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Fake News zu Corona

Was ist das Problem?

Der globale Ausbruch des als ‚Corona‘ bekannten Virus Covid-19 stellt die Welt vor eine riesige Herausforderung – auch uns in Deutschland. Es muss uns gelingen, die Verbreitung der Krankheit über einen möglichst großen Zeitraum zu strecken, damit sich nicht zu viele Menschen auf einmal anstecken und unser Gesundheitssystem überlasten. Dafür ist es wichtig, dass wir alle die von der Bundesregierung ergriffenen Maßnahmen befolgen: zuhause bleiben, soziale Kontakte im Analogen einschränken, Abstand zu Mitmenschen halten.

Außerdem ist es in Zeiten wie diesen enorm wichtig, das eigene Verhalten beim Konsum und bei der Verbreitung von Informationen zu überprüfen. Leider tauchen im Netz immer wieder Falschbehauptungen oder ‚Fake News‘ auf, die Menschen in Bezug auf Corona in die Irre führen. Da wird behauptet, das Virus sei ungefährlich, nichts anderes als die Grippe, für junge Menschen kein Problem und dass Bier gegen das Virus helfe. Solche und andere Falschinformationen können gravierende Folgen für uns alle haben, denn die Lage ist ernst. Viel zu ernst für Lügenmeldungen, die ungeprüft weiterverbreitet werden. Das Virus ist Realität und im Ernstfall tödlich. „Da glaube ich irgendwie nicht dran“ ist keine Kategorie für Corona.

Mir hat jemand eine unglaubliche Info zu Corona geschickt – und jetzt?

Klar: Es ist für uns alle eine schwierige Zeit, auch was die Informationslage angeht. Ständig gibt es neue Entwicklungen und Erkenntnisse. Und über die sozialen Netzwerke – und besonders Messenger wie Whatsapp – erreicht uns eine mitunter unüberschaubare Flut von Meldungen. Viele von uns teilen diese Informationen dann schnell, weil wir es gut meinen und unsere Liebsten informieren und schützen wollen. Aber es ist jetzt besonders wichtig, nur die richtigen Informationen zu teilen: wissenschaftlich geprüfte Fakten und die Handlungsmaßgaben der Bundesregierung und der zuständigen Behörden.

Wir vom FaktenFunk-Team sichten für jeden Tag neue Falschmeldungen und eure Einsendungen. Wir bemühen uns, die wichtigsten davon mit Aussagen von den zuständigen Regierungsbehörden und Forschungseinrichtungen einzuordnen. Wir fassen diese Faktenchecks dann auf unseren Motiven zusammen, die ihr als erstes über Telegram bekommt – oder hier herunterladen könnt. Gebt diese Informationen bitte weiter – und verbreitet keine Falschnachrichten. Prüft immer erst, ob die Information, die ihr erhalten habt, richtig sein kann. Dazu reicht oft eine einfache Google-Suche, da viele der verbreiteten Fake News schon von JournalistInnen widerlegt worden sind.

Warum ist der Umgang mit Fake News so wichtig?

Bei ungebremster Ausbreitung des Corona-Virus droht die Gefahr, dass es zu viele Kranke gibt, die intensivmedizinisch betreut werden müssen (z.B. durch Beatmungsgeräte). Das würde die Möglichkeiten unserer Krankenhäuser übersteigen. Außerdem könnte dies bedeuten, dass andere PatientInnen mit schweren Erkrankungen nicht richtig behandelt werden können. Wenn nun jemand behauptet, man könne sich noch gut mit seinen FreundInnen treffen oder Partys machen – dann kann das gravierende, im schlimmsten Fall sogar tödliche Folgen für andere Menschen haben.

Denn im schlimmsten Fall steckt man sich dort bei jemandem an – und merkt es vielleicht noch nicht einmal. Denn die Inkubationszeit – also die Zeit, bis man Krankheitsanzeichen bemerkt – beträgt bis zu 14 Tage. Außerdem hat ein Teil der Infizierten kaum bis gar keine Symptome. In dieser Zeit ist man selber aber bereits ansteckend. Und läuft dann Gefahr, jemand anders zu infizieren, dessen Immunsystem das Virus nicht so gut bekämpfen kann. Vielleicht die Eltern oder Großeltern. Oder die eigenen Kinder oder Nichten und Neffen.

