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04. December 2014 - Jochen Wiemken

„Wir lassen die Familien nicht alleine“

Eine Frau umarmt ihre im Bett liegende Mutter als Symbol für das Thema Pflege
Mehr Zeit und Hilfen für pflegende Angehörige (Foto: LeventeGyori/Shutterstock.com)

Pflege zu Hause trotz Job: Viele Angehörige gehen über ihre Grenzen hinaus, um sich etwa um die pflegebedürftige Mutter oder den kranken Vater zu kümmern. Nun bekommen sie mehr Rechte - und mehr Geld. Am Donnerstag hat der Bundestag das Gesetz zur Familienpflegezeit beschlossen.

„Stellen Sie sich vor, der Vater hat einen Schlaganfall. Die Familie steht plötzlich vor der Frage: was nun? Künftig besteht für die Angehörigen die Möglichkeit, bis zu zehn Tage aus dem Job auszusteigen, um akut eine Lösung zu finden. Neu ist, dass diese zehn Tage finanziell unterstützt werden. Das ermöglicht allen - unabhängig vom Einkommen - sich zu kümmern“, sagte Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) kürzlich der „Süddeutschen Zeitung“. „Das ist für mich eine Gerechtigkeitsfrage. Wir lassen die Familie nicht alleine.“

Mehr Zeit und Hilfen für pflegende Angehörige

Bei einem plötzlichen Pflegefall in der Familie können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer künftig zehn Tage lang bezahlt vom Job pausieren. Bis zu zwei Jahre können sie zudem künftig kürzer treten: Sie bekommen einen Rechtsanspruch auf sechs Monate Pflegezeit, also auf eine komplette Auszeit, sowie auf bis zu 24 Monate Familienpflegezeit mit einer Reduzierung der Arbeitszeit auf bis zu 15 Stunden. Einen entsprechenden Gesetzentwurf beschloss der Bundestag am Donnerstag in Berlin.


10 Tage fern vom Job – finanziell abgesichert

Die zehntägige Auszeit ist zur Organisation der Pflege vorgesehen. Der Lohnersatz soll ab 1. Januar bis zu 90 Prozent des Nettoeinkommens betragen. Die Auszeit gab es bislang zwar schon - allerdings unbezahlt. Das ändert sich. Zur Finanzierung dieses Pflegeunterstützungsgelds werden aus der Pflegekasse rund 100 Millionen Euro bereitgestellt.



Auszeit mit Rechtsanspruch auf zinsloses Darlehen

Beschäftigte in Unternehmen mit mehr als 15 Mitarbeitern können heute schon sechs Monate ganz oder teilweise aus dem Job aussteigen, um sich um einen kranken Angehörigen zu kümmern. Neu ist, dass sie künftig einen Rechtsanspruch darauf haben, für diese Zeit ein zinsloses Darlehen aufzunehmen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. „Das nutzt gerade denen, die sich einen kompletten Verdienstausfall nicht leisten können. Und für die Pflegenden kann es in dieser Zeit ja auch Pflegegeld geben“, erklärt Schwesig.

Außerdem wird es in Zukunft für Beschäftigte in Unternehmen mit mehr als 25 Mitarbeitern möglich sein, eine 24-monatige Pflegezeit mit einer Reduzierung der Arbeitszeit auf bis zu 15 Stunden zu nehmen. Auch hier gibt es die Möglichkeit, ein zinsloses Darlehen zu beantragen.

Mehr Angehörige profitieren

„Das Gesetz zielt jedenfalls darauf ab, dass mehrere Angehörige sich gemeinsam kümmern. Das müssen nicht nur die Kinder sein“, stellt die Familienministerin klar. „Künftig ist es möglich, eine Pflegeauszeit zu nehmen, wenn der Stiefvater oder die Stiefmutter, Schwager oder Schwägerin pflegebedürftig sind. Und: Die neuen Regelungen gelten auch für homosexuelle Paare, die nicht verheiratet sind“, so Schwesig.

Sterbebegleitung möglich

Ab 2015 können Angehörige in der letzten Lebensphase des pflegebedürftigen Familienmitglieds drei Monate lang weniger arbeiten oder auch ganz auszusetzen. Dieser Rechtsanspruch gilt auch für die Betreuung eines pflegebedürftigen minderjährigen Kindes.



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13. December 2014 • 12:24 Antworten

kalli1602

10 Tage fern vom job bei 90% netto vom Lohn, klingt schön, doch bei dem von der SPD unterstützen Niedriglohnsektor für die meisten Familien nicht machbar da die meist zum teil ALG2 Aufstocker sind, wenn diese nun dazu Ihr einkommen Senken bekommen sie eine Sanktion der Jobcenter. Kümmert euch mal bitte mehr um die Abschaffung der Sklaven Arbeit durch die Jobcenter sowei die begrenzung der Leiharbeit, den das einzigste was damit geförtert wird ist der Lohn Dumping.

07. December 2014 • 18:17 Antworten
Profilbild von speedy

speedy

Es tut mir leid aber genau das tut ihr.Ihr lässt die Unter- und Mittelschicht alleine mit dem Problem der Pflegekosten.Wir die Leistungsträger werden diese finanziellen Lasten nicht stemmen können.Viele Kinder oder auch Eltern von Pflegebedürftigen Kindern werden unter dieser Last entweder hoffnungslos verschuldet werden oder sich den Tod dieser Angehörigen zumindest im Geheimen wünschen.Das die Politiker diese sozialpolitische Zeitbombe nicht sehen wollen ist eine Katastrophe aber wer Hartz 4 entwickelt hat der kann die Lösung bei der Pflege nicht sein.Es gibt einen Krieg von den Reichen zu den Ärmeren und wenn ihr das nicht begreift werdet ihr kein einziges Problem lösen.Dies ist die Quintesenz der letzten 30 Jahre egal wer an der Regierung ist oder in Regierungsverantwortung kommt.Viele versprechen von allen Seiten und vorallem für was brauchen wir Politiker wenn sie alles nur noch schlimmer machen?Egal bei welchem Thema.

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05. December 2014 • 11:34 Antworten

Heinrich I

Daß dies alles nicht der Weisheit letzter Schluß ist, ist wohl jedem klar, aber es ist schon beachtlich daß überhaupt etwas angestoßen wird. Für dieses Schrittchen mußte wohl mit unserem fanatisch christlichen Koalitionspartner schweißtreibend verhandelt werden. Der Ideenreichtum aus dieser Ecke ist einfach nur schwindelerregend.