Elfriede Hoffmann starb am 14. Februar 2010 in ihrem 84. Lebensjahr.
Als Kind einer Arbeiterfamilie in Königsberg aufgewachsen, besuchte sie die Volksschule, danach die Handelsschule und arbeitete zunächst als Sekretärin und Verwaltungsangestellte.
1945 geriet sie in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der sie erst 1950 mit ihrem Sohn zurückkehrte.
Fünf Jahre arbeitete sie in der Lübecker Metallindustrie, engagierte sich in der IG Metall, wurde Betriebsratsmitglied ihres Unternehmens und war schon damals Vorsitzende des Frauenausschusses der IG Metall in Lübeck.
Sie nutzte die Chance als engagiertes Gewerkschaftsmitglied und besuchte die Akademie für Gemeinwirtschaft in Hamburg. Mit ihrem Abschluss als Diplomsozialwirt 1957 begann sie ihr neues Berufsleben als hauptamtliche Gewerkschaftsfunktionärin.
Sie arbeitete für die IG Metall, für die IG Bergbau und Energie, beim Deutschen Gewerkschaftsbund und zuletzt als gewähltes geschäftsführendes Hauptvorstandsmitglied der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen. Dort verantwortete sie die Bereiche Sozialpolitik, Personal, Frauen und Vermögensverwaltung.
Sie arbeitete in ihren verschiedenen Funktionen auf der lokalen, regionalen und sehr bald auf der Bundesebene. Dabei waren ihre wichtigsten Betätigungsfelder immer wieder die Sozialpolitik und die Frauen.
Diese politischen Fragen bestimmten auch ihr Engagement in der SPD, der sie seit 1953 angehörte.
Als die ASF gegründet war und ihren ersten Bundesvorstand 1973 wählte, war auch Elfriede Hoffmann dabei. 1977 wurde sie Nachfolgerin der ersten ASF-Vorsitzenden Elfriede Eilers. Kurze Zeit später wurde sie in den Parteivorstand der SPD gewählt.
Elfriede Hoffmann hatte es mit einer drängenden und nach schnellen Fortschritten rufenden Frauengeneration zu tun.
Nach Stillstand und Rückschlägen in der Adenauerzeit hatte die sozialliberale Koalition wesentliche Schritte zur Gleichstellung von Frau und Mann eingeleitet, hatte das Familienrecht entrümpelt, die Rechte der nichtehelichen Kinder und deren Mütter von Grund auf neu gestaltet, die Frage des Schwangerschaftsabbruchs heftig diskutiert.
Dennoch stießen Frauen immer wieder gegen Mauern, vor allem im Beruf, aber auch in der eigenen Partei und in den Gewerkschaften.
Deshalb verlangte die ASF gleiche Beteiligung von Frauen und Männern in der SPD. Elfriede Hoffmann wollte das Ziel mit einer Quotenregelung für Frauen entsprechend dem Mitgliederanteil an Frauen erreichen.
Die ASF-Frauen lehnten das aber ab, sie wollten mehr und erwarteten ein eindeutiges Engagement von männlichen Vorstandsmitgliedern. Schließlich wurde eine paritätisch besetzte Arbeitsgruppe Gleichstellung des SPD-Parteivorstandes gegründet, deren Vorsitzende Elfriede Hoffmann und Willy Brandt waren.
Die Arbeit dieser Arbeitsgruppe sollte wesentlich länger dauern als die Vorsitzendenzeit von Elfriede Hoffmann. Erst nach einem Jahrzehnt schlugen sich die Ergebnisse im neuen Programm der SPD und in Satzungsbeschlüssen nieder. Der Grundstein wurde aber unter ihrem Vorsitz gelegt.
Mit vier Jahren Amtszeit war sie eine Vorsitzende, die den Übergang moderierte und begleitete. Die ASF formierte sich neu, knüpfte neue Verbindungen zu anderen Frauenorganisationen, auch zur autonomen Frauenbewegung, wurde auch international aktiv und brachte sich in die Sozialistische Fraueninternationale ein.
Als sie sich nach vier Jahren aus beruflichen Gründen vom Vorsitz zurückziehen musste, hatte die ASF Fahrt aufgenommen, begann sich zu einer schlagkräftigen Frauenorganisation zu entwickeln.
Das war auch deshalb möglich, weil die vor allem auf das Berufsleben orientierte Elfriede Hoffmann mit ihren Stellvertreterinnen offen kooperierte, zusätzliche Ideen und Ziele zuließ und unterstützte.
Sie ist bis zu ihrem Lebensende der Arbeit der ASF verbunden geblieben, nahm an allen Bundeskonferenzen teil und gab in den Bundesausschusssitzungen manchen guten Rat. Wir werden sie vermissen.