Zu Corona: Was stimmt?

Klar ist: es handelt sich hier um ein neues Virus, gegen das wir Menschen noch keine Widerstandskräfte haben. Deshalb ist klar: Wir alle sind gefährdet – Junge wie Alte. Ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen haben jedoch das deutlich erhöhte Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken oder sogar daran zu sterben. Deshalb hat die Bundesregierung beschlossen, dem Ausbruch von Covid-19 mit eindämmenden Maßnahmen zu begegnen.

Die wichtigste Regel ist: Abstand zu seinen Mitmenschen, mindestens zwei Meter. Außerdem: regelmäßiges Händewaschen – gründlich, mit Seife, für mindestens 20 Sekunden. In die Armbeuge husten. Die sicherste und beste Maßnahme für alle ist: man bleibt in freiwilliger Quarantäne zuhause – wie es die Mehrzahl der Menschen bereits macht. Allen muss klar sein: Zusammenkünfte oder gar Partys sind in diesen Zeiten grob fahrlässig. Sollte man das Gefühl haben, Symptome zu entwickeln (vor allem Fieber und Husten), sollte man sich bei seinem zuständigen Gesundheitsamt und dem kassenärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 melden. Wann ihr euch bei welcher Stelle melden könnt und sollt, findet ihr auf unserer Lotsenseite.

Was soll ich tun?

Bleibt zuhause. Schränkt eure sozialen Kontakte im Analogen ein. Haltet Abstand zu euren Mitmenschen. Und verbreitet keine Fake News. Verbreitet gesicherte Informationen, denn viele Menschen sind unsicher und haben Fragen zu ihrer Gesundheit, ihrer Arbeit oder der Kinderbetreuung. Hierzu bietet unsere Themenseite eine große Bandbreite an hilfreichen Informationen. Und wenn ihr Fake News bekommt oder euch unsicher seid: Schickt sie uns einfach auf Telegram. Wir schauen sie uns an.

"Das habe ich im Internet gelesen": Verschwörungstheorien im Netz

‚Das habe ich im Internet gelesen, das stimmt!‘ – diesen Satz hört man so oder so ähnlich in der aktuellen Corona-Krise immer häufiger. Meist geht es dabei darum, dass jemand – ein Familienmitglied, ein/e Freund*in oder jemand aus dem Kolleg*innen- oder Bekanntenkreis – einen Inhalt verbreitet, in dem es vermeintlich um ‚die Wahrheit‘ hinter der Corona-Pandemie und die von der Bundesregierung dagegen erlassenen Maßnahmen geht. Das sind oft Videos, Sprachnachrichten oder kurze Textmessages, häufig von Youtube, immer öfter aber auch aus Whatsapp- oder Telegram-Gruppen.

Was diese vermeintlichen ‚Wahrheiten‘ gemein haben: sie erzählen von weltumspannenden Verschwörungen finsterer Mächte, die die Corona-Krise entweder erfunden haben oder sie nutzen, um die Bevölkerung zu unterjochen, zu kontrollieren oder gar auszurotten. Besonders prominente Absender solcher Verschwörungstheorien sind häufig Youtuber, wie der als ‚KenFM‘ bekannte Ex-Radiojournalist und Antisemit Ken Jebsen oder der rechte Esoteriker Heiko Schrang (mit einem 50.000 Abos starken Telegram-Kanal); Prominente, wie der zu Waffengewalt aufrufende Kochbuchautor Attila Hildmann oder der rechte Popsänger Xavier Naidoo; aber auch Ärzte, wie der HNO-Arzt Bodo Schiffmann oder der Lungenarzt Wolfgang Wodarg, oder katholische Bischöfe sind unter den Verschwörungstheoretikern zu finden.

Diese Verschwörungstheoretiker verbreiten oft unterschiedliche Varianten des selben Themas: mal ist es Bill Gates, mal der ‚tiefe Staat‘, mal sind es ‚die Freimaurer‘ und mal ‚die Rothschilds‘ – und manchmal sogar außerirdische Echsenwesen! – die wahlweise hinter Corona stecken oder die Regierungen der Welt heimlich kontrollieren, um die Corona-Krise auszunutzen. Oft ist die Bundesregierung auch selbst irgendwie Teil dieser Verschwörung, lügt über die Corona-Bedrohung und will mit Instrumenten wie einem vermeintlichen ‚Impfzwang‘ (den es nie gab und nicht gibt) die Bevölkerung krank machen oder kontrollieren. Und immer wieder wird behauptet, dass das Covid-19-Virus überhaupt nicht gefährlich sei.

Die Masche der Verschwörungstheoretiker

Die Masche ist dabei stets die Gleiche: eigentlich komplexe Sachverhalte werden in einen direkten kausalen Zusammenhang zu der behaupteten Verschwörung gestellt. Zufälle oder unabhängig voneinander ablaufende Entwicklungen kann es in dieser Lesart nicht geben, weil immer alles auf die Verschwörung zurückgeführt wird. Auf den Kanälen der Verschwörungstheoretiker werden alle möglichen Meldungen (ob tatsächliche Fakten oder Fake News), Gerüchte und nicht verifizierte Behauptungen einfach zu der jeweiligen Verschwörungstheorie addiert. Widersprüchliche Informationen werden entweder ignoriert oder als Lüge dargestellt – als Versuch der Irreführung durch ‚die Verschwörer‘.

Die Verschwörungstheoretiker gerieren sich dabei stets so, als wären sie als Einzige der ‚Wahrheit‘ auf der Spur, als hätten sie allein das ‚große Ganze‘ durchschaut. Das hat Auswirkungen auf diejenigen, die diese Theorien für bare Münze nehmen. Denn in einer unübersichtlichen Lage (wie der Corona-Pandemie), in der viel wissenschaftliche Forschung diskutiert wird (und diese häufig mit vorläufigen Ergebnissen oder statistischen Unschärfen, Hochrechnungen, Dunkelziffern usw. arbeiten muss), bietet die Behauptung einer ‚Wahrheit‘ Orientierung und Sicherheit – und gleichzeitig das Gefühl, Teil einer ‚auserwählten‘ Gruppe ‚Wissender‘ zu sein, ein Gefühl von Zugehörigkeit und Überlegenheit.

Diese Verschwörungstheorien sind nochmal etwas anderes als Fake News – und etwas ganz anderes, als berechtigte Sorge um die eigene Gesundheit und die der eigenen Familie und FreundInnen. Und sie sind etwas ganz anderes, als berechtigte Kritik an politischen Entscheidungen und Maßnahmen oder an der Kommunikation wissenschaftlicher Erkenntnisse. Beides ist normal – und besonders Kritik an der Regierung gehört zu einer Demokratie dazu.

Jedoch: Ohne Belege wüste Behauptungen von globalen Verschwörungen aufzustellen und damit einzelne Personen zu diffamieren oder PolitikerInnen anzugreifen, kann für unsere Demokratie bedrohlich sein. Es untergräbt das Vertrauen in eines der Grundprinzipien der Aufklärung: dass Erkenntnisse immer mit Fakten belegt werden müssen. Dass ‚Wissen‘ eben etwas anders ist, als ‚Glauben‘. ‚Möglich‘ ist vieles – aber ist es auch wahr? Diese Frage muss immer beantwortet werden. Und genau das tun Verschwörungstheoretiker meist nicht: sie vermischen Fakten mit Fakes und bloßen Behauptungen und ziehen sich darauf zurück, ‚ja nur Fragen zu stellen‘. Das reicht aber nicht – irgendwann muss man die Grundlage seiner Argumentation und seines Wissens für alle nachvollziehbar und transparent machen.

Verschwörungstheorien können außerdem dazu führen, dass Menschen in der Pandemie die notwendigen Hygienemaßnahmen ablehnen und sich in einem falschen Sicherheitsgefühl wiegen, dass wiederum zu einem Anstieg der Infektionen und letztlich zu einer Gefährdung der Gesundheit Tauender Menschen führt. Denn, Fakt ist: gegen das Covid19-Virus gibt es immer noch kein Gegenmittel und keinen Impfstoff. Es gilt deshalb immer noch, die Ansteckungswelle möglichst niedrig zu halten, um eine Überlastung unseres Gesundheitssystem zu verhindern.

Wenn Verschwörungstheorien in eurem sozialen Umfeld auftauchen

Deshalb: Wenn ihr in eurem sozialen Umfeld Menschen kennt, die in der Corona-Krise plötzlich anfangen, solche Theorien zu verbreiten – und sei es auch noch so gut gemeint, weil die Personen meinen, wichtige Informationen weitergeben zu müssen: sprecht mit ihnen. Fragt nach, wie sie auf die Idee einer Verschwörung kommen. Fragt sie, woher sie diese Informationen haben. Und überprüft mit ihnen, ob das alles so stimmen kann – gerade das Nachhaken nach den Belegen kann oft die Widersprüche von Verschwörungstheorien schnell sichtbar machen. Ob im persönlichen Gespräch, in den sozialen Netzwerken oder auf Whatsapp und Telegram. Die Forschung zeigt: Menschen messen der Urteilskraft ihres engen sozialen Umfelds immer noch die größte Bedeutung bei. Deshalb sind Gespräche mit Familienangehörigen, FreundInnen und KollegInnen jetzt besonders wichtig. Auf Augenhöhe, ruhig, sachlich.

Wenn euch Verschwörungstheorien erreichen und ihr damit nichts anfangen könnt: schaut ruhig einmal im Netz nach und lest euch ein bißchen schlau. Meistens gibt es dazu schon Erklärungen oder auch Faktenchecks von ExpertInnen – und man kriegt schnell einen Eindruck, worum es sich dabei handelt oder wer eigentlich der Absender ist (Ken Jebsen oder Attila Hildmann kannten zu Beginn der Krise nur wenige).

Und wenn ihr das Gefühl habt: mein Gegenüber kommt mir mit einer Flut an Informationen, das klingt alles doch plausibel, so schnell kann ich das gar nicht filtern oder überprüfen – merkt euch immer eines: Verschwörungstheorien funktionieren über Kurzschlüsse und die Eliminierung von Zufällen. Im Englischen spricht man von ‚jumping to conclusions‘ – übersetzt: voreilige Schlüsse ziehen. Das darin geborgene Bild ist hilfreich: der schnelle Sprung zu einer vermeintlichen (Er-)Kenntnis – das ist es, was Verschwörungstheoretiker und ihre AnhängerInnen tun. Es ist eben nicht der sorgfältig abgewogene, vorsichtige Schritt – sondern der Sprung. Wenn also eine Informationsflut auf euch einprasselt: springt nicht mit. Sondern hakt bei jeder Information nach und diskutiert sie.

"Die Bundesregierung plant eine Impfpflicht": Der Faktencheck

Immer wieder wurde in den vergangenen Wochen behauptet – auch von Prominenten, wie etwa dem gerne auch mit Waffen auftretenden Kochbuchautor Attila Hildmann oder dem HNO-Arzt Bernd Schiffmann –, dass die Bundesregierung heimlich die Einführung einer Impfpflicht plane. Und dass dies die Abschaffung der Demokratie bedeute. Der Stichtag für dieses Szenario sollte der 15. Mai 2020 sein, weil an diesem Tag der Deutsche Bundesrat u.a. über eine Weiterentwicklung des 2001 in Kraft getretenen Infektionsschutzgesetzes entschieden hat.

