Jugend und Bildung
Bildungsverweigerer
"Wenn Du glaubst, Bildung sei teuer, dann probier aus, was Dummheit kostet", sagt der US-Jurist und Harvard-Professor Derek Bok. Und wie steht es um die Bildung in Deutschland? Zigtausende verlassen jedes Jahr die Schule ohne Abschluss. Oft die Kinder ärmerer Familien. Viele finden keinen Ausbildungsplatz - trotz Schulabschluss.
Selbst schuld? Es scheint schwierig, allen Kindern eine gute Ausbildung zu bieten. Aber warum klappt das in anderen Ländern? Sind wir ein Volk von "Bildungsverweigerern"?
Die Herkunft entscheidet
Schon zur Geburt sind für Viele die Weichen gestellt, die Chancen ungleich verteilt. Einigen steht die Welt offen. Andere gehen leer aus – das hängt allzu oft vom Bankkonto der Eltern ab. Warum ist das immer noch so? Und was heißt das für die Zukunft unseres Landes?
Gut genug für die Kleinen?
Was muss gute Kinderbetreuung heute leisten? Für die Kleinen und für die Großen? Alle Eltern, die es wollen, sollen einen Platz für ihr Kind bekommen. Egal, ob es drei Jahre alt ist oder jünger. Die Kinder sollen Spaß haben, Neues zu entdecken, zu lernen. Die Kita soll auch nicht schon mittags schließen. Und sie soll nicht zu teuer sein. Manches ist schon besser geworden in den letzten Jahren. Aber reicht das? Gibt es ausreichend Kita-Plätze? Ist die Betreuung gut genug? Und muss die Kita überhaupt etwas kosten?
Frühe Weichenstellung raubt Chancen
Bei der Einschulung zeigt sich: Jedes Kind hat andere Stärken und Schwächen. Manche wurden außerdem früh besonders gefördert, können vielleicht schon lesen und schreiben. Andere brauchen etwas mehr Zeit. Trotzdem müssen Eltern in vielen Bundesländern schon für ihre neun- oder zehnjährigen Kinder entscheiden, ob ein Gymnasium, die Real- oder Hauptschule das Richtige ist. Ist das sinnvoll? Oder nimmt es vielen Kindern die Chance, ihre Stärken zu entwickeln?
Wer zahlt?
Bildung ist nach dem Grundgesetz Sache der Länder. Sie entscheiden, was sich an Schulen und Hochschulen tut, was gelehrt wird, was sich ändern muss. Doch die Kosten für Verbesserungen können manche Länder schlechter schultern als andere. Die Folge: Das Bildungsniveau, die Qualität der Schulen und Hochschulen sind von Land zu Land verschieden. Wer einmal mit einem Schulkind in ein anderes Bundesland umgezogen ist, weiß, was das bedeutet. Aber muss das so kompliziert bleiben? Ließe sich finanzielle Hilfe vom Bund für Länder und Regionen nicht zeitgemäßer organisieren?
... eine Frage des Geldes
Was ist uns gute Bildung wert? Gut ausgebildete Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Fachräume, Lehrmittel – das alles kostet Geld. Als eines der reichsten Völker der Erde haben wir beste Voraussetzungen. Trotzdem geben wir zu wenig für Bildung, Wissenschaft und Forschung aus. Andere Länder strengen sich mehr an. Können wir uns das wirklich leisten? Leben wir nicht von den Ideen und Erfindungen der Menschen in diesem Land? Von gut ausgebildeten Menschen? Aber wenn Bildung uns viel Geld wert ist – an wen soll dann die Rechnung gehen: Sollen Eltern tiefer in die Tasche greifen für den Kitaplatz, die Ganztagsschule, das Hochschulstudium ihrer Kinder? Oder ist es Sache der Gesellschaft, gute Bildung für alle zu garantieren?
Wussten Sie eigentlich ...
- ... dass jedes Jahr beinahe 60.000 Schülerinnen und Schüler die Schule ohne Abschluss verlassen?
- ... dass 1,5 Mio. junge Erwachsene zwischen 20 und 29 Jahren keinen Berufsabschluss haben?
- ... dass im Jahr 2002 nur 10% der Schüler eine Ganztagsschule besucht haben, im Jahr 2010 aber schon fast 30%?
Wir haben was zu bieten
Gute Bildung für alle steht im Mittelpunkt der SPD-Politik - schon seit ihrer Gründung.
Unser Ziel bleibt: gleiche Chancen für jeden und jede, die mehr aus sich machen wollen.
Die Herkunft darf keine Rolle spielen
Gerechtigkeit ist der Ausgangspunkt sozialdemokratischer Bildungspolitik. Gerecht ist, wenn alle Kinder die gleiche Chance auf beste Bildung haben. Egal, ob die Eltern reich sind oder nicht. Das bedeutet: Kitas müssen mehr leisten als nur Betreuung. Kinder lernen in frühen Jahren schon vieles, was später wichtig wird. Sie entdecken ihre Stärken und Talente. Sie brauchen Förderung, und zwar so, dass sie Spaß haben zu lernen. Das heißt: Die Anforderungen an Erzieherinnen und Erzieher sind gestiegen. Die Antwort darauf muss lauten: optimale Ausbildung und Anerkennung durch bessere Bezahlung.
- Lernen braucht Zeit. Die gibt es zum Beispiel in einer Ganztagsschule – mehr Möglichkeiten für bessere Förderung. Für die starken Schülerinnen und Schüler – und für die schwächeren. Wichtig ist auch, dass alle Kinder jeden Schulabschluss erreichen können. Es soll nicht schon in der fünften Klasse klar sein, wer Abitur macht und wer nicht.
- Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist die Grundlage für ein erfolgreiches Berufsleben. Darum will die SPD das Recht auf Ausbildung garantieren und mehr Studienplätze einrichten – vor allem für das Master Studium.
- Gute Bildung von der Kita bis zur Uni. Das sollen sich alle leisten können. Darum wird es mit der SPD keine Studiengebühren geben. Kita-Beiträge werden schrittweise abgeschafft. Schülerinnen, Schüler und Studierende mit wenig Geld können auf ein starkes BAföG setzen.
Jugendpolitik
Die SPD will Politik für die Jugend bündeln und aufwerten. Denn Jugendliche brauchen mehr Rechte – auch, damit ihre Interessen ernster genommen werden. Darum sollen sie wählen können, ab 16 Jahren. Auch bei der Bundestagswahl.
In Menschen investieren
Weil gute Bildung Geld kostet, will die SPD investieren: in die Menschen in unserem Land, in ihre Talente – in unsere Zukunft. Konkret heißt das: 20 Milliarden Euro zusätzlich pro Jahr.
Gemeinsam für bessere Bildung
Bund und Länder müssen stärker zusammenarbeiten, um unser Bildungssystem wieder modern zu machen. Doch das so genannte "Kooperationsverbot" im Grundgesetz verhindert das. Wir sagen: Das ist nicht mehr zeitgemäß und muss abgeschafft werden.