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Zum Tod von Ottmar Schreiner
07. April 2013 - Christine Kroke

„Ein leidenschaftlicher Linker“

Ottmar Schreiner
"Ich bin sehr traurig. Wir sind in Gedanken bei seiner Familie", erklärt der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel. (Foto: DPA)


Die SPD trauert um Ottmar Schreiner. Der 67-Jährige starb am Samstag nach langem Krebsleiden in seiner saarländischen Heimat. „Die SPD hat einen engagierten und großen Kämpfer für Arbeitnehmerrechte verloren und ich persönlich einen politischen und verlässlichen Freund“, erklärt der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel.

"Die Nachricht vom Tod Ottmar Schreiners hat mich tief erschüttert. Noch vor Kurzem habe ich ihn im Krankenhaus besucht. Er war da voller Hoffnung, seine Krebserkrankung zu überstehen“, so Gabriel weiter.

„Eine Lücke, die nur schwer zu füllen sein wird"

Auch der SPD-Landesvorsitzende und stellvertretende Ministerpräsident des Saarlandes, Heiko Maas erklärt zum Tod von Ottmar Schreiner: „Mit großer Bestürzung haben wir seinen Tod zur Kenntnis nehmen müssen. Unser aller Mitgefühl gilt seiner Familie, mit der wir gemeinsam trauern. Nicht nur als Politiker, sondern insbesondere aufgrund seiner menschlichen Qualitäten war Ottmar Schreiner einzigartig. Er hinterlässt eine Lücke, die nur schwer zu füllen sein wird!“

Der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen, Klaus Barthel würdigt Schreiner ebenfalls: „In seltener Geradlinigkeit, Glaubwürdigkeit, Konsequenz und Kompetenz kämpfte Ottmar Schreiner in Partei, Parlament und Öffentlichkeit für die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und der finanziell Schwachen in unserer Gesellschaft, für Würde und Gerechtigkeit!“

Grundüberzeugung vor Karriereinteressen

Für viele Menschen in Betrieben und Gewerkschaften, Sozialverbänden, Kirchen und weit über alle Verbände hinaus habe er der SPD und politischem Handeln größten Respekt und Vertrauen verliehen. Dies sei vor allem seiner Maxime zu verdanken, Werte, Grundüberzeugungen und Erkenntnisse mit aller Kraft und Vehemenz vor persönliche Karriereinteressen zu stellen, so Barthel.

Ottmar Schreiner, ehemaliger Fallschirmjäger und späterer Jurist, stammt aus dem saarländischen Merzig, wo er trotz seines späteren Umzugs nach Saarlouis bis zuletzt auch ein Wahlkreisbüro unterhielt.

Der Katholik trat 1969 in die SPD ein und wurde 1980 in der Regierungszeit Helmut Schmidts erstmals in den Bundestag gewählt. 1997/98 war er stellvertretender Fraktionsvorsitzender. 1998 wurde er Bundesgeschäftsführer seiner Partei.



Kampf für Arbeitnehmerrechte

Schreiner war ein Sozialdemokrat, der seine Partei beispielsweise bei der Agenda 2010 oder der Rente mit 67, kritisch begleitete. Zwölf Jahre lang stand Schreiner an der Spitze der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA). Vor rund einem Jahr gab er den Vorsitz ab. 

Ein Engagement, das auch der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel schätzte: „Ottmar Schreiner war ein leidenschaftlicher und engagierter Linker und bis zu seinem Lebensende überzeugter und geradliniger Sozialdemokrat. Ich bin sehr traurig und in Gedanken bei seiner Familie“, so Gabriel. 

Erst im Januar hatte Schreiner angekündigt, dass er wegen einer Krebserkrankung im Herbst nicht wieder für den Bundestag kandidieren werde. Schreiner hinterlässt neben seiner Ehefrau auch drei Kinder.

