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05.05.2017

Interview mit Karl Finke, Vorsitzender AG Selbst Aktiv „Ein Bewusstseinswandel ist erforderlich“

Heute ist Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Im Interview mit SPD.de erklärt Karl Finke, Vorsitzender der AG Selbst Aktiv, die Entstehung des Tages und warum es heute wichtig ist, sich im Bereich Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen zu engagieren.

SPD.de: Wie ist der Tag entstanden?

Der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung ist vor 25 Jahren als Großdemonstration und Auftakt der Initiative Selbstbestimmtes Leben entstanden. Ich war damals schon dabei. Jung und wild sind wir hingefahren, fest entschlossen in einer politischen Bewegung als Menschen mit Behinderung für uns selbst zu sprechen und unterrepräsentierten Zielgruppen mehr Mündigkeit zu erkämpfen. Dabei wurde der 5. Mai bewusst als Datum ausgewählt. Dieser ist Europatag und wir unterstreichen damit die europäische Bedeutung der Bewegung.

Warum ist der Tag wichtig?

Bis heute ist die Politik von Menschen mit Behinderung weitgehend von den Wohlfahrtsverbänden geprägt. Ein Bewusstseinswandel ist erforderlich, damit Menschen mit Behinderung in allen relevanten Gremien mit Gesicht und Stimme vertreten sind. Deswegen muss der 5.5. genutzt werden um die vier Ziele der UN-Behindertenrechtskonvention Partizipation als Mitentscheidung, Inklusion, Selbst- Bestimmung und Ermächtigung und Barrierefreiheit gelebte Realität werden zu lassen. Daran muss sich eine Demokratie messen lassen.

Wofür setzt ihr Euch konkret ein?

Wir möchten eigenständige Lebens- und Wohnformen weiterentwickeln und gemeinschaftsorientiertes Wohnen fördern. Dazu gehört auch der Freizeit- und Sportbereich, sowie eine inklusive Bildungskette von der Kita bis zur Qualifizierung und Weiterbildung. Wir wollen die verstärkte Inklusion von Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt forcieren, denn dort liegt die Arbeitslosenquote, trotz guter Wirtschaftslage, 50 – 60 Prozent über dem Durchschnitt. Außerdem setzen wir uns dafür ein, dass Menschen mit Behinderung aktiver in den politischen Prozess eingebunden sind. Ein schönes Beispiel dafür ist die Renovierung des niedersächsischen Landtags. Dort wurde unter Mitwirkung von einem Gremium mit Gehörlosen, Rollstuhlfahrer, Gehbehinderten sowie Blinden ein barrierefreier Landtag konzipiert. Das zeigt, dass demokratische Prozesse unter Beteiligung von Menschen mit Behinderung funktionieren.

Wie kann ich mich bei der AG Selbst Aktiv engagieren?

Eingeladen zur Mitarbeit sind alle engagierten Bürgerinnen und Bürger, unabhängig von Parteimitgliedschaft. Als einzige politische AG von Menschen mit Behinderung sind wir dabei in allen Bundesländern vertreten. Es gibt verschiedenste Arbeitsgruppen in denen man sich unterschiedlich engagieren kann. Wer mitmachen möchte, kontaktiert am besten den Landesverband bezüglich weiterer Informationen.

Karl Finke

Karl Finke ist Bundesvorsitzender der SPD AG Selbst Aktiv. Er engagiert sich bereits seit vielen Jahrzenten im Bereich Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Dafür wurde er von der internationalen Liga für Menschenrechte ausgezeichnet. Karl Finke ist blind. Weitere Informationen zur AG Selbst Aktiv gibt es hier.