Was stimmt: Am 14. Mai 2020 wurde im Deutschen Bundestag das Zweite Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite beschlossen, in dem auch die Änderungen am Infektionsschutzgesetz enthalten sind. Der Deutsche Bundestag beschreibt den Zweck und Inhalt des Gesetzes so: „Mit mehr Tests, Hilfen für Pflegebedürftige, pflegende Angehörige und Pflegefachkräfte sowie einer Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) sollen die Auswirkungen der Pandemie besser aufgefangen werden.Am 15. Mai hat der Deutsche Bundesrat dem Gesetz zugestimmt.

Was hat es mit dem 'Immunitätsnachweis' auf sich?

Im Entwurf dieses Gesetzes war ursprünglich eine Erweiterung eines Passus in §28 Abs. 1, Satz 3 enthalten, nach dem für Menschen mit einer dokumentierten Immunität bestimmte gegen Covid-19 erlassene einschränkende Maßnahmen nicht gelten sollten. „Aufgrund des Widerstandes der SPD-Bundestagsfraktion war das Vorhaben aber gestrichen worden“, wie u.a. die Stuttgarter Nachrichten berichten.

„Wir wollen nicht, dass die Gesellschaft nach Immu­nität unterteilt wird“, so SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil bereits am 4. Mai zur Neuen Osnabrücker Zeitung. Er hält das Festhalten an einem Immunitätsnachweis für „völlig kontraproduktiv“. Es könne nicht sein, „diejenigen zu belohnen, die sich angesteckt haben, weil sie sich nicht an die Abstandsregeln halten, und diejenigen zu bestrafen, die auf sich und Andere aufpassen.“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat am 14. Mai noch einmal betont, dass er weiterhin eine gesellschaftliche Debatte über eine Immunitätsdokumentation für notwendig halte – obschon er es begrüße, dass der entsprechende Passus aus dem Gesetz gestrichen wurde. "Es gab nachvollziehbare Kritik, die mir zeigt: Wir brauchen als Gesellschaft mehr Zeit, dieses Thema zu debattieren", so Spahn in einem Bericht von tagesschau.de. Aus diesem Grund hat Spahn den Deutschen Ethikrat um eine Stellungnahme zu der Immunitätsdokumentation gebeten.

Spahn begründet sein Beharren auf einem Immunitätsnachweis u.a. mit der Reisefreiheit. Seine Sorge: andere Staaten könnten die Einreise von Deutschen StaatsbürgerInnen von einem solchen Nachweis abhängig machen. Dies gelte bei Krankheiten wie Gelbfieber in gewissen Staaten auch jetzt schon.

Im Fall von Covid-19 aber ist die Lage aktuell eine andere: Einen Immunitätsnachweis kann man nur dokumentieren, wenn er möglich ist. Bei COVID-19 sind Immunitätsnachweise derzeit aber gar nicht möglich, weil viel zu wenig über die Krankheit, über die Bildung von Immunität oder die Infektiosität trotz Antikörpern usw. bekannt ist. Außerdem gibt es noch keinen Impfstoff. Es ist also leichtsinnig, jetzt über Immunitätsnachweise zu sprechen.

Keine Impfpflicht, nirgends

Was klar ist: Ein Impfausweis oder andere Nachweise über Immunität sind bekannt und nicht ungewöhnlich, wie z.B. der Mutterpass oder Gesundheitszeugnisse für bestimmte Berufe. Wenn die Forschung und die Medizin also irgendwann soweit sind, Immunität sicher nachweisen zu können, ist die Dokumentation durchaus sinnvoll und ein Recht der Patientinnen und Patienten. Das Vorhandensein von Immunitätsnachweisen darf aber nicht zu Diskriminierung führen und auch nicht dafür missbraucht werden. Die Dokumentation ist ein Patientenrecht unter den hohen Auflagen des Datenschutzes, das freiwillig ausgeübt wird – und so soll es bleiben. Dafür stehen wir.