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10. April 2013 • 21:40 Antworten

Ulrich.Franz

Die Trauer um einen aufrechten Sozialdemokraten -Ottmar Schreiner-kommt mir verlogen und pflichtschuldigst vor. Sonst würde die SPD seinen Positionen gegen die Agenda 2010 und die Rente mit 67 endlich folgen. Aber die SPD wird es wohl nie kapieren mit Ihren Hartz IV Befürwortern Steinmeyer, Schröder, Müntefering, Steinbrück, Gabriel u.Co. und dem Festhalten an der Lebenlüge der SPD. Auf die Frage:"Herr Schreiner, fünf Jahre Hartz IV - was fällt Ihnen dazu ein?" war seine klare Antwort:"Mehr Armut. Die Hartz IV-Gesetze sind bis heute ein Programm für mehr Armut in Deutschland." Und er kritisierte,dass"Millionen Menschen keine Chance mehr haben aus dem Niedriglohnsektor mit seinen Hungerlöhnen herauszufinden." Während Ottmar noch wusste, was soziale Gerechtigkeit ist, verkam diese Begrifflichkeit bei der SPD zur unkenntlichen Worthülse ohne Herz und Sensibilität. Zu Recht wird die SPD deswegen in der Opposition bleiben oder Juniorpartner in einer großem Koalition werden.

08. April 2013 • 13:02 Antworten
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Gelöschter Nutzer

+*LEIDenschaftliche Politiker+* - Schreiner, Bosbach, Lafontane & Co Das sind die prominentesten Politiker - und alle drei hatten Krebs. Aus der modernen Forschung wissen wir, dass jede Krankheit einen seelischen Ursprung hat. Die Seele schreit, ist erschöpft oder überfordert. *Leidenschaft darf niemals zu Leid werden.* NICHTS ist so wichtig, dass man seine Gesundheit dafür opfern sollte. *Rat an alle Politiker - *Gabriel, Steinbrück & Co: Zu Not sagen: "macht doch euern Kram selbst!" (Franz Beckenbauer) *Alles hat seine Zeit * "... auch aufhören hat seine Zeit!" (Prediger) Man darf niemals öffentlich Schwäche zweigen (anderslautende Argumente sind falsch) ABER man darf auch niemals sich selbst übefordern.

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HBMännchen

Vlt. hatten alle die Gesundheit kaputt weil die in ihren Parteien gegen ihre Bosse ankämpfen mussten und an die Wand gedrängt wurden/ werden. Bosbach hat in der Union ähnlich schweren Stand wie einst Lafontaine in der SPD. Politiker die sehen wie Unrecht, Ungerechtigkeit kommen und der Mensch nix mehr wert ist, werden ggf verzweifelt und fressen den Ärger in sich rein.

das ist wohl wahr, aber alles sollte auch Grenzen haben. Agenda hin oder her, so schlimm war es ja auch wieder nicht. Und die CDU steht gut da. Bosbach hat in Sache Europa fatale Standpunkte.

08. April 2013 • 05:55 Antworten

blehnert

Der Sozialdemokratie größte Verlust im einhundertfünfzigsten Jahr. "Es gibt nichts gutes außer man tut es", in diesem Sinne warst Du auch gegen die Partei Ihrer Aufgabe und Betimmung treu. Tschüss Ottmar

07. April 2013 • 14:56 Antworten

volkerultes

Der plötzliche Tod von Ottmar Schreiner stimmt mich sehr traurig. In seiner 32-jährigen Mitgliedschaft im Deutschen Bundestag kämpfte er immer für die s o z i a l e n Rechte der Bürger. Stets stellte er seine ursozialdemokratischen Prinzipien vor seine Parteikarriere und bewies somit Rückgrat und Standfestigkeit. Sein Buch "Die Gerechtigkeitslücke" bleibt uns als sein greifbares und lesenswertes Vermächtnis zurück. Mein herzlicher Dank gilt seinem großen Engagement für die sozialen Belange und seine damit verkörperte Glaubwürdigkeit als Genosse und Politiker, dessen Handeln stets vom Wählerauftrag geprägt war. Ottmar Schreiner wird uns sehr fehlen. Mein tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie.