arrow-leftarrow-rightclosecontrastdownloadeasy-languagefacebookinstagrammailmenueMinusPlusprintsearchsoundtarget-blanktwitteryoutube
Inhaltsbereich

Was geschah danach?

Was geschah danach?

dpa

9. Oktober 1989: Eine Gruppe von Demonstranten geht mit einem Transparent, auf dem «Wir wollen keine Gewalt! Wir wollen Veränderungen!» zu lesen ist, bei der Montagsdemonstration durch Leipzig.

9. Oktober 1989: Tag der Entscheidung bei Montagsdemonstrationen in Leipzig

Am Abend erlebt Leipzig die größte Protestdemonstration der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) seit dem 17. Juni 1953. 70.000 Menschen ziehen nach den Friedensgebeten durch die Innenstadt. Die bereitstehenden 8.000 Polizisten, Angehörige der Betriebs-Kampfgruppen und auch Soldaten der Nationalen Volks Armee (NVA) kamen nicht zum Einsatz.

An diesem Tag setzt sich die Bevölkerung erstmals mit Rufen: "Keine Gewalt" und "Wir sind das Volk" auf offener Straße dem Staat gegenüber durch.

An den folgenden Montagen steigt die Zahl der Demonstranten weiter an. Jene Hunderttausende, die Montag für Montag über den Leipziger Ring ziehen, zeigen ihren festen Willen, sich nicht mit Tricks und kosmetischen Veränderungen der DDR-Führung zufrieden zu geben.

23. Oktober 1989: SDP-Mitgründer besucht SPD in Bonn

Einer der Mitgründer der SDP, Steffen Reiche, ist zu Gast im SPD-Parteivorstand in Bonn. Er bittet den damaligen SPD-Parteivorsitzenden Hans-Jochen Vogel um Unterstützung der SDP. Die SPD sagt der SDP die „Präferenz der Kontakte zwischen SPD und SDP“ zu: Die SED ist von nun an kein Ansprechpartner mehr für die westdeutschen Sozialdemokraten.

Steffen Reiche erinnert sich: "Am Morgen des 23. Oktober war ich von Hans-Jochen Vogel ins Präsidium eingeladen worden und hatte unsere Parteigründung vom 7. Oktober vorgestellt. Am Abend desselben Tages sagte mir Egon Bahr im Auftrag des SPD-Präsidiums die 'Präferenz der Kontakte zwischen SPD und SDP' zu.

Egon hatte nach „Wandel durch Annäherung“ den nächsten Coup gelandet. Statt der über Jahre etablierten Kontakte zwischen der 2 Millionen-Mitglieder-Partei SED und der 850 000 Mitglieder umfassenden SPD sollten nun die Beziehungen zwischen der vielleicht 300 Mitglieder-Partei SDP und der fast 3000 mal größeren SPD Vorrang haben.

Das war so ungeheuerlich, dass es bis heute nur wenige in ihrer ganzen Bedeutung ermessen haben. Chapeau Hans-Jochen, Chapeau Egon!"

4. November 1989: Größte Kundgebung der DDR-Geschichte auf dem Alexanderplatz

Nahezu eine halbe Million Menschen ziehen durch die Ostberliner Innenstadt, vorbei an der Volkskammer und am Staatsratsgebäude. Zum Abschluss findet eine Kundgebung auf dem Alexanderplatz statt, bei der zahlreiche Rednerinnen und Redner das Wort ergreifen.

Die Demonstration mit der Abschlusskundgebung ist ein Höhepunkt der Demokratiebewegung in der DDR. Von den Organisatorinnen und Organisatoren war die Veranstaltung offiziell angemeldet worden, um die in der Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) zwar verankerten, aber von der Staatsmacht nie gewährten Grundrechte auf Versammlungs-, Meinungs- und Pressefreiheit einzuklagen. Mit der Polizei, die kaum in Erscheinung trat, war eine Sicherheitspartnerschaft vereinbart worden, Schauspieler mit grün-gelben Schärpen und der Aufschrift "Keine Gewalt" wirkten als Ordner.

Viele Menschen brachten ihren Unmut und ihre Forderungen auf originellen Transparenten zur Geltung. Die Redner wie auch die Demonstranten fordern auf dem Alexanderplatz radikale Reformen.

Erstmals wird eine Demonstration der Demokratiebewegung vom Fernsehen der DDR live übertragen, wobei der Kommentator unter anderem konstatiert: "Das Volk hat seine Sprachlosigkeit überwunden".

Am selben Tag finden auch in vielen anderen Städten der DDR große Protestkundgebungen statt.

dpa

11. November 1989: Jubelnde Menschen sitzen und stehen mit Wunderkerzen auf der Berliner Mauer. Sie stand 28 Jahre, 2 Monate und 26 Tage.

9. November 1989: Die Berliner Mauer fällt – ausgerechnet am 9. November

Die SED gewährt Reisefreiheit. Es ist das Ende der Mauer durch Berlin. Es ist das Ende der Teilung Berlins, Deutschlands und Europas. Ein deutscher Schicksalstag, das war der 9. November schon oft.

9. November 1989, abends. Eine Pressekonferenz. Sie wird live übertragen. Eher beiläufig erklärt Günter Schabowski namens des Politbüros der SED, "sofort, unverzüglich" gelte eine neue Regelung für Ausreisen aus der DDR – "ohne Vorliegen von Voraussetzungen".

Noch am selben Abend bricht ein Ansturm auf die Grenzübergangsstellen los. Die DDR-Grenzsoldaten werden der Situation bald nicht mehr Herr. Die Grenze, die Ost und West jahrzehntelang brutal geteilt hat, hört faktisch auf zu existieren. Das vielleicht größte Wunder: es fällt kein einziger Schuss bei der Überwindung der deutsch-deutschen Teilung.

Immer wieder hat sich Deutschlands Schicksal an einem 9. November gewandelt. Nicht immer wie 1989 zum Guten. 1938 stürmten Nazis am 9. November Synagogen und die Geschäfte jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger. An diesem Tag begann der Holocaust.

Im Jahr 1989 wurde der 9. November aber zum großen Tag der Freiheit für Millionen Menschen. Das Ende der deutschen Teilung war eingeleitet.

zurück zu "7. Oktober 1989: Morgenröte in Schwante"