Das alles hat aber mit einer vermeintlichen Impfpflicht oder ‚Zwangsimpfung‘ nichts zu tun, wie häufig kolportiert wird. Tatsächlich wollte die Bundesregierung nie eine Impfpflicht einführen. "Ein für alle Mal: Eine Corona-Impfpflicht stand nie im Gesetzentwurf, zu keinem Zeitpunkt“, stellt die SPD-Bundestagsfraktionsvize Bärbel Bas klar. Dies gelte auch dann, "wenn wir einen Impfstoff haben und mehr über eine mögliche Immunität wissen.“ Für die SPD sei klar: „Es kann und es wird keine Impfpflicht geben.“ Auch die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Sabine Dittmar, macht in einem Video klar: „Nein, es wird keine Impfpflicht geben“.

Die Demokratie wird nicht abgeschafft

Zusammengefasst: Mit dem oben genannten 2. Pandemiegesetz wird nicht die Demokratie abgeschafft, wie offenbar viele befürchten. Vielmehr geht es bei dem Gesetz um eine Vielzahl von Maßnahmen zur Verbesserung der Situation während der Covid-19-Pandemie. Über das Gesetz wurde am 14. Mai im Bundestag auch ganz und gar nicht heimlich, sondern – schon im Vorfeld von einer breit geführten medialen Debatte begleitet – genauso frei und offen und demokratisch diskutiert, wie über andere Gesetze auch. Anschließend wurde ebenso frei über das Gesetz abgestimmt. Alle Informationen zu der Bundestagssitzung sind auf der Webseite des Deutschen Bundestags dokumentiert, inklusive aller Reden. Auch im Deutschen Bundesrat lief das Verfahren nach den ganz normalen demokratischen Regeln ab.

Unsere Grund- und Freiheitsrechte wurden weder in dem Verfahren eingeschränkt oder gar abgeschafft, noch werden sie dies in der Folge des verabschiedeten Gesetzes – dafür sorgt nicht zuletzt die ‚Ewigkeitsklausel‘ im Grundgesetz nach Art. 79, Abs. 3, die die Artikel 1 bis 20 des Grundgesetzes schützt: „Eine Änderung dieses Grundgesetzes, durch welche die Gliederung des Bundes in Länder, die grundsätzliche Mitwirkung der Länder bei der Gesetzgebung oder die in den Artikeln 1 und 20 niedergelegten Grundsätze berührt werden, ist unzulässig.“

Weitere Fake News zu Corona

Corona ist nicht gefährlicher als die Grippe

Der Lungenarzt Wolfgang Wodarg erregt aktuell durch einige Videos für Aufsehen. In denen erzählt er, dass Corona gar kein neues Virus sei – und letztlich nicht gefährlicher als die Grippe. Die Regierung betreibe Panikmache. Der SPD-Bundestagsabgeordnete und Mediziner Karl Lauterbach bezeichnet Wodargs Einlassungen als „unverantwortliche FakeNews" und widerlegt dessen Thesen in einem Video. Denn klar ist: Covid-19 ist gefährlicher (wir haben keinen Impfstoff) und allem Anschein nach auch tödlicher als die Grippe.

Der Bayerische Rundfunk stellt in einem Faktencheck klar: „Wodarg banalisiert in Youtube-Videos die Gefahr von Corona und unterstellt Wissenschaftlern Panik-Mache. Er operiert mit falschen Zahlen, liefert für seine Behauptungen keine Belege.“

Auch die Süddeutsche Zeitung hat sich u.a. mit Wodargs Thesen beschäftigt und Experten befragt. Eine Sache sei klar: Das neue Coronavirus sei den bisherigen Corona-Viren "keineswegs ähnlich", so der befragte Virologe Georg Bornkamm. "Auch wenn alle Coronaviren zu einer Virenfamilie gehören, können sie sich voneinander unterscheiden wie ein Hai von einem Stichling, die beide Fische sind", ergänzt die SZ. Den sehr umfänglichen und klug abwägenden Artikel findest Du hier.

