der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) bei, bereits drei Jahre später wurde Wehner als zweitjüngster Abgeordneter in den sächsischen Landtag gewählt. In der Funktion des technischen Sekretärs des KPD-Politbüros in Berlin (seit 1932) wuchs er in eine führende Rolle des illegalen Widerstandes dieser Partei hinein. Seit Anfang 1937 in Moskau, geriet er in die Maschinerie der Stalinschen "großen Säuberung" (darüber berichtet er in seinem Buch "Zeugnis", 1982). Ab 1941 sollte er von Schweden aus die illegale KPD in Deutschland aufbauen, wurde jedoch 1942 dort verhaftet und bis Sommer 1944 inhaftiert. Während dieser Zeit löste er sich nach langem inneren Ringen von der KPD.

Seit 1949 gehörte er dem Bundestag an. Er trat 1959 in Godesberg vehement für das neue SPD-Grundsatzprogramm ein ("Glaubt einem Gebrannten!") und besaß einen wesentlichen Anteil daran, die SPD koalitionsfähig zu machen. Für die Partei erkannte er im Juni 1960 die Westintegration als Grundlage der westdeutschen Außenpolitik an und meinte: "Das geteilte Deutschland kann nicht unheilbar miteinander verfeindete christliche Demokraten und Sozialdemokraten ertragen." Wehner war zunächst (1949-66) Vorsitzender des Gesamtdeutschen Ausschusses im Bundestag, 1966-69 amtierte er als Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen. In seiner politischen Arbeit - Wehner war von 1969 bis zu seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik 1983 SPD-Fraktionsvorsitzender im Bundestag - sah er seine Aufgabe vor allem darin, die Regierungsfähigkeit der SPD zu garantieren. Mit oft schroffen sprachlichen Formen erregte er während der Parlamentsdebatten großes Aufsehen; sie machten die Tiefe der Brüche in seinem Lebensweg sichtbar. Besondere Verdienste erwarb er sich um die Aussöhnung mit Deutschlands östlichen Nachbarn, vor allem den Polen. Wehner starb im Januar 1990 in Bonn.

Literaturempfehlung

  • Alfred Freudenhammer/Karl-Heinz Vater: Herbert Wehner. Rowohlt Verlag, Reinbek 1978.
  • Hartmut Soell: Der junge Wehner. Zwischen revolutionärem Mythos und praktischer Vernunft. Stuttgart 1991.

Christoph Meyer: Herbert Wehner. Biographie, München 2006.

Weitere Informationen zur Person und zum Wirken Herbert Wehners finden Sie beim Herbert-Wehner-Bildungswerk.

Otto Wels

Otto Wels

Otto Wels am Rednerpult, 1932
Otto Wels am Rednerpult, 1932 (Foto: AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung)

Der in Berlin 1873 geborene Otto Wels führte die SPD in der schweren Zeit des Exils von 1933 bis zu seinem Tod 1939 an. Er leitete die Geschäfte des Vorstandes und koordinierte den Widerstand aus den Reihen der SPD gegen das Nazi-Regime.

Wels absolvierte nach der Schule eine Ausbildung als Tapezierer. Nach dem Militärdienst besuchte er die SPD-Parteischule und begann sich hauptamtlich politisch zu beschäftigen. 1907 wurde er Parteisekretär für den Bereich Brandenburg und arbeitete nebenbei für den „Vorwärts“. Kurze Zeit später zog Wels in den Reichstag ein. 1913 wurde der Sozialdemokrat auf Vorschlag von August Bebel in den Parteivorstand der SPD gewählt.
 
Nach der Novemberrevolution war er in der Nationalversammlung an der Ausarbeitung der Verfassung für die Weimarer Republik beteiligt und gehörte bis zum Verbot der SPD 1933 auch dem Reichstag an. Als das Ermächtigungsgesetz zur Abstimmung gebracht wurde, war es Otto Wels, der als Fraktionsführer der Sozialdemokraten die ablehnende Position mit den Worten: „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.“ verteidigte. Alle anwesenden SPD Abgeordnete stimmten als einzige gegen das Gesetz - obwohl SA-Truppen diese versuchten einzuschüchtern.

Nachdem die Verfolgung auf die Mitglieder der SPD zunahm, flüchtet der SPD-Parteivorstand ins Exil. Als Parteivorsitzender organisierte Wels weiterhin den Widerstand in Deutschland. Otto Wels starb 1939 im Exil in Paris.