Ich bin jung, ich kann Corona gar nicht kriegen

Covid-19 ist für alle Menschen gleichermaßen gefährlich, da es zum jetzigen Zeitpunkt weder einen Impfstoff, noch ein Medikament gegen das Virus gibt. Auch junge Menschen sind gefährdet: "Ich habe eine Botschaft für junge Leute", sagt hierzu WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus: "Ihr seid nicht unbesiegbar." Und der Münchener Infektiologe Clemens Wendtner ergänzt: "Die jüngsten symptomatischen Covid-19-Patienten waren Anfang 20 Jahre alt. Insgesamt sehen wir das ganze demografische Altersspektrum, egal ob auf Normalstation oder Intensivstation." Besonders gefährdet sind laut Bundesgesundheitsministerium jedoch „Menschen höheren Alters (60+) und jene, die bereits von Grunderkrankungen betroffen sind. Die meisten Todesfälle traten in China bei über 80-Jährigen auf. Männer waren häufiger betroffen als Frauen.“

Man kann sich gut noch draußen mit Freunden treffen, kleinere Partys zu Hause sind ungefährlich

Nein. „Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion, die vorrangig über die Schleimhäute oder Atemwege, aber auch durch den Kontakt über die Hände erfolgen kann“, so das Bundesgesundheitsministerium. Das bedeutet: Jeder engere Kontakt zu einem anderen, möglicherweise infizierten Menschen, stellt ein Ansteckungsrisiko dar. Entsprechend ist es „nicht sinnvoll, zu einer Party zu sich nach Hause einzuladen oder zu anderen Festen zu gehen, bei denen sich viele Menschen treffen“, so der Vize-Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lars Schaade. Das gleich gilt auch für Treffen im Freien, sei es im Park, im Café oder der Eisdiele. „Wir können diese Pandemie nur verlangsamen, wenn wir uns alle an die Spielregeln halten“, betont RKI-Präsident Lothar Wieler. "Ich möchte, dass alle den Ernst der Lage begreifen.“ Sein dringlicher Appell: "Bitte halten Sie Abstand. Und wenn Sie krank sind, bitte bleiben Sie zu Hause!"

Im Netz gibt es Selbst- und Schnelltests zu kaufen

Nein. Hierbei handelt es sich ganz klar um eine Falschmeldung. „Ein Schnelltest, mit dem eine Bestätigung der Infektion mit dem neuartigen Coronavirus eigenhändig durchgeführt werden kann, in etwa analog zu einem Schwangerschaftstest, existiert nicht“, so das Bundesgesundheitsministerium.

Ibuprofen verschlimmert Corona

Zu diesem Thema hatte es einige Verwirrung gegeben: Der französische Gesundheitsminister hatte getwittert, dass das Schmerzmittel Ibuprofen Corona-Erkrankungen negativ beeinflussen könnte. Nachdem diese Behauptung zunächst von einigen Experten zurückgewiesen wurde, gab es eine breitere Debatte in Fachkreisen dazu. Aus der Berichterstattung von tagesschau.de entnahmen wir für unser Motiv das Zitat des anerkannten Leiters des Instituts für Virologie, Prof. Dr. Christian Drosten. Schließlich gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bekannt, dass Ibuprofen im Kontext von Corona doch schädlich sein könnte - revidierte diese Aussage kurz darauf wieder: „Auf der Basis der heute vorhandenen Informationen rät die WHO nicht von der Einnahme von Ibuprofen ab“.

Die Supermärkte schließen bald

Wie die Bundesregierung bekanntgegeben hat, werden Supermärkte, „Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken und Sparkassen, Poststellen“ und viele weitere Geschäfts-Sparten „ausdrücklich NICHT geschlossen“. Die Regierung fügt hinzu: „Eine Öffnung dieser genannten Einrichtungen erfolgt unter Auflagen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts und zur Vermeidung von Warteschlangen.“ Handwerker könnten ihrer Tätigkeit „weiterhin nachgehen“. Und auch wichtig: „Alle Einrichtungen des Gesundheitswesen bleiben unter Beachtung der gestiegenen hygienischen Anforderungen geöffnet.“ Das gesamte Dokument mit allen Maßnahmen findet ihr hier.

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